Zwischen Schutz und Vergnügen Kontroverse Diskussion in Melle um Sonntagsöffnung

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Melle. Zwischen Sonntagsschutz und Einkaufsvergnügen: Das Thema der verkaufsoffenen Sonntage stand im Fokus der jüngsten Dekanatspastoralkonferenz.

Unterschiedliche Positionen und rege Diskussionen: Wenn es um den siebten Tag in der Woche geht, prallen verschiedene Sichtweisen aufeinander. Das verdeutlichten die Statements von Verdi-Gewerkschaftssekretär Maiko Schulz und Frederick Heidenreich, Bezirkssekretär der katholischen Arbeitnehmerbewegung auf der einen Seite sowie Michael Sutmöller, Vorsitzender der Werbegemeinschaft Melle-City, und Bürgermeister Reinhard Scholz auf der anderen.

Davon lebt die Stadt

Dem Sonntag kommt eine zentrale Bedeutung zu: „Ohne Sonntag sind alle Tage Werktage“, stellte Maiko Schulz klar, der sich ganz klar gegen eine Öffnung aussprach. Der Sonntag gehöre unter Schutz gestellt. Nicht nur für die Handelsbeschäftigten, sondern für die gesamte Gesellschaft habe der Ladenschluss die Funktion eines gemeinsamen Zeitankers, der das Leben mit Familie und Freunden einigermaßen ermögliche. An Sonn- und Feiertagen habe die Gesellschaft die Möglichkeit zur Ruhe zu kommen, Kraft zu tanken und sich zu erholen, untermauerte Schulz. Für das Personal sei es „zwanghaft“, am Sonntag arbeiten zu müssen, zumal die Entlohnung schlecht sei, weil lediglich ein Drittel der Arbeitgeber in der Branche nicht tarifgebunden seien.

Da kommt einiges zusammen

Ähnlich die Auffassung von Fredrick Heidenreich, der ebenfalls aktiv für den Sonntagsschutz eintrat: „Vier verkaufsoffene Sonntage in Melle, ebenso in Osnabrück oder Bad Essen, da kommt einiges zusammen“, meinte der KAB-Funktionär. Warum müssten Events am Sonntag veranstaltet werden?, fragte er. Von Entschleunigung könne heutzutage keine Rede mehr sein. Statt dessen sollten Alternativen zum Sonntagsshopping entwickelt werden, zum Beispiel am Freitagabend oder samstags, regte Heidenreich an.

Generelle Sonntagsöffnung: Nein, eine Öffnung zu bestimmten Anlässen an vier Sonntagen im Jahr: Ja. Diese Haltung vertritt Reinhard Scholz: „Eine Stadt wie Melle lebt von den Events, eine Ladenöffnung an vier Sonntagen ist ein guter Kompromiss, davon lebt unsere Innenstadt und unser Einzelhandel, aber vier Sonntage müssen ausreichen“, betonte der Bürgermeister.

Kritik an Outletcentern

Er stellte sich hinter die örtlichen inhabergeführten Geschäfte, die mit Herzblut ihrer Arbeit nachgehen, um dem Freizeitbedürfnis nachzukommen, am Sonntag etwas erleben zu wollen. Kritisch beäugte Scholz dagegen so große Eventcenter wie die großen Outletcenter oder die Skihallen um Umkreis von 200 Kilometern, die von großen Konzernen geführt werden: „Inhabergeführte Geschäfte halten die Stadt lebendig, und unsere Aufgabe ist es, die Stadt lebendig zu halten“.

In Zeiten des gesellschaftlichen Wandels und des Onlinehandels bieten die vier anlassbezogenen Events in Melle eine große Chance, den Menschen etwas zu bieten, erklärte Michal Sutmöller: „Die verkaufsoffenen Sonntag sind für den Einzelhandel und für die Belebung der Innenstadt wichtig.“

Für den Buchhändler mit 15 Angestellten sei kein Zwang erkennbar, ganz im Gegenteil: Die Mitarbeiter würden gern an den Sonntagen arbeiten, und auch der Sonntagsfrieden werde nicht gestört, weil die Ladenöffnung außerhalb der Gottesdienstzeiten stattfindet.

In seinem Eröffnungsvortrag beleuchtete Georg Steins die Sonntagsarbeit aus theologischer Sicht, wobei er den Bogen von Kaiser Konstantin bis in die Gegenwart spannte: „Eine insgesamt spannende Diskussion und in meinen Augen ein relatives Luxusproblem“, lautet das Fazit des Professors für biblische Theologie.

„Ein interessantes Thema, das mit vielen Fragen beendet wird“, stellte Dekanatsreferent Michael Göcking am Schluss fest. Seine Mahnung: „Wir als Kirche und Verdi müssen aufpassen, dass wir nicht als Verweigerer dastehen“.


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