Mit Kuhglocken, Abfalleimer und Klobrille Skurrile Musik-Instrumente bei Insterburg & Black in Melle-Buer


Buer. Fast durchgängig amüsiert und oft auch lauthals lachend verfolgten 130 Zuschauer den dreistündigen Auftritt von Ingo Insterburg und Black am Samstagabend im Bueraner Hof.

War es Comedy? War es Kabarett? War es Musik und Gesang von Blödel-Barden oder Liedermachern? War es ein Konzert? War es Gesellschaftskritik mit Wortakrobatik? Für die einzigartige Performance des 83-jährigen Ingo Insterburg mit seinem Partner Lothar „Black“ Lechleiter (75) passt keine Genre-Bezeichnung. Es war von allem etwas und doch anders – eben Insterburg und Black.

Perfekte Ergänzung

Dabei hatten die beiden Künstler nur zwei gemeinsame Auftritte beim Begrüßungs- und beim Abschlusslied. „Wir sind hier zwar beide zusammen, aber jeder für sich allein auf der Bühne“, machte Ingo Insterburg gleich zum Beginn klar. Dennoch ergänzten sich beide perfekt.

Die meisten Zuschauer hatten schon ein Dauerlächeln und Schmunzeln auf dem Gesicht, wenn Insterburg nur die Bühne betrat. Wenn er dann seine mehr gesprochenen Gesänge mit eigenen Texten und trockenen oder auch makabren Pointen vortrug, gab es für die Lachmuskeln kein Halten mehr. Köstlich war etwa seine „Ode an die Kaulquappe“. Oder: „Ein Mistkäfer lebt in der Jauche im Gestank, deswegen frisst ihn keiner, Gott sei Dank“.

Instrumental begleitet wurden Ingos teils derbe, teils feinfühlige Texte von den abenteuerlichsten, selbst gebauten Musik-Instrumenten: von der japanischen Geige mit nur einer Saite, von der Vogelkäfiggeige, der Klobrillen-Harfe, der singenden Säge oder Kokosnuss-Gitarre, vom Blecheimer-Cello oder vom Gummi-Saxofon mit Waschmaschinenschlauch und Trichter. Die seltsamen skurrilen Konstruktionen sorgten schon allein für bewunderndes Staunen.

Konstrukteurskunst

Aber nicht nur mit seiner Konstrukteurskunst überzeugte Insterburg, sondern auch noch mit seinen halsbrecherischen Vorträgen auf mehreren Instrumenten gleichzeitig. Während er trompetet zupft er die Gitarre mit seinem dicken Zeh. Den Geigenstock klemmt er sich unter die Kniekehle und bewegt die Violine mit einer Hand, während er mit der anderen Hand die Gitarre spielt. Zum Finale (vor den Zugaben) befestigte der 83-Jährige die ganze Kuhglocken-Tonleiter an verschiedensten Körperteilen und präsentierte sein zwangsläufig getanztes Kuhglocken-Konzert. Zum Mitsingen lud sein locker 50 Jahre alter Gassenhauer „Ich liebte ein Mädchen ...“ ein, das inzwischen mindestens ein Dutzend neue Strophen bekommen hat. Ingos Liebesabenteuer haben sich in der in Buer präsentierten Fassung über Europa und den ganzen Globus bis auf die Planeten ausgebreitet.

Humorvoll und politisch

Humorvoll, nachdenklich, einfühlsam und politisch waren die Vorträge von Lothar „Black“ Lechleiter, der aus dem einstigen Duo „Schobert und Black“ bekannt ist. Musikalisch anspruchsvoll und durchaus tiefsinnig präsentierte der Black kritische Töne und höheren Blödsinn. Einer der Höhepunkte war die Umdichtung von Goethes Erlkönig, die er auf Wunsch des Publikums in ostpreußischem Dialekt präsentierte. In seinem Lied „Die Jagd ist aus“ karikierte er eine Treibjagd mit versehentlich erlegten Dackeln und Joggern.

Gegen brennende Asylbewerberheime wendete sich Lechleiter zur Melodie des Volksliedes „Ich weiß nicht, was soll es bedeuten“. Ein anderes Lied war zwei singenden südamerikanischen Freiheitskämpfern gewidmet, denen die einstige chilenische und argentinische Militärjunta die Hände gebrochen hatte, damit sie nicht mehr Gitarre spielen können. „Da seht ihr, wie viel Angst die herrschenden Despoten vor kritischer Gitarrenmusik haben“, richtete er sich an das Publikum.

Zum viel beklatschten Programm gehörten vor allem seine respektlosen fünfzeiligen Limericks sowie Moritaten über Billigfluglinien und bayrisches Brauchtum.


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