Erlebnisse eines Seglerehepaares Buch aus Melle: Hafenmeistern dürften Ohren klingeln

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Längst ausgedient hat der Sextant, aber echte Segler hängen halt dran: Cornelia und Peter Thiemt mit dem Buch „Dienstreise“ in ihrem Wintergarten in Melle. Foto: Christoph FrankenLängst ausgedient hat der Sextant, aber echte Segler hängen halt dran: Cornelia und Peter Thiemt mit dem Buch „Dienstreise“ in ihrem Wintergarten in Melle. Foto: Christoph Franken

Melle. Ein Buch über Segeltörns der ganz anderen Art hat der Meller Peter Thiemt geschrieben. In „Dienstreise“ finden sich nicht die üblichen maritimen Reiseberichte, gespickt mit Fachvokabular, sondern Thiemt legt ein Werk mit sehr persönlichen Beschreibungen und Bewertungen vor.

Im Mittelpunkt steht eine 90-tägige Ostsee-Tour mit seiner Frau Cornelia auf dem eigenen Segelschiff, der „Kohinoor“. Das Ehepaar ist seit Jahrzehnten auf Seglern unterwegs und wurde früher auch von den drei Kindern begleitet. Als Thiemt (63) 2016 seinen mittelständischen Betrieb am Herrenteich verkaufte, war endlich Zeit für längere Törns. „Ursprünglich bin ich nur meinem Mann zuliebe mitgesegelt, aber inzwischen macht es mir tatsächlich Spaß“, berichtete Cornelia Thiemt. Eine echte „Seefrau“ sei sie zwar nie geworden, aber bei Hilfsarbeiten an Deck und beim An- und Ablegen mache sie sich schon nützlich. Auch am Ruder stehe sie ab und zu.

Von Juni bis September 2017 waren die beiden auf der Ostsee unterwegs. „Wir werden immer wieder gefragt, wie wir denn eine so lange Zeit auf engstem Raum aushalten können“, schmunzelte der Seebär. Aber die Tatsache, dass seine Frau nach der letzten Reise gesagt habe, es hätte auch noch länger sein können, beantworte diese Frage doch am besten.

„Ein Haufen Schrott“

Thiemt hatte schon als junger Mann bei holländischer Verwandtschaft die Begeisterung für den Segelsport entdeckt und sich 1984 mit seiner Frau in Korfu das erste eigene Schiff gekauft. „Es war ein Haufen Schrott, aber ich wollte es haben.“ Später kam die gebrauchte „Kohinoor“. Da ein Namenswechsel Unglück für das Schiff bedeutet, blieb es dabei. „Immerhin handelt es sich schließlich auch um den Namen eines Diamanten aus den britischen Kronjuwelen“, sagte der Kapitän.

Auf die Frage, wie er denn auf die Idee zu dem Buch gekommen sei, antwortet Thiemt genau so offen, wie er schreibt. „Ich habe doch nichts mehr zu tun und langweile mich.“

„Ich langweile mich so“

Da er ohnehin an Bord nicht nur das obligatorische Logbuch führe, sondern auch Begebenheiten am Rande notiere, habe er dann zu Haus in Melle mit dem Buch begonnen. „Es machte Freude, und außerdem erhielt ich positive Rückmeldungen von Freunden, den ich unsere Erlebnisse von unterwegs gemailt hatte.“

Auf 245 Seiten entstand so ein Buch, das Land und Leute in den angelaufenen Ostseehäfen und Städten liebevoll beschreibt oder auch aufs Korn nimmt. So mancher unfreundliche Hafenmeister oder inkompetente Schleusenwärter bekommt in deutlicher Sprache sein Fett weg. Im Gegensatz dazu stehen dann positive Beschreibungen von fröhlichen Kellnerinnen oder hilfsbereiten Mechanikern.

Mit Wodka-Zechrunden

Das Ehepaar Thiemt versteht auch was von gutem Essen, und die fein dosierten Nadelstiche gegen den einen oder anderen Restaurantbesitzer haben es denn auch in sich.

Der Autor erinnert sich zudem gerne an Wodka-Zechrunden an Bord polnischer Segelfreunde und augenzwinkernd an die monatelange Suche seiner Frau nach einer orangen Daunenjacke.

Der nächtliche Diebstahl des gesamten Bargelds von Bord, als das Ehepaar im Hafen von Helsinborg in den Kojen schlief, fehlt in dem Buch genauso wenig wie der nervende Kampf mit der Bord-Technik.

Unter dem Strich ein amüsant zu lesendes Buch, bei dem auch die Selbstironie des Autors nicht zu kurz kommt. Empfehlenswert nicht nur für Segler, sondern für alle Wassersportler und Leute, die demnächst Urlaub in Ostsee-Gefilden machen wollen.

„Dienstreise“ ist im Buchhandel erhältlich.


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