Freie Erzählung im Fachwerk 1775 „Märchenfrauen“ verzauberten in Melle

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Wellingholzhausen. Sie sind alt und ewig jung, überall auf der Welt zuhause und dabei ganz nah: Märchen sind international. Und ihr Zauber ist auch in Zeiten von E-Book und Internet noch ungebrochen. Auf Einladung des Förderkreises brachten sie am Freitag viele interessierte Besucher ins Fachwerk 1775 im Meller Stadtteil Wellingholzhausen.

Märchen wollen leben – und dazu ist die richtige Aussprache ebenso wichtig wie die ganzheitliche Darstellung auf der Bühne. Die Osnabrücker Märchenfrauen Ute Link und Rita Schimschak beherrschen die Kunst, den alten Märchen und Geschichten in freier Erzählung frisches Leben einzuhauchen. Und sie führten die Märchenfreunde im stimmungsvollen Ambiente des Fachwerks 1775 auf eine fantasievolle Reise einmal um die ganze Welt. Ihren Ausgangspunkt nahm sie nicht ganz zufällig in Deutschland.

Royale Wut

Schließlich gelten hierzulande die Niederschriften der Gebrüder Grimm als der Inbegriff des Märchens. „Heinrich, der Wagen bricht…“, überschrieben die beiden Märchenfrauen deshalb den Abend mit einem Zitat aus dem Grimm’schen „Froschkönig“. Die Geschichte des wenig ansehnlichen Amphibiums, das die goldene Kugel der Prinzessin aus dem Brunnen fischt und dafür von ihrem „goldenen Tellerchen“ essen und in ihrem „Bettchen“ schlafen darf, steht bei den Gebrüdern Grimm an erster Stelle.

Der Frosch, in einem Anfall wenig royaler Wut an die Wand geworfen, verwandelt sich in einem charmanten Prinzen. Einem Happy End inklusive achtspänniger Hochzeitskutsche steht damit nichts mehr im Wege.

„Der standhafte Zinnsoldat“ des dänischen Kunstmärchen-Schöpfers Hans Christian Andersen hatte da weniger Glück. Seiner stillen Liebe zu einer Balletttänzerin aus Papier war keine Zukunft beschieden. Stattdessen spülte ihn das Schicksal wortwörtlich den Rinnstein hinunter. Und gerade, als er sich gerettet und auf wundersame Weise wieder mit seiner Umschwärmten vereint wähnte, landen beide im Herdfeuer.

Chinesisches Märchen

Zum Glück waren die düsteren Märchen im Fachwerk 1775 eher die Ausnahme. Weitaus heiterer ging es im chinesischen Märchen von des Kaisers Tochter zu. Da ließ die Kreativität der Verehrer, die sich auf die wunderlichsten Lösungen verstiegen, um ihr die geforderte blaue Rose zu bringen, die Zuhörer schmunzeln.

Ein breites Grinsen zauberte bald darauf das afrikanische Märchen vom Adler, der sich für ein Huhn hält, auf die Lippen. Ein indianisches „Aschenputtel“ und ein orientalischer „Eulenspiegel“: So mancher Stoff scheint durch die Welt zu reisen, um immer wieder neu und immer wieder anders märchenhafte Früchte zu tragen.

Und so dürften den Osnabrücker Märchenfrauen die Märchen und Geschichten noch lange nicht ausgehen.

Musikalische Begleitung

Für den musikalischen Rahmen sorgten mit Jazzstandards, südamerikanischen Rhythmen und irischem Flair Monika Weigelt an der Violine und Ralf Pohlschmidt an der Gitarre.

Die Besucher nutzten unterdessen auch die Pause gerne, um untereinander und mit den beiden Erzählerinnen ins Gespräch zu kommen.


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