Verfahren nähert sich dem Ende Haftstrafe für Meller Autoverkäufer gefordert

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Vor dem Landgericht in Osnabrück wurde am Montag der Prozess um betrügerische Verkäufe in einem Meller Autohaus fortgesetzt. Foto: Michael GründelVor dem Landgericht in Osnabrück wurde am Montag der Prozess um betrügerische Verkäufe in einem Meller Autohaus fortgesetzt. Foto: Michael Gründel

Melle. Ein wahres Mammutverfahren nähert sich vor dem Landgericht Osnabrück nun dem Ende. Nach eineinhalb Jahren wurde am Montag – dem mittlerweile 40. Verhandlungstag – die Beweisaufnahme geschlossen, und der Staatsanwalt hielt seinen Schlussvortrag.

Er sieht es nach einer umfangreichen Beweisaufnahme mit zahlreichen Zeugenaussagen als erwiesen an, dass der Verkäufer eines Meller Autohauses in mindestens 18 Fällen gemeinsam mit einem Vermittler betrügerische Geschäfte mit nicht kreditwürdigen Kunden gemacht haben soll.

Die Vorgehensweise war offenbar immer gleich: Der Vermittler brachte Kunden aus ganz Deutschland und kümmerte sich um gefälschte Lohnabrechnungen. Der Verkäufer im Autohaus füllte dann mithilfe der gefälschten Unterlagen die Kreditanträge für die Autobanken für ein zuvor ausgesuchtes Fahrzeug aus.

Schaden für die Banken

Der Staatsanwalt betonte, dass die Kunden anscheinend davon ausgegangen sind, „mit ein bisschen Hartz IV und Kindergeld ein Auto finanziert zu bekommen“.

Als der Schwindel schließlich aufflog, kündigten die Banken die Kreditverträge fristlos und zogen die Fahrzeuge ein. So entstanden den finanzierenden Banken mehrere Tausend Euro Schaden.

Der Autoverkäufer hingegen erhielt für die Finanzierungen eine Provision, ebenso der Vermittler. Die Staatsanwaltschaft hatte überschlagen, dass allein der Verkäufer für die „illegalen und betrügerischen Verkäufe “ so rund 1000 Euro in manchen Monaten extra eingenommen haben soll.

Bereits vor einem Jahr stimmte der ehemalige Meller, der als Vermittler angeklagt ist, einem Deal zu. Er gestand die Taten und sagte umfassend aus und muss deshalb bei einer Verurteilung höchstens mit einer Bewährungsstrafe von bis zu zwei Jahren rechnen.

„Ein paar faule Eier“

Der Autoverkäufer hingegen betonte in einer Einlassung zu Beginn des Verfahrens, unschuldig zu sein und wies darauf hin, dass ihm jemand anscheinend „ein paar faule Eier untergeschoben hat“. An seiner Unschuld hält der Angeklagte nach wie vor fest.

Die Unschuld des Angeklagten sieht der Staatsanwalt allerdings als „wenig glaubwürdig“ an. Er forderte deshalb für den Autoverkäufer wegen Betrug in besonders schwerem Fall einhergehend mit Urkundenfälschung eine Freiheitsstrafe von drei Jahren, die aufgrund der Länge nicht mehr zur Bewährung ausgesetzt werden kann.

Für den Vermittler fordert die Staatsanwaltschaft eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten. Der Verteidiger des ehemaligen Mellers betonte, dass sein Mandant kein neues System geschaffen habe. Vielmehr sei bekannt gewesen, dass Kunden in besagtem Meller Autohaus mithilfe gefälschter Unterlagen eine Fahrzeugfinanzierung realisieren konnten. Er regte in seinem Plädoyer an, dass das Mindeststrafmaß von einem Jahr und drei Monaten „nicht deutlich überschritten werden sollte“.

Die Verteidiger des angeklagten Autoverkäufers wird ihr Plädoyer in der kommenden Woche halten. Das Urteil in dem Verfahren wird voraussichtlich am 21. Februar verkündet.


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