Drei Fragen an: Fritz Mithöfer Warum Biogas aus Wildpflanzen gewonnen werden soll

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Die Initiative KLAr setzt sich dafür ein, Biogas aus Wildpflanzen statt aus Mais zu gewinnen. Foto: dpaDie Initiative KLAr setzt sich dafür ein, Biogas aus Wildpflanzen statt aus Mais zu gewinnen. Foto: dpa

Melle. Die „Kooperation Lebensraum und Artenschutz Melle“ (KLAr) sucht mit Betreibern von Biogasanlagen und Landwirten das Gespräch. Dabei geht es um die Gewinnung von Biogas aus Wildpflanzen anstatt aus Mais. Nach einer Vortrags- und Diskussionsveranstaltung sprachen wir darüber mit Fritz Mithöfer, der in der KLAr die Jägerschaft vertritt.

Herr Mithöfer, Wildpflanzen in Biogasanlagen? Das klingt nach Brennnesseln und Disteln aus der freien Natur. Ist da was dran?

Nein! Das wäre doch etwas zu wenig Ertrag. Es gibt eine spezielle Wildpflanzen-Mischung, die auf dem Acker eingesät wird und dann vier Jahre lang geerntet werden kann, ohne dass Spritzmittel eingesetzt werden müssten. Außerdem ist die Verwertung des Düngers über eine viel längere Vegetationsperiode gleichmäßiger. Zu der Mischung gehören Eibisch, Schwarze Flockenblume, Fenchel, Alant, Malve, Luzerne, Klee, Esparsette, Soja, Rainfarn und viele weitere Blühpflanzen. Nach vier Jahren wird die Anbaufläche gewechselt und in die Fruchtfolge der landwirtschaftlichen Produktion integriert.

Kann denn mit solchen wilden Alternativpflanzen der Maisanteil spürbar reduziert werden? Sind die Erträge groß genug, dass für Landwirte ein Anreiz entsteht?

Aus rein finanziellen Erwägungen allein würde derzeit kein Landwirt Wildpflanzen statt Mais anbauen. Die Umstellung ist mehr eine Frage der Einstellung der Flächenbesitzer. Sie können etwas gegen das Insektensterben tun und damit das Image von Biogasanlagen und Landwirtschaft verbessern - wenn es auf den Feldern wieder summt und brummt und die vielen bunten Blüten das Landschaftsbild bereichern. Bei unserer Veranstaltung war in der Diskussion bei den Biogasanlagen-Betreibern schon eine gewisse Bereitschaft erkennbar.

Welche Entwicklungen will denn die KLAr – der Zusammenschluss von Stiftung für Ornithologie und Naturschutz, Landvolk, Jägerschaft und städtischem Umweltbüro – in Gang bringen? Wie weit gehen Ihre Hoffnungen?

Wenn auf fünf Prozent der heutigen Energie-Mais-Fläche in fünf Jahren Wildpflanzen wachsen, dann wäre das für den Anfang ein tolles Ergebnis. Vorläufig müssen wir noch damit leben, dass es für dieses neue Konzept keine Fördergelder gibt. Dabei ist der ökologische Wert von Wildpflanzen-Äckern noch wesentlich höher als viele der derzeit geförderten Greening-Maßnahmen wie Blühstreifen oder Zwischenfrucht-Programme.


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