Eis-Pionierin Dina de Cesero gestorben Als die Kugel in Melle noch einen Groschen kostete

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Melle. 1961 eröffnete in Melle die erste Eisdiele. Besitzerin Dina de Cesero brachte damals gemeinsam mit ihrem Mann Antonio de Bona die Meller auf den bis dahin noch kaum bekannten Geschmack. Die Eisgenuss-Pionierin ist Anfang Januar im Alter von 86 Jahren gestorben.

Heute sind italienische Eisdielen aus dem Stadtbild keiner deutschen Stadt mehr wegzudenken. Es gibt noch so manche Meller, die sich an die erste Eisdiele „Cortina“ im damaligen „Haus Sonnenschein“ an der Bahnhofstraße erinnern. Dazu gehören Helmut und Ellen Brandhorst. „Die Kugeln waren kleiner und kosteten einen Groschen“, blickt Helmut Brandhorst (77) zurück.

Fahrrad-Eiswagen mit Sonnenschirm

„Die Italiener hatten auch einen Fahrrad-Eiswagen mit Sonnenschirm, mit dem jüngere Familienmitglieder an warmen Sommertagen Wohngebiete und belebte Plätze ansteuerten“, ergänzt seine Ehefrau (76), die zu dieser Zeit noch Ellen Sadlack hieß. Die beiden waren schon damals ein Paar, die Zeit ihrer Annäherung und die gemeinsame Freude an dem leckeren Eis sind eng miteinander verknüpft.

Zwischen den deutschen Kunden und den Italienern entwickelten sich offene und aufgeschlossene Verhältnisse und Freundschaften. Ende der Sechzigerjahre besuchte das Ehepaar Brandhorst Dina de Cesero sogar in ihrem Heimatort Igne in den südlichen Alpen, 100 Straßen-Kilometer nördlich von Venedig. In den Siebzigerjahren lernte Maria Jelinek die italienische Familie kennen. Ihre Kinder spielten oft mit den drei Töchtern von Dina. „Basta - das war das erste italienische Wort, das ich gelernt habe“, blickt sie auf die familiäre und unverkrampfte Atmosphäre in der Eisdiele zurück.

Tsunami im Stausee

Dina war aber nicht von Schicksalsschlägen verschont geblieben. Ihr Schwager Flavio, der auch in der Meller Eisdiele arbeitete, gehörte im Oktober 1963 zu den 1800 Toten der Tragödie von Langarone. Dort, ganz in der Nähe ihres Heimatortes, verursachte der Absturz eines Berghanges mit 260 Millionen Kubikmeter Gestein einen Tsunami in einem neuen Stausee. Die 20 Meter hohe Flutwelle schwappte über die Staumauer und vernichtete ein ganzes Dorf im dahinter liegenden Flusstal. Diese Katastrophe erschütterte damals ganz Europa.

Antonio und Dina bekamen von 1962 bis 1966 ihre drei Töchter Maria Grazia, Flavia und Brigida. Die Eisdiele „Cortina“ zog später in die Mühlenstraße um und wurde noch bis 1988 von Dina und Antonio betrieben. Dann übernahm die Familie Uccel den Eisverkauf, bis Attilo und Simona Fontanella das Geschäft übernahmen. Vor einigen Jahren hat Dina de Cesero das Gebäude an die Familie Fontanella verkauft. Ihr Mann Antonio ist derzeit schwer erkrankt.


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