Frivol, kritisch, katholisch FKK mit Wortwitz und kreativen Ideen im Forum Melle

Von Petra Ropers


Melle. FKK im Forum? Das kann in der fünften Jahreszeit fast alles bedeuten. Misstrauische Denker-Falten auf der Stirn waren am Sonntag allerdings unbegründet. Denn hinter dem Kürzel FKK steckte das Frauen-Kabarett Krefeld, das auf Einladung der KFD zum ersten Mal auf der Meller Bühne stand.

FKK - das sind Ute Lindemann und Helga Klingbeil-Weber, alias Matta und Lisbeth. Die beiden sind im immer noch im besten Alter. Und sie wissen genau, was Frau so braucht. Das ist für einen humorvollen Abend zunächst einmal eine Männerbetreuung. Das eigens im Forum eingerichtete Angebot hatte sich zwar nicht überall herumgesprochen. Schließlich verirrten sich auch vereinzelte Herren in die dicht besetzten Stuhlreihen. Die brauchten jedoch keine allzu große Sorge vor spitzen weiblichen Zungen zu haben. Denn Matta und Lisbeth sind frivol, kreativ, katholisch – eben ganz FKK – aber nie plump oder gar verletzend.

Sinnreiche Anpassungen

Stattdessen plaudern sie ungeniert und ungeschönt über Kinder, Küche, Kirche und natürlich über „Häbäät“, ins Hochdeutsche übersetzt: Herbert, seines Zeichens Ehegatte von Lisbeth und immer wieder ein willkommenes Anschauungsobjekt für das, was „typisch Mann“ ist. Und das sind keineswegs nur die langen Unterhosen, die sich im Forum ganz nebenbei als bemerkenswert vielseitiges Kleidungsstück erwiesen. Schal, Stola oder Schürze mit praktischem Münzenfach: Ideen muss man haben. Und daran mangelt es dem FKK-Duo wahrlich nicht.

Auch die Kirche könnte davon profitieren. Denn über deren Marketing haben sich Matta und Lisbeth längst ihre Gedanken gemacht. Leere Bänke im Gottesdienst? Ein paar sinnreiche Anpassungen an die Moderne könnten Abhilfe schaffen. Da wird der Gottesdienst kurzerhand zum „spiritual event“. Die Predigt kommt per SMS aufs Handy. Und statt der Kommunion gibt es die „Hostie to go“. Ein Pastoren-Casting rundet das neue Marketingkonzept ab. Barbara Schöneberger hat dabei als eines der Jurymitglieder die Optik im Blick, denn: „Das Auge betet mit.“

Charme und Champagner

Alternativ bietet sich die Church Card an. Schließlich ist Punktesammeln mächtig in. Und weil auch die Kanzlerin gerade jetzt hilfreiche Tipps gebrauchen könnte, stellt FKK ihr schnell noch den Beratungsengel Gabriel zur Seite. Die Geheimnisse weiblicher Handtaschen, Schönheits-OPs und die Tücken der Wellness, die App-Flut auf dem Handy und die neueste Zwei-Komponenten-Creme zur Fett-Umverteilung: Es gibt kaum ein Thema, das Matta und Lisbeth nicht mit Witz und Wortakrobatik aufs kabarettistische Korn nehmen.

Doch zwischen Schirm, Charme und Champagner – letzterer muss sein, denn das Leben ist zu kurz für Prosecco – nehmen sie sich auch Zeit für ernste Töne. „Alle Macht geht vom Volke aus“, rufen sie nach der Pause ihrem Publikum ins Gedächtnis und machen unter spontanem Zwischenapplaus auch gleich deutlich, was das bedeuten sollte: „Wir stehen auf gegen menschenverachtendes Gedankengut!“ FKK heißt eben auch frech, kritisch und kompetent. Und deshalb bedeutete KFD am Sonntagabend wohl „Keine Frau daheim“.