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Von „Casablanca“ bis „Jenseits der Stille“: Wie wird Musik zu einer Sprache? Spiel noch einmal das Unsagbare, Sam

Von Michael Woll

Die Motivation zum Singen betrachtete Prof. Dr. Hans Christian Schmidt-Banse. Foto: Michael WollDie Motivation zum Singen betrachtete Prof. Dr. Hans Christian Schmidt-Banse. Foto: Michael Woll

Melle. Unter dem Titel „Leise Ekstasen..., wenn Menschen zu singen anfangen und warum“ führte Professor Hans Christian Schmidt-Banse (Osnabrück) im Rahmen des Symposiums beim Chorfestival durch die Filmgeschichte: Nicht mit empirischer Wissenschaft, sondern anhand konkreter Beispiele wollte er zeigen, in welchen Situationen das Sprechen endet und der Gesang einsetzt.

„Schatz, sie spielen unser Lied!“ Das sogenannte „affektive Gedächtnis“, also eine Art Erinnerung der Gefühle, wurde anhand des Kinoklassikers „Casablanca“ demonstriert: Ilsa bittet den Pianisten Sam darum, „As Time Goes By“ zu spielen, um durch die Musik einen Zusammenklang wiederherzustellen. Schmidt-Banse sprach von Liedern, „deren Schwingungen vor langer Zeit identisch waren mit den Schwingungen der längst vergessenen Gefühle“.

Wie schon das erste Beispiel zeigt, ging es in dem Vortrag weniger darum, psychologisch vom Gesang auf eine Ursache (die „leise Ekstase“) zu schließen, sondern eher umgekehrt um ein Spektrum von Gefühlen und Anlässen, zu denen der Gesang als Ausdrucksform manchmal besser passt als das gesprochene Wort.

So ging es im Folgenden um das Singen als Ausdruck eines „Wir“ (in „Der Weg ins Licht“), als Möglichkeit der Selbstdarstellung sowie als formschönes Zeigen des eigenen Verliebtseins („Zauber der Venus“) oder als Reinigung und Ausdruck unterdrückter Empfindungen („Wie im Himmel“). Mit Blick auf den Film „Die Kinder des Monsieur Matthieu“, der von einem Chor in einem strengen Internat erzählt, trat ein einfacher Aspekt hinzu: „Musik veredelt nicht den Menschen, aber sie bringt Licht und Freude in den tristen Alltag.“

Als Beispiel für den leisen Ausdruck des Ekstatischen wählte Professor Schmidt-Banse abschließend „Jenseits der Stille“, wo Lara vor der ersten Nacht mit ihrem Freund ihren Gefühlen in einer einfachen Melodie auf der Klarinette Ausdruck verleiht.

All diese Beispiele sind jeweils mehr oder minder großes Kino, in jedem Fall also Kunst. Dennoch ergaben sich zwei ganz realistische und praktische Ergebnisse: Erstens wurden viele Anregungen für den Einsatz von Filmen im Musikunterricht gegeben. Zweitens war der Vortrag ein Denkanstoß zu der Frage, was die Musik zu der gemeinsamen Sprache macht, die im Rahmen des europäischen Chorfestivals betont wird.