„So eine Kindheit möchten wir nicht“ Interaktives Projekt an der Lindenschule in Buer

Von Conny Rutsch


Buer. Martin Rietsch ist „2schneidig“. Mit seinem Projekt „Against racism – for a better tomorrow“ war er am Donnerstag zu Gast in der Lindenschule in Buer. Der Rapper setzt sich nicht nur in seiner Musik den Fokus auf soziale Themen, sondern ist weltweit mit Kinder- und Jugendförderungsprojekten unterwegs.

Alle Schüler der sechsten bis neunten Klassen nahmen begeistert an diesem Projekttag in der Stuckenbergturnhalle teil. Sie sollten mit seiner Hilfe die Worte „Respekt“, „Toleranz“, „Wertschätzung“ und „Zivilcourage“ mit Sinn erfüllt bekommen.

Schlimme Erfahrungen in der Kindheit

Martin Rietsch vermittelte den Schülern zunächst eindringlich und doch mit einer großen Portion Humor seinen eigenen Lebensweg. Der Deutschnigerianer wuchs in Pflegefamilien auf. Schon sein Fußballtrainer behandelte ihn voller rassistischer Vorurteile. Er wurde diskriminiert, geriet an falsche Freunde, nahm Drogen, trank Alkohol, wurde heimatlos. All seine schlimmen Kindheits- und Jugenderfahrungen erzählte er frank und frei, unterlegte sie mit Fotos von sich selbst.

Selbstbewusstsein trainieren

Erstaunlicherweise war es zumeist mucksmäuschenstill in der großen Schülergruppe, als Martin Rietsch seine Geschichte erzählte. Der ausgebildete Suchtpräventionstrainer machte den Kindern deutlich, wie wichtig es ist, Selbstbewusstsein zu trainieren, ebenso den gegenseitigen Respekt voreinander.

Mit einer großen Übung nach seiner Vortragsrunde intensivierte er die Gruppenerfahrung bei den Schülern. Jeweils ein Kind musste aufstehen und ins Mikro sprechen, was es gerne tut. Und diejenigen, die eben das auch am liebsten machen, standen dann auch auf. Singen mögen etliche gerne, tanzen einige weniger, sich gerne mit Freunden treffen, viele. Die drei, die gerne Computer programmieren, standen ganz alleine in der riesigen Schülerrunde. Hiermit machte Martin Rietsch deutlich, wie wichtig es ist, für seine eigenen Interessen einzustehen, ohne darauf zu schauen, was die anderen denken.

Verpflichtungen gegen Mobbing

In Kleingruppenarbeiten zu den Themen Alkohol, Rassismus oder Vorurteil und einem Tanzworkshop zum Ende der Projektstunden erfuhren die Schüler mehr über sich und die anderen sowie die Prozesse innerhalb einer Gruppe. „Die Kinder sollen Verpflichtungen gegen Mobbing eingehen“, erklärte die Assistentin des Musikers, Elisabeth Meyer. Und die Sozialarbeiterin an der Lindenschule Christina Seibert, die das Projekt mitorganisiert hatte, betonte, dass es für die Schüler interessant sei, ein solches Schicksal zu hören.

Ein Schüler der neunten Klasse drückte seinen Eindruck so aus: „Der ist voll cool drauf und sympathisch. Ich wünschte, er wäre mein Lehrer.“ Und Melissa aus dem sechsten Jahrgang fasste zusammen: „Er hat seine Lebensgeschichte mit so viel Gefühl erzählt. So eine Kindheit möchten wir nicht haben.“

Martin Rietsch gelang es, den Schülern deutlich zu machen, dass Ziele notwendig sind, um nicht antriebs- und motivationslos zu werden, und wie gefährlich es ist, in den Kreislauf diverser Süchte zu geraten.