Wiederkehrende Krankheitszeit Grippe-Saison sorgt für volle Wartezimmer bei Meller Ärzten

Von David Hausfeld

Winterzeit ist Erkältungszeit und auch die Influenza sorgt für volle Wartezimmer bei Meller Ärzten. Symbolfoto: dpaWinterzeit ist Erkältungszeit und auch die Influenza sorgt für volle Wartezimmer bei Meller Ärzten. Symbolfoto: dpa

Melle. „Es tut uns leid, aber der Doktor hat aufgrund der Grippe keine Zeit für ein Gespräch“, vertröstet die Mitarbeiterin einer Meller Kinderarztpraxis bei einer Anfrage unserer Redaktion. Grippe und Erkältung gehen um, und bescheren Meller Ärzten reichlich Arbeit.

Die Grippe sorgt auch bei der Meller Hausärztin Ute Sträter-Schnitker für ein volles Wartezimmer. Das sei aber keine große Überraschung. „Jetzt ist natürlich die Zeit dafür, aber wir Hausärzte können uns deshalb auch darauf einstellen“, sagt die Allgemeinmedizinerin. Etwa die Hälfte ihrer Patienten suche sie aktuell wegen Grippesymptomen oder einer Erkältung (auch bekannt als grippaler Infekt) auf. Die Menschen hätten häufig Magen-Darm- oder Atembeschwerden. Nur ein geringer Teil ihrer Patienten ist aber von der wirklichen Grippe betroffen, schildert die Ärztin.

Ein grippaler Infekt ist noch keine Grippe

Während bei einem grippalen Infekt die Krankheit eher schleichend verläuft, beginnt die Grippe oder Influenza oft sehr plötzlich und unvermittelt – manchmal innerhalb von Stunden. „Eine richtige Grippe zeichnet sich durch einen sehr schnellen Krankheitsbeginn, schweres Krankheitsgefühl und hohes Fieber aus“, erklärt Sträter-Schnitker. Trotzdem werden die Grippe und grippaler Effekt fälschlicherweise oft synonym verwendet.

Auch im Christlichen Klinikum Melle ist die Grippe präsent. „Wir haben einzelne Patienten mit nachgewiesener Influenzainfektion“, sagt Peter Spies, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin des Krankenhauses. Er gibt jedoch zu bedenken, dass viele Patienten in der Regel erst ambulant bei den Hausärzten behandelt werden. In seiner Klinik seien die betroffenen Patienten eher ältere Menschen oder Patienten mit Begleiterscheinungen. Spies verzeichnete im letzten Jahr mehr schwer erkrankte Grippepatienten im Vergleich zu diesem Jahr, sagt aber auch: „Das kann natürlich auch noch kommen.“ Laut Ute Sträter-Schnitkers Einschätzung ist die aktuelle Grippezeit nicht schwerer als gewohnt. Sie erinnert sich stattdessen an 2013, als das letzte Jahr mit einer auffällig schweren Grippewelle.

Mindestens vier Tote in Niedersachsen

Seit Beginn der Grippe-Saison sind in Niedersachsen mindestens vier an Influenza erkrankte Menschen gestorben. Häufig führt die Grippe nicht unmittelbar zum Tode, sondern in Verbindung mit anderen Grunderkrankungen, sagte Dagmar Ziehm, Sprecherin des Landesgesundheitsamtes in Hannover. Nach Angaben des Robert-Koch-Institutes (RKI) gibt es bundesweit mindestens 70 Todesfälle.

Laut Ziehm ist die Grippewelle insgesamt ähnlich ausgeprägt wie in den Jahren zuvor. In der vergangenen Woche registrierte die niedersächsische Behörde landesweit 681 neue Influenzafälle, die von Laboren bestätigt wurden. Insgesamt wurden seit dem Start der Grippesaison Anfang Oktober bisher 1.535 Influenzafälle von den Arztpraxen übermittelt. Bundesweit sind es laut RKI bisher 15.188 labordiagnostisch bestätigte Fälle.

Laut der Meller Ärztin Sträter-Schnitker gehören vor allem Menschen mit chronischen Krankheiten und Personen ab einem Alter von 60 Jahren zur Risikogruppe. Sie rät gefährdeten Menschen zu einer Grippeimpfung, dafür sei es auch jetzt noch nicht zu spät. Ende März, Anfang April würden die Grippe- und Erkältungsfälle meist weniger. (Mit dpa)


Ab wann sprechen wir von einer Grippewelle?

Von einer Grippewelle ist die Rede, wenn der Erreger in mehr als 20 Prozent der übermittelten Proben zu finden ist. In der vergangenen Woche lag die Rate bei 38 Prozent. Der Influenzatyp B kommt nach Angaben des Landesgesundheitsamtes Niedersachsen in dieser Saison besonders häufig vor. Im vergangenen Jahr dominierte nach Angaben des Berliner Robert-Koch-Instituts (RKI) Typ A, der häufig zu mehr Todesfällen bei Grippewellen führt. Typ-B-Viren gelten deshalb aber nicht als harmlos. In einer schweren Grippesaison kann die Zahl der Todesfälle bundesweit bei über 20.000 liegen.

Für die Influenza ist ein plötzlicher Erkrankungsbeginn mit hohem Fieber, Erschöpfung, Husten und starken Gliederschmerzen typisch. Gefährlich wird eine Infektion vor allem für alte und chronisch kranke Menschen. Sie sollten sich daher schon im Herbst impfen lassen. Meist endet die Grippesaison im März. (dpa)