Unsagbar lieblicher Wohllaut Vocal group classic“ in der Meller Matthäuskirche

Von Jan Kampmeier

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Sanft, rein und bei Bedarf dennoch kraftvoll: Die vocal group classic in der Meller Matthäuskirche. Foto: Jan KampmeierSanft, rein und bei Bedarf dennoch kraftvoll: Die vocal group classic in der Meller Matthäuskirche. Foto: Jan Kampmeier

Melle. Den Begriff „Schnulze“ verwendete Stephan Lutermann,Chorleiter der „Vocal group classic“ selbst in seiner Moderation und bezog ihn auf ein Werk in hebräischer Sprache des Komponisten Ben Steinberg. Der Chor gastierte in der Matthäuskirche zu Melle.

Ganz allgemein lässt sich über das Programm am Freitag in St. Matthäus wohl sagen, dass man keine Scheu vor Kitsch haben sollte. Zumindest aber sang der Frauenchor der Hochschule Osnabrück, offiziell inzwischen die „Vocal group classic“ des IfM, etliche Werke aus der neuen Blüte der Chormusik, jener Richtung, die gegen Ende des 20. Jahrhunderts richtig Fahrt aufnahm und ohne jede Hemmung im unsagbar lieblichen Wohllaut schwelgt. Eric Whitacre gehört seit Jahren zu deren prominentesten Vertretern, sein „Seal Lullaby“ ist sogar eine Paradebeispiel für diesen Stil.

Ohne Abstriche in der Intonation

Den Choristen, nur 13 Damen und ein Herr als Altus, gelang nicht nur in diesem Werk eine absolut runde Darbietung, die durch Ausgewogenheit der Stimmgruppen und den sanften, reinen, bei Bedarf dennoch kraftvollen Klang der jungen Stimmen geprägt ist. All das ohne Abstriche in der Intonation. Einfühlsam unterstützte Adelina Kamalutdinova das gesamte Programm am Klavier, bei Whitacres „Five Hebrew Love Songs“ außerdem Esther Schnepel an der Violine.

Solistische Sahnehäubchen

„Gloria“ ist das Programm überschrieben, drei Vertonungen hat Stephan Lutermann ausgewählt. Der Chor beginnt mit Josef Rheinberger im 19. Jahrhundert und schmeichelt dem Gehör mit weichen Klängen. BobChilcotts Version gehört zu jenen Werken, die Anleihen aus Pop oder Jazz verarbeiten. Die abschließende Fassung von György Orban wirkt in ihrer humorvollen Art gar nicht wie das, was man eigentlich als hehre Kirchenmusik erwarten könnte, der Komponist hat vielleicht bei Francis Poulenc gut hingehört.

Als Sahnehäubchen treten einige Sänger solistisch auf: Nils Miegel, Mirjam Potschka und Sarah Hackenholt in jener vermeintlichen Schnulze Ben Steinbergs, mehrfach Anna Sommer und Saskia Ennens, die mit den beiden ewigen Schlagern „Panis Angelicus“ von César Franck und dem „Abendsegen“ von Engelbert Humperdinck (der Komponist, nicht der Popsänger des 20. Jahrhunderts – der hatte sich nach eben jenem Humperdinck benannt) Ausflüge ins 19. Jahrhundert unternehmen. Alle Solisten singen wunderbar schlicht, innig und mit großer Zärtlichkeit.


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