Horizonte und Fantasiewelten Celina Sophie Clausen gewinnt Meller Vorlesewettbewerb

Von Marita Kammeier


Melle. Routiniert und doch mit großer Nervösität haben 14 Kinder der sechsten Klassen beim Vorlesewettbewerb des deutschen Buchhandels vor Jury und Publikum gelesen. In der Stadtbibliothek trafen die Schulsieger am Wochenende auf Konkurrenz aus der Stadt und dem südlichen Landkreis.

„Meine Hände zitterten beim Umblättern der Seiten“, berichteten einige Kinder. Fast noch aufgeregter verfolgten jedoch Eltern, Freunde, Lehrerinnen und interessierte Zuhörer den ersten Bühnenauftritt der 12-Jährigen. Spannung und leise Konzentration prägten die Stimmung.

Der jährliche Wettbewerb, an dem sich alle Meller Schulen beteiligten, hat einen hohen Stellenwert in Stadt und Land. Auch aus Dissen, Hilter, Glandorf, Oesede und weiteren Städten reisten Teilnehmer an. Marleen Fischer aus Wellingholzhausen und Fionn Hinghaus aus Oldendorf hatten zur Unterstützung ihre Fanclubs mitgebracht, die wie erwartet beim Daumendrücken halfen.

„Seht diesen Wettbewerb als Spiel an. Wer liest, gewinnt immer“, erklärte Buchhändler Michael Sutmöller, der die Veranstaltung zusammen mit Bibliotheksleiterin Ulrike Koop organisierte.

Trotz hoher Anspannung überzeugten die Jugendlichen mit guter Präsenz und Begeisterung. Die aus ihren Lieblingsbüchern ausgewählten und geübten Texte stellten die Vorleser auf der Bühne drei bis fünf Minuten lang vor.

So erzählte Annika Hildebrand von Ella, die gern zur Schule geht „weil es da so lustig ist“. Von Pralinen und Spionage berichtete Marleen, während Celiné Conrad den Spuren der Eisbären folgte. Vildan Azattemür aus Buer und Ozan Ümmetoglu aus Oesede lasen von schlimmen Familien, die im Buch „Hilfe, die Herdemanns kommen“ Gebäude anzünden.

Henri Wehrkamp-Lemke aus Hilter beschäftigte sich intensiv mit griechischen Göttern, als er aus dem Buch „Ich, Zeus und die Bande vom Olymp“ vorlas. Das Publikum hörte außerdem von magischen Bibliotheken, geheimnisvollen Seefahrern und Freundschaften, die unter Beweis gestellt werden.

Auch den zweiten Teil des Wettbewerbs, das Vorlesen des Fremdtextes, meisterte die Gruppe souverän. Das dreiminütige Lesen aus dem spannenden Buch „Feo und die Wölfe“ von Katherine Rundell verfolgte das Publikum mit großer Aufmerksamkeit.

Die Jury machte sich die Entscheidung nicht leicht, indem sie nach einem detaillierten Punktesystem Lesetechnik und Interpretation bewertete. Sinngemäße Betonung, deutliche Aussprache, angemessenes Tempo und Blickkontakt zum Publikum zählten zu den Kriterien.

Michael Sutmöller, Ulrike Koop, Ingeborg Neteler und Marita Kammeier vergaben den ersten Preis mit deutlichem Punktevorsprung an Celina Sophie Clausen vom Gymnasium Melle. Flüssig und souverän las die 12-Jährige aus dem Buch „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ von John Green. „Wir waren noch nervöser als unsere Tochter“, erzählten die stolzen Eltern anschließend.

Begeistert von der Lesekompetenz der Kinder war die stellvertretende Bürgermeisterin Silke Meier, als sie gemeinsam mit Michael Sutmöller die Urkunden und Buchgeschenke verteilte. „Danke an die Eltern und Lehrer für ihre Unterstützung. Lesen und Vorlesen, das heißt neue Horizonte finden und Fantasiewelten kennenlernen.“