Freisprechung der Metall-Innung Obermeister Christof Spies redet in Melle Klartext

Von Christoph Franken


Melle. Vor einer „Akademisierung der Gesellschaft“ warnte Christof Spies als Obermeister der Innung der Metallhandwerke Melle am Wochenende während der Freisprechungsfeier: 17 Feinmechaniker und sieben Metallbauer sind damit neue Gesellen.

Melle. Spies spannte keinen die jungen Männer am Freitagabend in der Ausberger Diele „Uppe Rellge“ auf die Folter: „Gleich vorweg, es haben alle bestanden“, sagte er in der gut besetzten Fachwerkscheune, denn die bisherigen Azubis hatten ihre Familien und Freundinnen mitgebracht. Die begrüßte der Obermeister ebenso wie Vertreter der Ausbildungsbetriebe, der Berufsschule und die Mitglieder des Gesellenprüfungsausschusses sowie Innungsreferent Steven Kerstan.

Zwei Prüfungsbeste

Spies übergab anschließend unter dem Beifall der Anwesenden jedem einzelnen den Gesellenbrief. Als Prüfungsbeste wurden Metallbauer Andreas Wesseler (Fa. Heidenreich Metallbau) und Feimechaniker Maximilian Stroux (Fa. Wilhelm Niemann) ausgezeichnet. „Ihr habt nicht nur fachliches Wissen erworben, sondern auch die Fähigkeit zur Teamarbeit“, sagte Spies.

Die gesamte Innung freue sich darüber, dass 24 junge Leute freigesprochen werden konnten, sagte Spies. Aber: „Es wird immer schwieriger, guten Nachwuchs zu bekommen“, betonte er. Das wiederum sei ein Problem auch für die Zukunftsfähigkeit der metallverarbeitenden Unternehmen, die in der Region einen hohen Stellenwert besäßen. Die Gründe sieht der Obermeister zum einen im demografischen Wandel, zum anderen aber auch in der wachsenden Konkurrenz durch die Industrie. Spies nannte beispielsweise die hohe Zugkraft des VW-Werks in Osnabrück auf junge Leute.

„Am Image arbeiten“

„Und das, obwohl wir als Mittelständler ebenfalls über modernste Maschinen und Anlagen verfügen, da müssen wir uns vor der Industrie überhaupt nicht verstecken“, hob Spies hervor. Insofern müsse das Handwerk offensichtlich noch stärker als bisher an seinem Image arbeiten. Dazu gehöre, direkt auf junge Menschen und deren Eltern zuzugehen und nicht zuletzt über Praktika zu vermitteln, dass es in den mittelständischen Firmen der Region moderne und sichere Arbeitsplätze in familiärer Atmosphäre gebe. Außerdem sei die Metallbranche keine reine Männerdomäne mehr, warb Spies auch um Bewerbungen von jungen Frauen.

Gute Perspektiven

Eine klare Absage erteilte er einer „Akademisierung der Gesellschaft. Die sei zwar lange Zeit von der Politik propagiert worden, führe aber vermehrt zu Studienabbrechern und damit verlorenen Lebensjahren.

„Ihr müsst nicht gleich zur Uni rennen“, rief er den frischgebackenen Gesellen zu. In den Betrieben gebe es allerbeste Perspektiven für die Zukunft einschließlich guter Aufstiegs- und Weiterbildungsmöglichkeiten bis hin zum Meister.