Melle-Mitte an Land umwandert? Fischotter in Gesmold nachgewiesen

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Fischotter sollen Gesmold erreicht haben. Foto: dpaFischotter sollen Gesmold erreicht haben. Foto: dpa

Gesmold. Alle bisherigen Fischotter-Nachweise, die ab 2014 für den Grönegau erbracht werden konnten, stammen aus der Osthälfte Melles. Doch jetzt wurden gleich mehrere Nachweise aus Gesmold bekannt.

Das teilt die Stiftung für Ornithologie und Naturschutz (SON) mit. Fischotter-Expertin Anja Roy ist für SON und das Projekt „Kooperation Lebensraum- und Artenschutz Melle – Klar Melle“ im gesamten Stadtgebiet rund ein Jahr lang auf Spurensuche. Jetzt teilte sie hocherfreut mit, dass erstmals mehrere Trittsiegel und weitere Hinterlassenschaften des Otters an der Else bei Gesmold nachgewiesen wurden.

Wehranlagen unpassierbar?

Bisher wurden die Wehranlagen der Else in Melle-Mitte als Barriere für ein Durchwandern der City-Gewässer eingestuft, sagte Volker Tiemeyer vom Vorstand der SON. Die Experten mutmaßen, dass der Fischotter Melle-Mitte im Süden über Violen- und Laerbach sowie teilweise über Land umwandert und so Gesmold erreicht haben könnte.

Sowohl Heinrich Kinnius, Geschäftsführer des Kreislandvolkverbandes Melle, als auch Fritz Mithöfer, Vorsitzender der Jägerschaft Melle, seien laut Stiftung überrascht und erfreut zugleich, dass der Fischotter erstmals in der Westhälfte Melles aufgetaucht ist. Beide Vereine sind Mitglieder im „Klar Melle“–Projekt. „Spannend wird es, wenn in Kürze die Ergebnisse der einjährigen Fischotter-Kartierung zusammengetragen und ausgewertet werden“, sagt Torben Fuchs vom Umweltbüro. Die umfangreichen Kompensationsmaßnahmen der Stadt in der Elseniederung zwischen Melle und der Bifurkation kämen auch dem Fischotter zugute.

Bau von Fischotter-Ruheplätzen

Die Kooperationsgemeinschaft ist bestrebt, erste strukturverbessernde Maßnahmen für den Fischotter durch den Bau von Fischotter-Ruheplätzen an verschiedenen Fließgewässern Melles umzusetzen. Jüngst wurde ein solches rund zwei bis drei Quadratmeter großes Bauwerk am Suttbach errichtet, weitere befinden sich im Raum Riemsloh.

Der Fischotter benötigt neben störungsarmen, flachen Gewässern mit reicher Ufervegetation als nachtaktives Tier möglichst viele Versteckmöglichkeiten im Uferbereich. Idealerweise sind dies freiliegende Wurzelteller oder dichtes Unterholz.

„Oft haben gradlinig ausgebaute Fließgewässer und intensive Flächennutzung solche vielfältigen Strukturen in Gewässernähe jedoch zurückgedrängt“ erklärte Ann-Kathrin Schmidt. Sie und ihr Kollege Sascha Brocks von der Klar-Geschäftsstelle möchten daher mittelfristig noch mehr solcher Ruhe- und Zufluchtsplätze schaffen. „Ein Otter benötige etwa 30 geeignete Verstecke in seinem Revier“, sagt Brocks. „Künstliche Fischotter-Baue bieten eine gute Alternative, bis langfristig durch geeignete Renaturierungsmaßnahmen die natürliche Strukturvielfalt wiederhergestellt ist.“

Bauanleitungen aus England

„Mit der Schaffung dieser aus Menschenhand kreierten Strukturen für den Fischotter betreten wir offensichtlich Neuland, denn die Bauanleitung für die Ruheplätze musste die SON aus England besorgen“, erläutert Tiemeyer. Nun hoffen alle Beteiligten, dass die Verstecke auch tatsächlich angenommen werden.

Das Projekt „Kooperation Lebensraum- und Artenschutz Melle – Klar Melle“ ist zu 80 % aus Mitteln des ELER-Fonds der Europäischen Union und Mitteln des Landes Niedersachsen finanziert.


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