Mellerin verärgert Paket nicht ausgehändigt wegen ausländischem Ausweis?

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Neues aus Absurdistan: Weil sie sich gegenüber dem Paketboten der DHL mit ihrem griechischen Pass auswies, bekam eine Mellerin nicht ihr bestelltes Handy ausgehändigt. Symbolfoto: dpaNeues aus Absurdistan: Weil sie sich gegenüber dem Paketboten der DHL mit ihrem griechischen Pass auswies, bekam eine Mellerin nicht ihr bestelltes Handy ausgehändigt. Symbolfoto: dpa

Melle. Weil ein DHL-Paketbote ihren ausländischen Ausweis nicht lesen konnte, verweigerte er einer griechischstämmigen Mellerin die Zustellung. Die Mutter der Frau spricht von Diskriminierung. Der Bote habe hingegen nur auf Nummer sicher gehen wollen.

„Das ärgert mich sehr, mir ist richtig zum Heulen zumute“, sagt Effrosyni Lykopoulou im Gespräch mit unserer Redaktion. „Ich fühle mich diskriminiert. Wir leben hier, sind hier aufgewachsen, arbeiten hier, gehen hier zur Schule. Das ist mir aber noch nicht passiert“.

Über ein Internetportal hat ihre 20-jährige Tochter einen Handyvertrag abgeschlossen und ein zugehöriges Mobiltelefon gekauft. Ein Paket mit dem Gerät wurde ihr zugesandt und vom Paketdienst DHL überbracht. An der Tür habe der Bote ihre Tochter gebeten, sich mit einem Ausweis zu identifizieren, sagt Lykopoulou. Das habe sie getan. Als griechische Staatsbürgerin wie ihre Mutter, verfügt die Tochter aber nur über einen griechischen Ausweis.

Ausweis auch in lateinischer Schrift verfasst

Laut Lykopoulou verweigerte der Zusteller daraufhin die Übergabe des Paketes, mit der Begründung, er könne den Ausweis nicht scannen und darüber hinaus wegen der griechischen Buchstaben nicht lesen. Die Tochter habe dem Paketboten versucht zu verdeutlichen, der Ausweis sei neben griechischer Schrift auch in lateinischer und damit für ihn lesbarer Schrift verfasst. Das ignorierte der Bote aber nach Aussage von Lykopoulou.

Der Ausweis, der unserer Redaktion vorliegt, ist in lateinischen Buchstaben als „Identity Card“ (Personalausweis) der „Hellenic Republic“ (Hellenische Republik, die amtliche Bezeichnung Griechenlands) gekennzeichnet. Wichtige Angaben wie Vor- und Nachname und das Geburtsdatum sind ebenfalls in lateinischen Schriftzeichen lesbar. Darüber hinaus verfügt das abgestempelte Dokument über ein Foto und ist in lateinischen Buchstaben unterschrieben.

Bei der zweiten Zustellung sogar Geburtsurkunde bereitgehalten

Nach Kontakt mit dem Internetportal schickte dieses das Paket ein zweites Mal raus. Laut Lykopoulou habe die Tochter dieses Mal vorsorglich weitere amtliche Dokumente wie eine Geburtsurkunde bereitgehalten, als der gleiche DHL-Bote abermals klingelte. Wie die Griechin berichtet, verweigerte der Bote wieder die Übergabe des Paketes, ohne die entsprechenden Dokumente anzusehen. Ihre Tochter brauche einen deutschen Ausweis, wenn sie das Paket erhalten wolle, habe er gesagt.

Ein Anruf im Kundenservice der Deutschen Post brachte ebenfalls keinen Erfolg. Ein Servicemitarbeiter habe Frau Lykopoulou geraten, die deutsche Staatsbürgerschaft anzunehmen „dann hätte sie in diesem Land auch keine Probleme“, zitiert Lykopoulou den Mitarbeiter. Warum sie unbedingt einen deutschen Ausweis brauche, habe man ihr jedoch nicht erklärt.

Bote muss Geschäftstüchtigkeit des Empfängers prüfen

Laut DHL-Sprecherin Maike Wintjen geht es in diesem Fall um die Haftung. Werden Pakete vom Absender mit dem Hinweis auf eine Identitätsprüfung versehen, sind die Boten angehalten, diese durchzuführen, erklärt Wintjen auf Nachfrage unserer Redaktion. Bei bestimmten Waren, etwa einem Handy samt Vertrag oder sensiblen Gütern, sei der Absender verpflichtet, etwa die Geschäftstüchtigkeit des Empfängers zu prüfen. „Wir müssen dem Wunsch des Versenders im Zweifel nachkommen, wir handeln im Auftrag des Absenders, nicht des Empfängers“, sagt Wintjen.

Für die Prüfung sei ein gültiges Ausweisdokument mit Lichtbild notwendig, das neben dem Namen auch das Geburtsdatum der Person trägt, sagt Wintjen. Ein deutscher Personalausweis sei aber nicht zwangsläufig notwendig, sondern lediglich, dass sich die Person anhand eines amtlichen Ausweises eindeutig identifizieren lasse. „Ein Studentenausweis ist nicht ausreichend“, sagt die Sprecherin.

Lykopoulou hält das für Ausflüchte. „Meine Tochter konnte sich zu 100 Prozent ausweisen“, sagt sie. Dafür sei das Ausweisdokument aus ihrer Sicht bereits ausreichend gewesen, zusätzliche weitere Dokumente wie die Geburtsurkunde hätten schließlich auch noch vorgelegen.

Laut Wintjen könne es auch Diskrepanzen zwischen dem beim Kauf angegebenen und dem bei der Lieferung vorgezeigten Ausweisdokument gegeben haben. Wird beim Kauf ein anderes Dokument angegeben, als letztendlich vorgezeigt, werde die Zustellung unter Umständen ebenfalls verweigert. Die genauen Umstände und Gründe, die letztendlich dazu führten, dass der Bote das Paket einbehielt, konnte Wintjen bis Redaktionsschluss nicht eindeutig klären.


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