„Viel Glück, Alter!“ Meller verkauft Marihuana an 14-Jährigen

Von Michael Hengehold

Vor dem Osnabrücker Amtsgericht musste sich ein 36-jähriger Meller verantworten, weil er einem 14-Jährigen fast ein Jahr lang immer wieder Marihuana verkauft hat. 160-mal, sagt die Staatsanwaltschaft. Symbolfoto: dpaVor dem Osnabrücker Amtsgericht musste sich ein 36-jähriger Meller verantworten, weil er einem 14-Jährigen fast ein Jahr lang immer wieder Marihuana verkauft hat. 160-mal, sagt die Staatsanwaltschaft. Symbolfoto: dpa

Melle. „Einfach nur zum Chillen“ hat ein 14-jähriger Junge öfter bei einem 33-Jährigen Meller abgehangen. Dabei blieb es nicht. 160-mal habe der Mann dem Teenager Marihuana verkauft, sagt die Saatsanwaltschaft, wofür der Mann sich nun vor dem Amtsgericht verantworten musste.

Der Angeklagte kann einem leid tun. Durch Heroinkonsum vorzeitig gealtert, kommt er krummen Rückens in den Saal des Amtsgerichts Osnabrück und sitzt dann mutlos zusammengesunken mit seinem VfL-Osnabrück-Schal da. Wie seine Rückenkrankheit nochmal heißt, fällt ihm nicht ein. Doch der Meller hat nicht nur Drogen konsumiert seit er 13 war, er hat sie auch an einen Minderjährigen verkauft. 160-mal hat die Anklage notiert, jeweils „mindestens ein Gramm“ Marihuana.

Im Methadonprogramm

Deshalb muss er sich nun verantworten und macht einen Eindruck zum Erbarmen. Neunmal vorbestraft, keine eigene Wohnung. Mal schläft der 36-Jährige bei der Oma, dann bei der Tante. Um die Drogenabhängigkeit in den Griff zu bekommen, ist er seit gut einem Jahr in einem Methadonprogramm: „Klappt ganz gut so.“

380 Euro Grundsicherung zahlt sein Betreuer ihm monatlich aus, arbeiten kann er nicht, hat auch nichts gelernt. Außer Verticken. „Sie waren doch mal eine ganz gute Adresse“, sagt die Richterin und meint das nicht so positiv wie es sich anhört. Den Vorwurf, an einen 14-, später 15-Jährigen über fast ein Jahr Gras verkauft zu haben, räumt er kleinlaut aber unumwunden ein: „Ja, das stimmt so.“ Der sei aber schon damals, 2014 bis 2015, „körperlich breiter als ich“ gewesen. Für „18 oder 19 so“ habe er ihn gehalten. Das wiederum mögen Richterin und Staatsanwalt nicht glauben, als der damalige Kunde ein Passfoto aus der Zeit vorzeigt. Weil der Angeklagte geständig ist, verzichtet das Gericht auf drei weitere Zeugen, ebenfalls Ex-Kunden. Nur einer ist überhaupt pünktlich erschienen, macht einen fröhlichen Eindruck. Wünscht dem Gericht einen schönen Tag noch und dem Angeklagten beim Rausgehen „Viel Glück, Alter“.

„Alles scheiße gelaufen“

Der fängt an zu schluchzen und hört bis zum Ende des Verfahrens nicht mehr auf. Das Recht auf ein Schlusswort quittiert er mit einem Satz: „Ja, ist alles scheiße gelaufen.“ Man muss kein Psychologe sein, um zu verstehen, dass er nicht nur die juristischen Vorwürfe meint.

Zwei Jahre und neun Monate fordert der Staatsanwalt mit spürbarem Bedauern, nicht mehr Rabatt geben zu können. Aber bei der Menge der Einzeltaten, den Vorstrafen und dann eben Abgabe an einen Minderjährigen - nee. Stimmt ja alles, sagt der Anwalt, aber zwei Jahre zur Bewährung täten es auch. Zwei Jahre und sechs Monate verhängt das Gericht. Da gebe es keine andere Möglichkeit, erklärt die Richterin: „Sie tun uns leid.“