Situation bleibt schwierig Erste Meller Landwirte bringen Gülle aus

Von Christoph Franken und Harald Preuin

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Auch nach der Wetteränderung ist es auf durchweichten Böden wie hier bei Uelzen schwierig, die Gülle auszubringen. Foto: dpaAuch nach der Wetteränderung ist es auf durchweichten Böden wie hier bei Uelzen schwierig, die Gülle auszubringen. Foto: dpa

Melle/Osnabrück. Das lang anhaltende Regenwetter hatte das Gülleproblem noch verschärft: Eine Ausbringung auf den nassen und teilweise überschwemmten Äckern war schlichtweg unmöglich. Nun hat Jürgen Sixtus, Vorsitzender des Landvolks Melle, aber mit Blick auf das Wetter wieder Hoffnung.

Sixtus hatte rückblickend von einer zugespitzten Lage gesprochen. Die Güllebehälter vieler seiner Berufskollegen seien randvoll gewesen und auch das Ausweichen auf noch freie Behälterkapazitäten bei anderen Landwirte sei zunehmend schwieriger geworden.

Äcker wassergesättigt

Seit dem 1. Februar dürfe wieder ganz offiziell Gülle ausgebracht werden und wetterbedingte Einschränkungen gebe es nach Auskunft der zuständigen Behörden nicht, wenn der Boden tagsüber antaue und es nur nachts friere. „Insofern ist damit die Brisanz raus“, erklärte Sixtus.

„Die ersten sind auch schon am Fahren“, berichtete der Landvolk-Vorsitzende weiter. Zwar müssten natürlich die Mengenbeschränkungen eingehalten werden, aber jede Fahrt entlaste die Behälter.

„Wir versuchen es in den nächsten Tagen auf Sandboden.“ Andreas Spiering weiß, dass das nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist solange Äcker und Grünland wassergesättigt sind. Er hat einige Sandinseln entdeckt, sie machen etwa 15 Hektar aus. „Doch das ist nicht mal ein Prozent der Kundenflächen, die wir düngen sollen“, erläutert der Chef des Lohnunternehmens Scheiper in Bad Laer.

Seit vier Monaten hadern die Landwirte mit dem Wetter. Schon im Herbst waren die Böden so nass, dass keine Gülle mehr ausgebracht werden konnte. Mit dem Grundwasserspiegel stieg auch der Güllepegel in den Sammelbehältern auf den Höfen. Schweine- und Rindviehhaltern blieb nur die Hoffnung auf die endlich eingetretene Wetteränderung. Trotzdem dürfte es noch einige Zeit dauern, bis Äcker und Grünland wieder befahrbar sind.

„Müssen Böden schonen“

„Wir müssen unsere Böden unbedingt schonen“, sagt Hermann Dörmann (54) aus Bissendorf. Der Schweinehalter hat seit August keinen Flüssigdünger mehr ausgebracht – wegen der nassen Witterung. In der Sperrzeit war das Ausbringen von Dünger auf Ackerland (1. November bis 31. Januar) und auf Grünland (15. November bis 31. Januar) ohnehin untersagt. Ausnahmen mussten bis Ende Oktober begründet und kostenpflichtig beantragt werden.

Der Landkreis Osnabrück hatte im Dezember betroffenen Landwirten in Aussicht gestellt, ihren Wirtschaftsdünger vor Ende der Sperrfrist ausbringen zu können. Die erforderliche wasserwirtschaftliche Genehmigung schlug mit 200 Euro zu Buche, plus Auslagen. Detlef Wilcke vom Fachdienst Wasserwirtschaft des Landkreises machte auf Anfrage deutlich, dass von dieser Möglichkeit kein Landwirt Gebrauch gemacht hat. Möglicherweise lag es auch daran, dass die schweren Gülletransporter auf den wassergesättigten Böden einfach nicht fahren konnten, ohne schwere Schäden anzurichten.

Dass Schweinehalter Dörmann dennoch kein Problem mit der hochschwappenden Gülle hat, liegt an seinem neuen Sammelbehälter, der 1500 Kubikmeter fasst. Entsprechend groß ist seine Kapazität, die er schon einem Nachbarn und einem befreundeten Landwirt zur Verfügung gestellt hat, die an ihre Lagergrenzen gestoßen sind. Während Dörmann also in einer komfortablen Lage ist, hat Andreas Spiering mehrere Hilferufe auf dem Tisch.

Aufnahmekapazität bald erschöpft

Bevor die Behälter überschwappen, beißen einige Landwirte in einen sauren Apfel. Sie lassen von Spiering ihren eigentlich kostbaren Flüssigdünger abfahren. Nachfrager gibt es besonders in Regionen, in denen es kaum Viehhalter, stattdessen fast nur Ackerbauern gibt. So fahren Spierings Gülletanker nach Warburg (150 Kilometer) und sogar in die Eifel. Dabei kommen schnell mal hin und zurück über 500 km zusammen. Die Kosten bezahlt der abgebende Landwirt. Das kann teuer werden. Schweinehalter sprechen von Kosten zwischen fünf und zehn Euro pro Mastschwein.

Bernd Hannemann (50) aus Glandorf berichtet, dass seine sandigen Äcker nicht befahrbar sind. Außergewöhnlich war, dass das Wasser darauf mehrere Tage gestanden hat: „Das haben wir bestimmt 20 Jahre nicht gehabt.“ Die Aufnahmekapazität seiner Sammelbehälter wird in etwa vier Wochen erschöpft sein. Bis dahin sollte sich das Problem erledigt haben, hofft er. Hendrik Große-Schawe (30) aus Lüstringen, dessen Betrieb in einem Wasserschutzgebiet liegt, hat vor einigen Jahren einen neuen Behälter gebaut, der ihm zurzeit noch eine Kapazität von etwa vier Wochen garantiert.

Der Lagerpuffer von Milchbauer Heiner Kolkmeyer aus Osnabrück-Atter wird sich Mitte Februar erschöpfen. Benno Brandwitte (47) aus Glandorf zeigt sich noch halbwegs entspannt. Nun hilft auch ihm das Wetter: Denn sonst hätte es ihn in 14 Tagen getroffen: Gülleabgabe an Ackerbauern in der Soester Börde. „Der Transport könnte bis zu 20 Euro pro Kubikmeter Gülle kosten.“


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