„Sehr gut“ für siebenfache Mutter Mit Zähigkeit und Meller Hilfe zum Berufsabschluss

Von Christoph Franken

Fröhlich, sympathisch und clever: Elena Neufeld (links) kann ein hervorragendes Prüfungszeugnis als Verkäuferin vorlegen, worüber sich Arbeitsvermittlerin Helga Fricke mit ihr freut. Foto: Christoph FrankenFröhlich, sympathisch und clever: Elena Neufeld (links) kann ein hervorragendes Prüfungszeugnis als Verkäuferin vorlegen, worüber sich Arbeitsvermittlerin Helga Fricke mit ihr freut. Foto: Christoph Franken

Melle. Elena Neufeld hat es geschafft: Obwohl die 42-jährige sieben Kinder hat, gelang ihr mit Bestnoten in Teilzeit eine Umschulung zur Verkäuferin. Möglich wurde das durch ein individuelles Förderprogramm der Arbeitsagentur Melle.

Der Start in Deutschland gestaltete sich für Elena Neufeld sehr holprig. Sie war 15, als ihre Familie vom sibirischen Omsk nach Bramsche zog. Das junge Mädchen sprach damals kein Wort Deutsch, schaffte aber dennoch einen guten Hauptschulabschluss. „Auch wenn es da noch mit den Deutschkenntnissen haperte“, berichtete sie jetzt in einem Gespräch, an dem auch Arbeitsvermittlerin Helga Fricke und die Leiterin der Arbeitsagentur Melle-Georgsmarienhütte, Annegret Lalottis , teilnahmen.

„Musste Geld verdienen“

„Ich musste danach als junge Frau sofort Geld verdienen für Miete und Strom“, erklärte Elena Neufeld, warum sie keine Berufsausbildung begann, sondern als Näherin im Akkord bei der Firma Sanders in Bramsche anfing.

Ihr selbst sei zunächst auch eine gute Familie mit tollen Zusammenhalt wichtiger als alles andere gewesen. Trotz ihrer wachsenden Familie engagierte sie sich aber auch noch ehrenamtlich in einer christlichen Gemeinde. „Mir war nach 23 Jahren Ehe natürlich klar, dass auch die Kleinste mal größer wird“, erzählte die sympathische Mutter.

Beispiel macht Mut

Bei der Arbeitsagentur rannte sie offene Türen ein: „Wir haben seit einigen Jahren Umschulungsmaßnahmen besonders im Blick“, betonte Annegret Lalottis. Die Agentur wolle Männer und Frauen ohne Berufsabschluss ermutigen, eine Ausbildung zu machen. „Wir verhelfen gerne u einem Berufsabschluss, weil die Vermittlung in den Arbeitsmarkt dann wesentlich einfacher wird.“

Elena Neufeld wurde ab Frühsommer 2015 von Helga Fricke betreut. „Ich wollte einen Einstieg in das Berufsleben haben und das, was ich wollte, musste zu mir passen“, erklärte sie ihre Intention. Helga Fricke führte mit ihrer neuen Kundin Gespräche und führte psychologische Tests durch. „Es geht dabei darum, zu prüfen, ob eine Umschulung zum Erfolg führen kann“, erklärte die Arbeitsvermittlerin. Die Eignung habe schon sehr bald festgestanden und wegen der sieben Kinder sei auch schnell klar gewesen, dass die Berufsausbildung zur Verkäuferin in Teilzeit erfolgen muss. „Und ich war happy, denn diesen Beruf wollte ich und zudem bekam ich meine Familie während der Ausbildung auch unter einen Hut“, erzählte Elene Neumann. Die Ausbildung erfolgte bei einem Bildungsträger in Osnabrück, die Betreuung und Abwicklung blieb bei der Arbeitsagentur Melle.

Mit Praktika

Ihr Wille zum Erfolg sorgte bei Elena Neumann dafür, dass sie sie modulare Ausbildung in Gruppen mit Lernprogrammen, Workshops und Klausuren zügig absolvierte. Schwierige Themenbereiche arbeitete sie zu Hause nach. Dazu kamen insgesamt sieben Monate Praktika beim Modehaus Sinn/Leffers in Osnabrück und einem Modegeschäft in Lemförde. Ihre Anstrengungen wurden belohnt: Elene Neufeld erzielte Ende Januar in der Abschlussprüfung ein „sehr gut“ mit 92 von 100 möglichen Punkten.

„Jetzt bin ich in der Bewerbungsphase für eine Teilzeitstelle, wobei die Betreuung meiner Kinder zu Hause natürlich organisiert ist“, hob die frischgebackene Fachverkäuferin hervor. Sie lobte an dieser Stelle ausdrücklich die Unterstützung, die sie durch Helga Fricke und ihre eigene Familie erfahren habe.

„Beispiel macht Mut“

Für Annegret Lalottis ist die 42-Jährige ein gutes Beispiel, um anderen Mut zu machen. „Wir organisieren auch für Ältere mit 50 oder 55 Jahren Umschulungen, beispielsweise zur Altenpflegerin oder zum Altenpfleger“, sagte sie. Solche Menschen brächten meist auch schon Erfahrungen aus ihrem Privatleben mit. Aber auch Umschulungen zum Berufskraftfahrer seien möglich.

„Mit solchen Berufsabschlüssen haben die Leute große Chancen, wieder Arbeit zu bekommen“, betonte die Agentur-Chefin.