„Gespür für den Einzelfall behalten“ Jahreshauptversammlung des Kreislandvolkverbandes Melle

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Die Jagdhornbläser der Jägerschaft Melle eröffneten die Jahreshauptversammlung des Kreislandvolkes. Foto: David HausfeldDie Jagdhornbläser der Jägerschaft Melle eröffneten die Jahreshauptversammlung des Kreislandvolkes. Foto: David Hausfeld

Melle. Artgerechte Tierhaltung, Pflanzenschutz, Nährstoffmanagement – welche Herausforderungen warten zukünftig auf Landwirte? Einen Ausblick darauf gab die Jahreshauptversammlung zum 70-jährigen Bestehen des Kreislandvolkverbandes Melle.

Die Botschaft war deutlich: Aus Sicht der Landwirtschaftskammer Niedersachsen braucht es eine integrierte, nachhaltige Landwirtschaft im gesicherten Rechtsrahmen und mit unternehmerischem Handlungsspielraum. So fasste Stefan Ortmann, Leiter des Geschäftsbereiches Landwirtschaft bei der Landwirtschaftskammer, seinen Gastvortrag zusammen. Vor rund 200 Zuhörern im Meller Forum sprach er über die „Zukunftsthemen der Landwirtschaft“ aus Sicht seiner Behörde. Dabei nannte er Themen wie Nährstoffmanagement, bedarfsgerechte Düngung, Boden- und Wasserschutz, aber genauso Tierhaltung, landwirtschaftliches Bauen, Pflanzenschutz und die digitale Entwicklung.

Regionale Regelungen

Als einen zentralen Konfliktpunkt nannte Ortmann einen gemeinsamen „Rechts- und Ordnungsrahmen“ für landwirtschaftliche Betriebe. Dieser stehe entschieden den individuellen „Welten und Möglichkeiten“ in den einzelnen Agrarregionen in Niedersachsen gegenüber. Beispielsweise gebe es in den Landkreisen Osnabrück und Emsland einen Schwerpunkt für die Veredelung, also die Verwertung von Nutzpflanzen in höherwertige Tierprodukte. In der Grafschaft Bentheim liegt dieser Schwerpunkt dagegen auf dem Kartoffelanbau.

Stefan Ortmann, Leiter Geschäftsbereich Landwirtschaft der Landwirtschaftskammer Niedersachsen spach als Gastredner. Foto: David Hausfeld

Beide Regionen unterscheiden sich demnach in Struktur, Märkten, Boden oder Klima. Dennoch unterliegen sie laut Ortmann den gleichen Gesetzesrahmen. „Wir müssen das Gespür für den Einzelfall behalten“, appellierte Ortmann. Der Rechtsrahmen müsse von der Landes- und Bundesebene auf regionale Regelungen heruntergebrochen werden. Nur so könnten Landwirte etwa nachhaltiges Nährstoffmanagement und Gewässerschutz betreiben.

Versuchswesen ausbauen

Mit Blick auf den Tier- und Pflanzenschutz forderte Ortmann den Aufbau von wissenschaftlichem Wissen durch einen massiven Ausbau des Versuchswesens. Nur so könne politischen Entscheidung entgegengewirkt werden, die auf unfundierten Einschätzungen beruhen. Speziell im Tierschutz forderte Ortmann nicht nur Regeln, sondern auch Anleitungen, wie die Regeln umzusetzen sind. Es brauche einen gesicherten Handlungsrahmen mit einer nationalen Nutztierstrategie.

Einleitend hatte Ortmann auf das gute Image der Landwirte in der Bevölkerung hingewiesen. Gleichzeitig hätten Bereiche wie Bevölkerung, Politik, Wissenschaft oder der Markt alle unterschiedliche Erwartungen an Landwirtschaft. „Lassen Sie sich nicht jedes Thema auf die Seele legen“, riet Ortmann.

Vertretung für Schulze-Föcking

Ortmann war vertretungsweise für Christina Schulze-Föcking, nordrhein-westfälische Ministerin für Umwelt, Naturschutz und Landwirtschaft, eingesprungen. Die hatte kurzfristig aus Krankheitsgründen abgesagt, wie Jürgen Sixtus, Vorsitzender des Kreislandvolkverbandes Melle, ankündigte.

Melles Bürgermeister Reinhard Scholz sprach über die Zusammenarbeit mit Landwirten bei Flurbereinigung und Hochwasserschutz in Melle. Osnabrücker Kreisrat Wilfried Wilkens warnte vor übertriebener Hysterie in Bezug auf die Afrikanische Schweinegrippe, appellierte aber gleichzeitig an die Landwirte, nötige Hygienevorschriften bei der Schweinehaltung einzuhalten. Zur Begrüßung spielten die Jagdhornbläser der Jägerschaft Melle.


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