Arbeitskreis Schule-Wirtschaft zu Gast Technischer Wandel stellt Meller Autohaus vor Herausforderungen

Von David Hausfeld

In Kleingruppen wurde der Arbeitskreis Schule-Wirtschaft Melle durch den Betrieb Pietsch geführt. Foto: David HausfeldIn Kleingruppen wurde der Arbeitskreis Schule-Wirtschaft Melle durch den Betrieb Pietsch geführt. Foto: David Hausfeld

Melle. Auf seiner Erkundungstour zum Thema „Mensch und Technik“ hat der Arbeitskreis Schule-Wirtschaft Melle das Autohaus Pietsch in Melle besichtigt. Technische und digitale Weiterentwicklungen stellen das Familienunternehmen vor große Herausforderungen.

Die Firma Pietsch ist nicht nur als Autohändler mit entsprechenden kaufmännischen Ausbildungsangeboten für den Meller Arbeitskreis interessant. Der Betrieb bietet ein breites Anwendungsfeld für 176 Mitarbeiter – von Werkstätten über den Verkauf an Privat- und Unternehmenskunden bis hin zum eigenen Karosserie- und Lackzentrum. Auch in entsprechend technischen Berufen wie dem Kfz-Mechatroniker bildet das Haus aus. Der Arbeitskreis, der sich selbst als Schnittstelle zwischen Schule und Betrieben versteht, ist vor allem an dem Einfluss von technischen und digitalen Entwicklungen auf die heutigen Berufsbilder der Autobranche interessiert. Und dieser Einfluss ist enorm.

Heutige Branchenberufe unterliegen einem ständigen Wandel, wie die Änderung der Berufsbezeichnung Mechaniker zu Mechatroniker gezeigt hat, erläutert Christine Pietsch-Heine, Geschäftsführerin des Autohauses. Schuld ist vor allem die Technisierung: Langjährige Schrauber bauen einen Vergaser oder ein Getriebe noch selbst auseinander, „junge Kollegen, die gewohnt sind, einen Fehler erst mit dem Computer auszulesen, geraten da schon an ihre Grenzen“, sagt Pietsch-Heine. Am Ende seien aber beide wichtig: „Es braucht immer einen guten Handwerker.“

Neue Berufe?

Neue Anforderungen bringen aber auch völlig neue Berufsbilder mit sich. Alternative Antriebe wie E-Mobilität und Erdgas drängen auf den Markt und haben neue Ansprüche an Service- und Wartung. Die Digitalisierung prophezeit neue (Online-)Handelsmodelle, wie den Direktkauf beim Hersteller. Autonomes Fahren verändert das Nutzungsverhalten des Autofahrers. „Vielleicht brauchen wir nicht nur einen Autoverkäufer, sondern auch jemanden, der Autos erklärt“, sagt Pietsch-Heine als mögliche Antwort auf diese Veränderungen. Auch über einen „Digitalisierungsmanager“ habe das Unternehmen schon nachgedacht.

Ein Blick ins Teileleager: Arbeitskreis Schule-Wirtschaft zu Besuch beim Autohaus Pietsch. Foto: David Hausfeld

Die Geschäftsführerin geht sogar noch weiter: „Vielleicht verkaufen wir irgendwann nicht mehr Autos, sondern nur noch Mobilität.“ Ihr Punkt wird deutlich: „Es gibt wohl kaum eine Branche, wo der Wandel der Technologie so deutlich wird und von Modell zu Modell neu in die Werkstatt schwappt“, fasst Sabine Stöhr, Geschäftsführerin des Industriellen Arbeitgeberverbandes Osnabrück-Emsland-Grafschaft-Bentheim (IAV), ihre Eindrücke von der Besichtigung zusammen.

„Zukunftsfähiges Konzept“

Bei so viel Dynamik in der Fahrzeugbranche ist der Qualifizierungsbedarf groß. Ständige Weiterbildungen sind für langjährige Beschäftigte, aber auch für die 38 Azubis bei Pietsch schon während der Lehre ein Muss. Und wo der Unternehmensnachwuchs nachhaltig ausgebildet wird, soll der nach Möglichkeit auch im eigenen Betrieb bleiben. Hermann Krüssel, Arbeitskreisleiter und Schulleiter der Berufsbildenden Schulen Melle, lobt die Fachkräftegenerierung und die qualifizierte Aus- und Weiterbildung bei Pietsch als ein „gutes zukunftsfähiges Konzept“.

1953 begann die Firma Pietsch mit dem Kauf einer Tankstelle in Melle-Hoyel. Heute hat sich das Unternehmen weitläufig am Herrenteich ausgebreitet und dominiert die Nordseite der Straße mit Werkstatt-, Ausstellungs- und Lagerhallen sowie Parkplätzen. Rund 2900 Neu- und Gebrauchtfahrzeuge der Marken VW, Audi, Skoda und Seat fanden hier vergangenes Jahr einen neuen Besitzer im Privat- und Unternehmenskundengeschäft.


Arbeitskreis Schule-Wirtschaft Melle

Der Arbeitskreis Schule-Wirtschaft Melle ist einer von 20 Arbeitskreisen in Niedersachsen, die sich nach eigenen Angaben, mit regionalen Arbeitgeberverbänden für eine Stärkung des Dialoges von Schulen und Unternehmen einsetzen. Ziele sind unter anderem, die Berufsorientierung und Übergangsquote zu verbessern sowie die Schulqualität durch Eigenverantwortlichkeit zu stärken. Zusammen mit Lehrkräften werden regelmäßig Betriebsbesuche und weitere Aktionen organisiert.(dah)