Staatsanwältin nennt Tat „brutal und grob“ Säugling geschüttelt: Meller zu langer Haftstrafe verurteilt

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Neun Jahre und sechs Monate: Vor dem Landgericht Osnabrück wurde am Dienstag das Urteil gegen den 26-jährigen Meller verkündet. Symbolfoto: Michael GründelNeun Jahre und sechs Monate: Vor dem Landgericht Osnabrück wurde am Dienstag das Urteil gegen den 26-jährigen Meller verkündet. Symbolfoto: Michael Gründel

Osnabrück/Melle. Neun Jahre und sechs Monate: Das Urteil gegen den 26-jährigen Meller, der seine vier Monate alte Tochter brutal geschüttelt und damit schwer verletzt haben soll, wurde am Dienstag im Landgericht Osnabrück verkündet.

Damit folgte die Kammer in weiten Teilen dem Antrag der Staatsanwältin, die unter Einbeziehung einer weiteren Körperverletzungstat eine Gesamtfreiheitsstrafe von neun Jahren gefordert hatte – allein siebeneinhalb Jahre für die Tat, die sich am 4. März 2014 zugetragen haben soll.

Allein zuhause

An besagtem Tag war der 26-jährige Meller mit seiner kleinen Tochter allein zuhause.

Als die Mutter des Kindes nach der Arbeit nach Hause kam und feststellte, das mit ihrer Tochter etwas nicht stimmte, rief sie den Notarzt. Bei Untersuchungen im Krankenhaus wurden starke Blutungen im Kopf des Babys festgestellt, die Körpertemperatur war auf knapp 33 Grad gefallen und das Kind hatte Anzeichen epileptischer Krampfanfälle.

Auch ein Hirnschaden wurde von den Medizinern diagnostiziert. Zudem ist das Kind seit dem Zwischenfall schwer entwicklungsgestört, muss mithilfe einer Sonde ernährt werden und ist auf einen Rollstuhl angewiesen.

Ein Gutachter hatte im Rahmen der Hauptverhandlung ausgesagt, dass verschiedene Anzeichen – unter anderem ein sogenannter „Trias“ - belegen würden, dass ein Schütteln des Kindes erfolgt sein muss. Bereits nach einem vorangegangenen Misshandlungsverdacht war das Kind vorübergehend zu ihren Großeltern gekommen. Eine Hebamme und ein Jugendamt-Vertreter schauten täglich vorbei. Kurz vor dem Schüttelvorfall war die Tochter aber wieder zurück zu seinen Eltern gekommen.

Angeklagter beteuert Unschuld

Der Angeklagte behauptete hingegen, unschuldig zu sein. „Ich war das nicht“, rief er am Dienstag dazwischen, als die Staatsanwältin ihre Ausführungen vortrug. Sie gab an, der Meller sei „hochverdächtig“ und betonte, andere Ursachen für die Verletzungen könnten ausgeschlossen werden. Die Tat bezeichnete sie als „brutal, gewissenlos und grob“. Dass das Kind im Krankenhaus überhaupt gerettet werden konnte, nannte sie einen „reinen Zufall“.

Die Vertreterin der Nebenklage, die im Namen des Opfers sprach, richtete ihr Wort im Plädoyer an den Meller direkt: „Sie sind verantwortlich für die Tat. Sie haben ihrer Tochter alles genommen.“

Erwartungsgemäß beantragte der Verteidiger des Mellers, dass sein Mandant freigesprochen wird, denn seiner Ansicht nach seien die Feststellungen im Rahmen der Beweisaufnahme nicht ausreichend.

Nach eingehender Beratung wurde der 26-Jährige von der Kammer zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von neuneinhalb Jahren verurteilt. Das „massive Schütteln“ führte nach Ansicht des Gerichtes zu den schweren Verletzungen. Der Richter bezeichnete das Verhalten des einschlägig vorbestraften Angeklagten zudem als „impulsiv und egoman“. (mit dpa)


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