OP-Team hilft in Burkina Faso Anästhesistin des Klinikums Melle in Ouagadougou

Von Kerstin Balks und Christoph Franken

Im Hilfseinsatz: Nicola Hoedemaker und Damien Balima aus Melle. Foto: Niels-Stensen-KlinikenIm Hilfseinsatz: Nicola Hoedemaker und Damien Balima aus Melle. Foto: Niels-Stensen-Kliniken

Melle. Zum dritten Mal startete am Freitag ein Operations-Team mit Ärzten und Pflegern nach Burkina Faso. Der Meller Damien Balima, der aus dem afrikanischen Land stammt, koordinierte das Projekt. Erstmals ist auch die Anästhesistin Nicola Hoedemaker vom Klinikum Melle dabei.

Das hat einen ganz besonderen Grund: Vor Ort gibt es gar keine Anästhesisten. Diesen Herausforderungen im Bereich der Narkose wird sich Nicola Hoedemaker stellen.

Am Freitag ging der Flieger mit Zwischenstopp Paris nach Ouagadougou, der Hauptstadt von Burkina Faso. Das Land gilt als eines der ärmsten der Welt. Dort warten bereits rund 70 Patienten, die dringend medizinische Hilfe benötigen. Daher sind etwa 70 Operationen vorgesehen.

Vorarbeit aus Melle

Die gesamte und nicht immer einfache Organisation im Vorfeld hatte Damien Balima aus Melle übernommen. Er ist operationstechnischer Assistent und gleichzeitig Lehrer am Bildungszentrum St. Hildegard der Niels-Stensen-Kliniken in Osnabrück. Er wurde dabei von Daniel Koppitz aus dem Krankenhaus St. Raphael in Ostercappeln unterstützt.

Das fünfköpfige OP-Team, besteht aus Nicola Hoedemaker, Martin Gerdes, Chefarzt der Chirurgie am Krankenhaus Ostercappeln, sowie den OP-Pflegern Sina Liedtke, Damien Balima und Daniel Koppitz.

Dem Team bereits per Schiff vorausgereist war ein Container mit medizinischem Material, das für die anstehenden Operationen benötigt wird. Es enthält auch Inventar, das in Burkina Faso bleiben wird.

Darunter sind auch Dialysegeräte aus der nephrologischen Praxis am Franziskus-Hospital Harderberg. Sie sollen demnächst in dem westafrikanischen Land eingesetzt werden, da es dort kein funktionierendes Gerät gibt. Dazu kommen Überwachungseinheiten für Blutdruck und Puls, die von den Niels-Stensen-Kliniken Bramsche stammen. Auch die Reise selbst wird von dem Krankenhausverbund unterstützt, der sich an den Kosten der Flugreise beteiligt und auch einen Teil der benötigten Urlaubstage übernimmt.

Träger des OP-Projektes ist die Burkina-Faso-Initiative Belm, die in diesem Jahr ihr 25-jähriges Bestehen feiert und deren Akteure bereits seit den 1980er Jahren Bildungs- und Entwicklungshilfeprojekte in dem westafrikanischen Land unterstützen – und seit 2014. eben das OP-Projekt.

Die Idee zum OP-Projekt wurde während einer Fortbildung geboren, an der seinerzeit Chefarzt Gerdes und OP-Pfleger Damien Balima teilnahmen. „Damien wiederum stellte den Kontakt zu dem Arzt Gilbert Bounkoungou in Ouagadougou her, mit dem wir seitdem eng zusammenarbeiten, um Menschen zu operieren, die sich die OP finanziell nicht leisten können“, berichtete Gerdes.

Das gilt auch für das aktuelle Projekt: 120 Patienten hat der befreundete Arzt in Burkina Faso auf seiner Liste. Über die dort aufgeführten Fälle hatte er sich im Vorfeld mit seinem deutschen Kollegen abgestimmt. Vermutlich wird das Team in den zwei Wochen seines Aufenthaltes „nur“ rund 70 Operationen schaffen können.

Bei der Auswahl dürfte die Schwere des Falles ebenso ausschlaggebend sein wie die Art der Erkrankung. So gehören zum typischen Behandlungsspektrum Operationen der Schilddrüse, des Bauchraumes, Knochen- oder Leistenbrüche. Gleichzeitig werden so Operationsverfahren aus Deutschland an die dortigen Ärzte vermittelt.

Außerdem ist Chefarzt Gerdes eingeladen worden, in Ouagadouguo vor einheimischen Ärzten Vorträge über bestimmte Krankheitsbilder und OP-Techniken zu halten.

Es versprechen also lange Arbeitstage zu werden in Ouagadougou, was aber auch den besonderen Bedingungen vor Ort geschuldet ist. „Ein für acht Uhr angesetzter Arbeitsbeginn kann sich mitunter auch schon mal auf zehn Uhr verschieben“, weiß Gerdes aus der Erfahrung der zurückliegenden OP-Projekte. In Deutschland seien die Arbeitsabläufe durchgetaktet, was eher nicht der Mentalität der Menschen in Westafrika entspreche.

Dankbare Patienten

Dennoch: Übereinstimmend sagen jene, die Burkina Faso besucht haben, dass die Menschen dort trotz ihrer bitteren Armut weitaus positiver als die Menschen hierzulande durchs Leben gehen. „Die Patienten dort sind sehr dankbar für die Behandlung. Das erleben wir in Deutschland oft ganz anders. Hier wird eine gute medizinische Behandlung vorausgesetzt, da geht es in der Beurteilung eher darum, ob die Küche gut und ob auch W-Lan vorhanden ist“, berichtete Gerdes aus dem deutschen Krankenhausalltag.“

In Gefahr?

Aber begibt sich die Gruppe bei ihrer Reise nicht auch auf gefährliches Terrain? Immerhin markierte ein terroristischer Anschlag den letzten Tag des Aufenthaltes im Januar 2016. Ihm waren die Helfer nur knapp entgangen. „Es gibt auch Kollegen, die sich am Tag des Anschlages auf dem Berliner Weihnachtsmarkt in Berlin aufhielten“, entgegnete Gerdes: Terroristische Bedrohung beschränke sich schließlich nicht auf ein Land.

Daniel Koppitz stimmt dem zu: „Ich selbst habe mich persönlich nie bedroht gefühlt. Gefährliche Bereiche werden wir meiden, da können wir uns hundertprozentig auf die Ortskenntnis unseres Kollegen Damien verlassen.“