„Ich bin der Herr, dein Theo“ Plauderstündchen über Gott in der „Insel“ in Melle

Der Bueraner Schriftsteller Bernd Thye las aus seinem neuen Werk „Ne, Theo, so nicht“ in der Insel der Künste. Foto: Conny RutschDer Bueraner Schriftsteller Bernd Thye las aus seinem neuen Werk „Ne, Theo, so nicht“ in der Insel der Künste. Foto: Conny Rutsch

cru Melle. Eine Busfahrt mit Gott? Oder ein Plauderstündchen beim Latte Macchiato? Bernd Thye machts möglich: am Sonntag nahm der Bueraner Schriftsteller eine Zuhörerschar in Melles Insel der Künste mit in seine Erzählung „Ne, Theo, so nicht“, Untertitel: „Gespräch mit über Gott“.

Als Altrocker mit schwarzer Lederjacke, zerrissenen Jeans, langen weißen Haaren und Bart kommt Gott auf die Erde und trifft an einer Bushaltestelle auf Bernd, Autor und Protagonist in Personalunion. Beide kommen ins Gespräch. „Ich bin Gott“, sagt Gott. „Ich möchte mich einfach mal ausquatschen.“

Engelstatus

Und damit geht eine quirlige Geschichte los, die Lacher provoziert, die nachdenklich stimmt. Gott lässt Seitenhiebe auf die Schreiber der biblischen Geschichten los, dass einem schwindlig wird. „Kleingeistige Zeiteinteilung“ nennt er die Schöpfungsgeschichte in sieben Tagen, in denen er „das kleine Erdkügelchen gar nicht hingekriegt hätte“. Moses Teilung des Roten Meeres sei einfach nur „ein anständiger Tidenhub“ gewesen, die Bibel überhaupt „ein komisches Buch“. Die Geschichte über die Sintflut bezeichnet Gott als „Schote“ und gibt Fehler bei der Erschaffung des Menschen zu. „Wir haben in unserem Labor Programmierfehler mit den Hormönchen gemacht“, sagt er mit Blick auf Bernd. Der hat sich nämlich in Gabriela verliebt, Engel und rechte Hand Gottes. „Du wirst deinen Engelstatus verlieren, wenn du hier unten bleibst“, erklärt er und nennt sie Gabi. Und Bernd darf ihn selbst Theo nennen. Der Name Theos kommt aus dem Altgriechischen und bedeutet Gott.

Eine große Portion Humor

Hintergründig, philosophisch, ironisch, liebevoll und mit einer großen Portion Humor kommt die Geschichte daher, nachfühlbar für jeden, etwa wenn Gott die Gedanken Bernds schon kennt, bevor er sie überhaupt ausgesprochen hat. Sehr witzig. Gott berichtet über die seine Schöpfung der Erde wie ein Entwicklungsingenieur mit erklärenden Auskünften aus der Computerbranche. Von der Gegenwart, aus der Vergangenheit bis in die Zukunft erzählt diese Geschichte, die als Buch zur Leipziger Buchmesse (15. bis 18. März 2018) erscheinen und danach im Buchhandel erhältlich sein wird.

Dass Bernd Thye voller Ideen steckt, ist bekannt. Nicht nur, dass er irgendwann seine Jacke auszieht, damit sein T-Shirt mit dem Aufdruck: „Ich bin Dein Gott“ sichtbar wird. Noch mehr hat er sich einfallen lassen. Auf jedem Sitzplatz liegt ein Flyer, eine Art Beipackzettel zum Buch: „Wirkstoffe: Buchstaben, Worte, Sätze, Fragen, Gedanken“ oder „Anwendung: ..zur kurzfristigen symptomatischen Therapie geistiger Faulheit, bei Leichtgläubigkeit, bei Wissensallergien....“ Eine wunderbare kleine Sonderlektüre.

Auflockernde Lesung

Seine Lesung lockert der Schreiber auf, indem er immer mal wieder in einen Papierkorb mit Eulengesicht greift und von zerknüllten Zetteln das liest, was er vermeintlich nicht weiter verwendet hat. Die fliegen dann ins Publikum mit Gedankenschnipseln wie: „Mach Dir nichts draus, wenn Du mir nicht das Wasser reichen kannst – ich nehme ohnehin lieber Wein.“

Musikalisch umrahmten die Betreiber der „Insel der Künste“, Hildrun Balz und Dieter Osuch, die äußerst kurzweilige Lesung, die mit Thyes Worten endet: „Ich drohe Ihnen an, Sie werden noch von mir hören.“ Gut so.