Auch Privatleute in der Pflicht Stadt Melle will alle 12 000 Bäume erfassen

Von Michael Hengehold

Diese Birke hat Sturm „Friederike“ im Januar auf der Grünfläche zwischen Else-Allee und ZOB umgerissen. Foto: Michael HengeholdDiese Birke hat Sturm „Friederike“ im Januar auf der Grünfläche zwischen Else-Allee und ZOB umgerissen. Foto: Michael Hengehold

Melle. Wie viele Bäume es in Melle gibt, weiß kein Mensch. Immerhin aber existiert eine Schätzung der Anzahl von Bäumen auf öffentlichem Grund: 12000. Die werden nun alle erfasst, dazu legt die Stadt ein sogenanntes Baumkataster an.

Dort werden die Schatten- und Sauerstoffspender unter anderem nach Art, Höhe, und Umfang gespeichert, der Standort wird festgehalten, außerdem der Zustand und Besonderheiten. Alle Bäume werden durchnummeriert und erhalten eine Plakette.

Hintergrund ist die sogenannte Verkehrssicherungspflicht. Die Stadt, wie auch jeder Privatmann, muss dafür sorgen, das Passanten nicht verletzt werden, sei es durch herabfallende Ziegel, Eiszapfen, Äste oder gar durch umstürzende Bäume.

Ein- bis zweimal im Jahr

Dazu werden zukünftig alle städtischen Bäume ein- bis zweimal im Jahr in Augenschein genommen. „Einmal mindestens“, erklärt George Trenkler als Vorsitzender des Umweltausschusses, „und zweimal, wenn es bei einzelnen Bäumen sein muss, denn natürlich kann man aus Kosten- und Zeitgründen nicht alle 12000 Bäume zweimal im Jahr kontrollieren.“ Im Umweltausschuss wurde das Projekt vorgestellt.

Lohnt sich der Aufwand?

Auch er sei anfangs durchaus skeptisch gewesen, ob der Aufwand sich lohne. Aber zum einen werde eine „regelmäßige und fachgerechte Baumkontrolle sowie -pflege von Gerichten gefordert, heißt es in der Vorlage zur Sitzung. Zum anderen bringe das auch Synergieeffekte, versichert Trenkler. Etwa bei Planungsvorhaben, für ein nachhaltiges Gehölz-Management, zur Überprüfung des Bestandes (sinkt oder steigt der), aber auch, wenn es darum gehe, zu wissen, wie viele städtische Mitarbeiter, die mit Baumpflege befasst sind, eigentlich benötigt werden. Der wesentliche Grund ist allerdings, dass die Stadt im juristischen Streitfalle nachweisen können muss, dass sie sehr wohl ein Auge auf ihren Baumbestand hat.

Beobachtungen notieren, Baum fotografieren

Auch Privatleute müssten das im Übrigen beachten, warnt Trenkler. Während für die Stadt ein Fachmann die Bäume begutachtet, dürfen private Baumbesitzer das selbst tun. Einen Fachmann sollten sie erst einschalten, wenn besondere Umstände gegeben sind. Etwa, wenn ein Baum schon sehr alt ist, schief steht oder nicht mehr gesund aussieht. Wer auf der ganz sicheren Seite sein möchte, kann seine Beobachtungen notieren oder sogar den Baum fotografieren – dann einmal mit, einmal ohne Laub, empfiehlt Trenkler. Das alles natürlich nur dort, wo Verkehr herrscht.

Für die Erfassung der städtischen Bäume sind zwei Jahre vorgesehen, sprich 6000 Bäume per anno. Pro Baum stehen zur Begutachtung sechs bis zehn Minuten zur Verfügung. Trenkler. „Wenn alles gut ist, passt das, aber bei einer intensiveren Prüfung wird die Zeit schon knapp.“


Mein Freund, der Baum

  • Schon ein 20 Meter hoher Baum produziert 10000 Liter Sauerstoff am Tag. Das reicht für fünf bis zehn Menschen.
  • Bäume binden Kohlenstoffe und bremsen den Klimawandel.
  • Ein Baum filtert bis zu 100 Kilogramm Staub pro Jahr aus der Luft.
  • Ein Baum verdunstet bis zu 500 Liter Wasser am Tag (und befeuchtet so die Luft) und leistet die Kühlleistung von 10 bis 15 Klimaanlagen.
  • In Deutschland sind 6700 Tierarten auf Bäume angewiesen.

Quelle: baumpflegeportal.de