Ausstellung in der Sparkasse Meller Gastarbeiterinnen bislang „kaum wahrgenommen“

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Melle. „Schon ein bisschen komisch“, findet es Veronika Uhlmannsiek, dass ihr das eigene Abbild großformatig entgegenschaut, wenn sie die Sparkasse an der Mühlenstraße betritt. Dort ist derzeit die Ausstellung „Nachgekommen“ über Gastarbeiterinnen und Ehefrauen von Gastarbeitern zu sehen. Uhlmannsiek ist eine der porträtierten Frauen im gleichnamigen Buchprojekt.

Dem deutsch klingenden Namen zum Trotz ist Veronika Uhlmannsiek in Ungarn geboren und in Jugoslawien aufgewachsen. Nun prangt ihr Abbild in einer deutschen Sparkasse. „Nicht so einfach“, findet die Frau das, die 1970 nach Melle kam, „aber da muss man durch.“ Sie folgte damals ihrer Mutter, die zwei Jahre zuvor nach Deutschland gereist war. Die Mutter ging später zurück nach Serbien, Veronika Uhlmannsiek, die in Melle 1976 geheiratet hatte, blieb: „Meine Heimat ist Deutschland.“

„Die Frauen kommen eigentlich so gut wie gar nicht vor“

Diese und andere Geschichten erfahren die Bankbesucher auf großen Tafeln in Kurzform. Ausführlicher sind die bislang unerzählten Geschichten im Buch „Nachgekommen“ von Schülerinnen der Oberschule Buer festgehalten worden. „Die Frauen kommen eigentlich so gut wie gar nicht vor, die werden in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen“, erläutert Uschi Thöle-Ehlhardt als Initiatorin die Idee zum Nachfolgewerk von „Angekommen“, einem Buchprojekt zu den Meller Gastarbeitern aus der Türkei, aus Italien, Spanien oder anderen Ländern.

„Was die uns alles anvertraut haben“

Anderthalb Jahre haben sechs Schülerinnen mit AG-Leiterin Annegret Tepe an dem Werk gearbeitet, das ebenfalls nicht nur Frauen aus der Türkei vorstellt. Viele berührende Geschichten haben sie gehört, nicht wenige erstmals überhaupt von den Frauen erzählt – mithin auch den Angehörigen. „Das war toll, was die uns alles anvertraut haben“, sagt Schülerin Tugba (17). Nicht alles durfte verwendet werden, aber was Eingang fand, gibt einen guten Einblick in das Leben der Frauen fernab ihrer alten Heimat.

Die Ausstellung ist noch bis zum 10. Februar zu sehen.


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