Der Weg ist holprig Bueraner ist mit neuem E-Flitzer hochzufrieden

Von Meiko Haselhorst


Buer. Der Bueraner Peter Gollub hat sich ein Elektroauto gekauft. Er ist zufrieden mit seiner Wahl, doch manchmal gibt es auch Probleme mit dem Gefährt. Um sich über diese austauschen zu können, regt der 74-Jährige die Gründung einer Art Stammtisch für E-Mobilisten an.

Peter Gollub wohnt auf der Grenze zwischen Westfalen und Niedersachsen, dort wo Rödinghausen zu Buer-Markendorf wird. Genau genommen ist er schon ein Niedersachse. Aber wenn er schwärmt, klingt das noch sehr ostwestfälisch: „Da willste doch nix anderes mehr, oder!?“ Was ihn so emotional werden lässt, ist sein neues Elektroauto. Wenn er damit über die Landstraße gleitet, macht er einen glücklichen Eindruck. Der Weg zum E-Auto war hingegen sehr holperig.

Umweltaspekt nebensächlich

Warum musste es denn überhaupt ein E-Auto sein? Idealismus? „Ein bisschen vielleicht“, sagt Gollub. „Aber der Umweltaspekt spielte ehrlich gesagt nur eine Nebenrolle.“ Der Hauptgrund seien wirtschaftliche Erwägungen gewesen. „Strom ist billiger als Benzin“, sagt Gollub. Außerdem seien E-Autos zurzeit von der Steuer befreit.

Der schicke „Tesla“ eines Freundes aus Bremerhaven sei ein zusätzlicher Motivationsschub gewesen. „Das ist ein herrliches Fahren“, sagt Gollub. Deshalb habe auch er sich zunächst nach einem solchen Luxus-E-Auto umgeschaut. „Aber da gingen die Probleme schon los“, sagt er. Drei Anläufe habe er unternommen, die Angebote seien allerdings mitunter etwas halbseiden gewesen. „Im letzten Fall wollte mir der Händler einen Wagen ohne Fahrzeugbrief verkaufen“, erzählt Gollub. „Keine Ahnung, was da los war – ich habe jedenfalls die Finger davon gelassen.“

Schnellladesäulen

Der Markendorfer schaute sich anderweitig um. Dabei stellte er fest, dass die Mitarbeiter der Autohäuser seine Fragen zum Thema Elektro-Mobilität häufig gar nicht beantworten konnten. „Die sind noch nicht soweit“, sagt Gollub und zuckt mit den Schultern. Viele Fahrzeuge seien auch noch gar nicht verfügbar, obwohl damit schon Werbung gemacht werde. Ein weiteres Phänomen: „Wenn ich nach einer Probefahrt fragte, waren die Fahrzeuge meist gar nicht aufgeladen – offenbar rechnet dort niemand mit Kunden, die sich für Elektroautos interessieren“, sagt Gollub.

In einem Bünder Autohaus wurde er Mitte Dezember schließlich doch fündig: Der 74-Jährige entschied sich für einen kleinen „Nissan Leaf“ – und ist damit bislang sehr zufrieden. Probleme gibt es trotzdem: „Das Thema Tanken ist so eine Sache“, räumt Gollub ein. „Der Wagen hat eine Reichweite von gut 200 Kilometern – danach muss er an die Steckdose“, sagt er.

Bislang habe er sein Auto daheim an einer herkömmlichen 230-Volt-Steckdose angeschlossen – über Nacht. „So braucht der Wagen aber 14 bis 15 Stunden, bis er auflädt“, sagt Peter Gollub. „Außerdem verschmoren auf Dauer die Kontakte.“ Der Markendorfer installierte deshalb eine spezielle Ladestation, die die Ladezeit auf zwei bis drei Stunden reduziert. Professionelle Schnellladesäulen an Autobahnen oder Hotels, so erklärt er, schafften eine „Betankung“ in 20 bis 30 Minuten.

Reise nach Norwegen

200 Kilometer Reichweite – für Einkaufsfahrten und kleinere Ausflüge in der Region reicht das. „Es gibt aber zu viel Verwirrung bei der Planung von Fernfahrten. Urlaub machen mit einem rein elektrischen Auto und Wohnwagen-Anhänger, das ist vorläufig Utopie“, glaubt Gollub. Derzeit versucht er, sich eine Ladekarte bei seinem Stromanbieter zu besorgen, die das Laden europaweit erleichtern soll. „Aber auch bei den Stromanbietern wissen viele Mitarbeiter noch nicht richtig darüber Bescheid – obwohl sie damit werben“, bedauert Gollub.

In den Urlaub geht’s daher weiterhin mit dem alten Benziner, der noch in der Garage steht. „In Norwegen, wo wir häufiger sind, haben schon 30 Prozent aller Autos Elektroantrieb. Dort fahren sehr viele Teslas herum, aber auch andere Marken, von denen wir hier noch nie gehört hatten – teilweise sogar deutsche Fabrikate.“ Entsprechend gut seien die Norweger aufgestellt. „Da gibt’s überall Ladestationen“, sagt er und zeigt ein Foto auf dem Smartphone. Gollub schwärmt jetzt ein zweites Mal. Aber nur kurz. Dann ist er wieder auf dem Boden der Tatsachen: „Bis wir hier bei uns soweit sind, vergehen wohl noch ein paar Jahre.“


Ein Stammtisch für E-Mobilisten

Peter Gollub hat in seiner näheren Umgebung noch nicht einen einzigen weiteren „E-Mobilisten“ kennengelernt. Dabei würde er sich über besagte Schwierigkeiten gerne mal austauschen und gemeinsame Lösungsmöglichkeiten erarbeiten. -Der 74-Jährige regt daher eine Art Stammtisch für E-Mobilisten an: „Bünde, Rödinghausen oder Melle – ganz egal“, sagt Gollub. „Das wäre auch für Leute, die sich für das Thema einfach nur interessieren oder den Kauf eines Elektroautos in Erwägung ziehen“, betont Gollub. Wer Interesse hat, kann unter Tel. (0172) 520 07 26 Kontakt zu Gollub aufnehmen. (hazl)