Heiner Rössler geehrt Auszeichnung für den „Macher“ des Automuseums Melle

Von Christoph Franken


Melle. Der Geschäftsführer des Automuseums Melle, Heiner Rössler, ist am Wochenende am Rande der Bremer Classic Motorshow mit dem „Goldenen Kolben“ für seine Verdienste um das Oldtimer-Wesen und das Automuseum in Melle geehrt worden.

Der „Goldene Kolben“ ist eine Auszeichnung für besondere Leistungen zur Dokumentation der Fahrzeuggeschichte und ihrer Darstellung in der Öffentlichkeit. Er wird seit 2006 von Fahrzeughistorikern verliehen, die sich im „Forum für Fahrzeuggeschichte“ engagieren.

Der in der Oldtimer-Szene bekannte Publizist Johannes T. Hübner, Preisträger im Vorjahr, hielt vor ausgewählten Gästen und Medienvertretern die Laudatio auf Heiner Rössler. Der 1936 in Dresden geborene Rössler zählt zu den Mitbegründern des Auto- und Zweiradmuseums in Ibbenbüren. Vor 20 Jahren initiierte er den Standortwechsel der Sammlung nach Melle, wo er in der früheren Möbelfabrik Melchersmann das Konzept „Geschichte auf Rädern“ umsetzte. Denn von Anfang an hatte sich Rössler für ein mobiles Museum eingesetzt, dessen Exponate alle fahrbereit sein müssen.

„Sind ja keine Stehzeuge“

„Solange ich Heiner Rössler kenne, hält er die Sachen in Bewegung“, erklärte Hübner. Rössler habe in seinem Museum nämlich keine „Stezeuge“, sonder „Fahrzeuge“ präsentieren wollen. Der Laudator betonte auch die Fähigkeit Rösslers, die Begeisterungsfähigkeit junger Menschen für Oldtimer nicht nur erkennen, sondern auch wecken zu können. „Er kümmert sich um den Oldtimer-Nachwuchs“, sagte Hübner unter dem Beifall von rund 50-Oldtimer-Enthusiasten.

Rössler selbst hob in seiner Rede hervor, dass ihm die Arbeit mit und für Oldtimer und die Vermittlung ihres Wertes als Kulturgut nicht nur seit Jahrzehnten ein Anliegen sei, sondern ihm auch immer noch Spaß mache. „Ein Automobil ist ein Gesamtkunstwerk“, sagte der Geehrte.

Nichts steht sich kaputt

Er hätte sich den Preis allerdings lieber als „Mehrzylinder“ gewünscht, denn der Erfolg des Automuseums sei Ergebnis einer zuverlässigen und umfassenden Teamarbeit. Rössler griff den Aspekt des Mobilitätsgedankens im Meller Automuseum auf. Ja, es stimme, dort stünden ausschließlich fahrbereite Leihgaben in der Ausstellung und im sehr großen Fundus. Daher könnten die Autos, die zu sehen sind, alle paar Wochen gegen andere Fahrzeuge ausgetauscht werden. Das führe dazu, dass es bei jedem Besuch etwas Neues zu sehen und zu entdecken gebe. „Damit animieren wir auch Wiederholungstäter, immer mal wieder zu kommen“, erklärte Rössler.

Kolben vom Hanomag

Horst-Dieter Görg vom „Forum für Fahrzeuggeschichte“ überreichte dann unter Beifall den polierten Motorkolben. Dabei handelt es sich übrigens um den Kolben eines Hanomag 2/10 PS, im Volksmund liebevoll „Kommissbrot“ genannt. Er war der erste deutsche Kleinwagen, der ab 1925 in der Zwischenkriegszeit in Hannover in Fließbandfertigung entstand. Für ihn wurde der Spruch kreiert: Ein Kilo Blech, ein Kilo Lack – und fertig ist der Hanomag. Der Kolben passt übrigens gut nach Melle. Im Automuseum steht ein „Kommissbrot“.