Innere Haltung ändern Keine Nachhilfe: Mellerin bietet Coaching für Schüler an

Von David Hausfeld

Der Fuchs ist im Coachingzimmer von Kordula Groll allgegenwärtig – und das nicht ohne Grund. Foto: David HausfeldDer Fuchs ist im Coachingzimmer von Kordula Groll allgegenwärtig – und das nicht ohne Grund. Foto: David Hausfeld

Gesmold. Mit dem richtigen Training sollen Schüler ihre Lern- und Leistungsdefizite überwinden können. Sogenannte Schülercoaches arbeiten dafür an der inneren Einstellung der Schüler. Kordula Groll möchte Schülercoaching nach einem Osnabrücker Modell in Melle-Gesmold etablieren.

Eines muss Groll klarstellen: „Um Nachhilfe handelt es sich ganz und gar nicht“, sagt sie. Nachhilfe versucht, ein Leistungsdefizit in einem konkreten Fach durch Nacharbeiten des Unterrichtsstoffes zu beheben. Coachingangebote sind vor allem aus der Unternehmenswelt bekannt. Sie sollen die Leistungen von Mitarbeitern steigern und Fähigkeiten wie Führungskompetenzen ausbauen. Aber wie funktioniert Coaching für Schüler?

Nicht nur schwerer Unterrichtsstoff, sondern auch Probleme im Privatleben können für junge Menschen belastend sein. Auch die Trennung der Eltern oder Geschwisterrivalitäten können für schlechte Schulnoten sorgen. Schülercoaching verfolgt deshalb einen ganzheitlichen Ansatz: Der Klient soll seine individuellen Ressourcen, also Fähigkeiten und Stärken, (re-)aktivieren um so persönliche Ziele zu verwirklichen. Im Zentrum steht dann eine Art Selbsterfahrung: „Die innere Haltung zu bestimmten Themen verändert sich“, sagt Groll. Das betreffe Schule und den privaten Bereich gleichermaßen.

Der Fuchs spielte eine zentrale Rolle

Groll benennt zwei Bestandteile des Coachings. Zunächst ermittelt der Coach mithilfe eines Multiple-Choice-Tests die Kompetenzen zur „Selbststeuerung“ des Klienten. Diese sind Fähigkeiten wie Motivation, Planung und dem Umgang mit Misserfolgen, die der Schüler selbstständig und ohne Einfluss von Außen aufbringen kann. Der Test basiert auf der „PSI-Theorie“ von Julius Kuhl, der unter anderem an der Universität Osnabrück lehrte. Auf Grundlage der Testergebnisse formuliert der Schüler im zweiten Schritt die Ziele und Veränderungswünsche gemeinsam mit dem Coach. Im Folgenden verbessert der Schüler seine „Selbststeuerungskompetenzen“ und lernt neue Handlungsstrategien kennen.

Der Coachingprozess orientiert sich am „Zürcher Ressourcen Modell“ (ZRM). „Das Modell arbeitet mit Symbolen und Bildern“, erklärt Groll. So müsse der Schüler eine symbolische Figur oder ein Tier wählen. Auf dieses Symbol projiziert er seine Veränderungswünsche, nimmt es sich als Vorbild und arbeitet damit. Auch nach dem Coaching soll sich der Schüler so die erarbeiteten Inhalte ins Gedächtnis rufen – eine Art Erinnerungsstütze. „In meinem ZRM-Prozess hat zum Beispiel der Fuchs eine zentrale Rolle gespielt“, sagt sie. Er habe Eigenschaften, die sie selber auch gerne hätte: Der Fuchs könne als Einzelgänger bestehen, sei aber im Familienverbund auch sehr sorgsam. Zuhause in ihrem Coachingzimmer, in dem sie ihre Sitzungen abhält, erinnern Groll nun mehrere Fuchs-Figuren an ihre eigenen Zielsetzungen.

Begleitung auf Zeit

„Das Schülercoaching ist keine psychologische Behandlung, sondern eine Begleitung auf Zeit“, betont Groll. Zwischen sechs und zehn Sitzungen zu je einer Stunde hält Groll mit Klienten ab. Das Angebot richtet sich vornehmlich an Schüler, sei jedoch auch für Erwachsene, etwa Studenten, interessant. Bisher hätten sich überwiegend Schüler ab der fünften und sechsten Klasse bis ins Erwachsenenalter von ihr coachen lassen. „Die Kosten für die Sitzungen müssen die Teilnehmer selber tragen“, sagt Groll. Doch gehe denen ein kostenloses Erstgespräch voran, in dem das Anliegen besprochen und offene Fragen geklärt werden.

Der Begriff Schüler- oder auch Lerncoaching wird als Weiterbildung im Bereich Pädagogik unterschiedlich verwendet und umfasst verschieden Beratungs- und Coachingangebote. Grolls Coachingmethode wurde von der Osnabrücker Lehrerin Carola Heumann entwickelt. Bei ihr absolvierte Groll ab 2015 über monatliche Wochenendseminare über einen Zeitraum von einem Jahr eine Schulung zum Schülercoach. Sein gut einem Jahr, bietet sie selber Coachings an.

Den ganzen Menschen sehen

Groll ist selber Mutter; hat eine studierende Tochter und einen Sohn kurz vor dem Abitur. „Es kann doch nicht sein, das wir uns bei Problemen nur auf die Fächer konzentrieren“, habe sie sie damals gesagt. Heumann hätte ihr dann den ganzheitlichen Ansatz geboten, den sie im Schulwesen vermisst habe: das einzelne Kind als ganzen Menschen zu sehen. Neben dem Schülercoaching bietet Groll auch Berufsorientierungscoaching an. Dieses richtet sich an Schulabgänger und soll Orientierungshilfe bei der Berufswahl geben.


Infoabend

Für weitere Informationen zum Schülercoaching bietet Kordula Groll am Donnerstag, 22. Februar um 19.30 Uhr einen Infoabend an. Teilnehmer werden gebeten sich unter Telefon 05422/921875 oder per E-Mail an info@schuelercoaching-melle.de anzumelden.