Gessem Dienstag mit Franz Loth „In Gesmold steht die GroKo“

Von Christoph Franken


Gesmold. Eugen Sternberg als Vorsitzender des gastgebenden CDU-Ortsverbandes Gesmold stimmte die Zuhörer im voll besetzten Saal Kellersmann am Dienstagabend gleich richtig auf die Traditionsveranstaltung „Gessem Dienstag“ ein: In Gesmold steht die GroKo: Grobe Wurst und reichlich Kohl.

Damit war der Grundstein gelegt für die politisch-karnevalistische Sitzung zwischen Rosenmontag und Aschermittwoch sowie zwischen Grünkohl und Bier. Sternberg begrüßte denn auch namentlich politische Prominenz und Führungskräfte aus der Region, darunter als Utroper den Diözesan-Caritasdirektor Franz Loth, den Bundestagsabgeordneten André Berghegger, Staatssekretär Stefan Muhle und Melles Bürgermeister Reinhard Scholz.

Gesmolds Ortsbürgermeister Michael Weßler versprach den Gästen in seinem Grußwort ein „Abendmahl ganz ohne Qual“ und ließ politische Ereignisse in Berlin auf launige Art Revue passieren. So erklärte er den Begriff der Sahara-Koalition: Wir schicken sie alle in die Wüste.

Auch die Rede von Scholz war gespickt mit Witzen und humoristischen Anspielungen auf den Polit-Betrieb in Stadt und Land. Beim Thema MEL-Kennzeichen schlug er aber auch ernste Töne an: „Der Bürgerwille darf nicht leiden“, appellierte er an die Kreistagsmitglieder und den bis dahin noch nicht im Saal anwesenden Landrat Michael Lübbersmann. Nun sei es bald Aufgabe des Kreistages, zu zeigen, dass ihm Bürgerwille tatsächlich wichtig sei. „Er wird es tun, da bin ich Optimist“, schloss Scholz seinen Redebeitrag.

Ehrung auf der Bühne

Auf der Bühne neben der bunten Bütt wurde anschließend Alfons Oberwestberg für 50-jährige Mitgliedschaft im CDU-Ortsverband Gesmold geehrt. Michael Weßler hob dessen langjähriges Engagement im Ortsrat, im Stadtrat und im Kreistag für den Landkreis und Gesmold hervor. Oberwestberg nutzte die Gelegenheit, um nicht nur für eine Mitgliedschaft in der CDU zu werben. „Unsere Demokratie soll lebendig bleiben und fortbestehen, aber das geht nur, wenn möglichst viele Verantwortung in Parteien übernehmen“, sagte der lokale CDU-Grande.

Harald Kruse, der CDU-Fraktionsvorsitzende im Stadtrat, unternahm anschließend einen humoristischen Parcours durch die Niederungen der Lokalpolitik. Seine wiederkehrenden Bemerkungen, wie schwer es doch ein Ortsbürgermeister, dessen Stellvertreter, die Bürgerbüroleiterin, der Vorsitzende der Mehrheitsfraktion, der Vorsitzende der Minderheitenfraktion und die Ortsratsmitglieder selbst hätten, wurden vom begeisterten Publikum ebenfalls wiederkehrend mit einem ironisch-bedauernden „Oooch“ begleitet. Besonders amüsiert über die Rede zeigte sich Elisabeth Weßler, die Ehefrau des Ortsbürgermeisters. Kruse hatte abschließend noch einen Seitenhieb parat: „Eine Tankstelle soll in Gesmold kommen, bevor der Hauptstadtflughafen BER gebaut wird. Wann immer das sein wird.“

Martin Luther kam

Als Martin Luther gewandet trat dann Melles Stadtratsvorsitzender Malte Stakowski in die Bütt. Zuvor gab es für seine Lebensgefährin Mareike Paul noch ein Geburtstagsständchen vom Publikum. Er berichtete in Gleichnisform über seine fiktive Reise von Jerusalem Richtung Norden und von seinen Reiseerlebnissen mit Parteifreunden und Parteifeinden. Schließlich sei er doch in Melle gelandet. „Obwohl sie mich da sogar als Statue ablehnen“, piekste er die nach wie ungeklärte Standortfrage für ein Luther-Denkmal im Stadtgebiet auf. „Eine tolle politische Rede, die einen Bogen von der Bundespolitik bis zu lokalen Ereignissen schlug“, lobte Michael Weßler als Moderator des Abends den jungen Redner. Der erhielt tosenden Beifall.

Musikalisch und politisch eindeutig ging es dann mit Gesangsdarbietungen der „Gessem Five“ weiter, die eigentlich sieben sind und von Christoph Lanver ausgebildet wurden. „Gesmold, du bist so herrlich schwatt, Gesmold, du holst Stimmen satt“, sang die muntere Truppe auf der Bühne und der Saal fiel schnell in den Refrain ein. Unter den Sängern: Geburtstagskind Reinhold Kassing. „So ne große Geburtstagsrunde hatte ich noch nie“, dankte Kassing der Versammlung.

„GES statt MEL“

„Eigentlich weiß ich gar nicht mehr, was ich hier soll“, leitete Utroper Franz Loth unter Hinweis auf die bis dahin gehaltenen Beiträge seine Rede ein. Aber als Emsländer bekomme er das schon hin und schwups, streute er auf Plattdeutsch einige Anekdoten ein. Dann wieder auf Hochdeutsch: Die Meller sollten sich statt des Kennzeichens MEL lieber gleich für das Gesmolder Nummernschild GES einsetzen. „Damit ist Wellingholzhausen dann gleich mit einkassiert“, sammelte Loth erste Pluspunkte bei der fröhlichen Menge.

Da setzte er gleich noch einen drauf. Der Sohn eines Wellingers kommt mit einer 5 im Zeugnis nach Hause. Die habe er bekommen, weil er nicht gewusst habe, dass Jesus tot sei. „Ich wusste noch nicht einmal, dass er krank war“, reagierte der Vater empört.

Pferdeäpfel im Raum

Dann wechselte der Redner ins ernste Fach und kritisierte unter Beifall: Aus sozialen Netzwerken werden asoziale Hetzwerke“.

Es folgte ein witzig-nachdenklicher Parforceritt durch das Alphabet. Loth endete mit dem Beispiel zweier Söhne, einer optimistisch, einer pessimistisch. Letzterem schenkte der Vater ein Zimmer voll mit dem schönsten Spielzeug, dem anderen legte er ein paar Pferdeäpfel in den Raum. Der Pessimist quengelte am Morgen, was er denn mit all dem Kram solle. Der andere Sohn aber bekam strahlende Augen, denn irgendwo müsse doch ein Pony sein. „Und das wünsche ich Ihnen, dass irgendwo ein Pony ist“, sagte Loth. Langanhaltender Applaus belohnte den Utroper.