Experten belasten Angeklagten „Hochgradiger Gewaltverdacht“ gegen Meller Vater

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Weiter verhandelt wurde am Dienstag gegen den Meller Vater. Symbolfoto: Michael GründelWeiter verhandelt wurde am Dienstag gegen den Meller Vater. Symbolfoto: Michael Gründel

Melle. Drei Experten belasteten am Dienstag vor dem Landgericht den Meller, der sein Baby mehrfach heftig geschüttelt haben soll, schwer. Alle drei schlossen andere Ursachen für den Zustand des Kindes, das nun einen Rollstuhl benötigt, weitgehend aus. Der Angeklagte beteuerte seine Unschuld.

Schon die Ärzte seien ja zu einer „recht klaren Entscheidung“ gekommen, was die Ursache der schweren Hirnverletzung betreffe, sagte Experte Nummer eins. Er ging die beiden Vorfälle im November 2013 und März 2014 noch einmal durch, nach denen das vier Monate alte Baby jeweils mit diversen Symptomen ins Krankenhaus gekommen war. Die Mutter war beide Male arbeiten gewesen, der Vater mit dem Kind allein zu Haus.

Zwei Versionen

Beim ersten Vorfall sei er mit dem Kind auf dem Arm gegen eine Türklinke gestoßen, hatte der 26-Jährige behauptet, aber später revidiert. Nun hieß es, eine Tür sei durch einen Luftzug zugeschlagen und habe seine Tochter getroffen.

Beide Versionen können kaum zutreffend sein, schloss der Rechtsmediziner: „Wenn es eine Tür gewesen wäre, wären die Verletzungen woanders aufgetreten.“ Er beurteile das als „mehrfache Gewalteinwirkung“, auch wegen der Blutergüsse im Gesicht und am Hals des Kleinstkindes, die „wahrscheinlich unterschiedlichen Alters“ gewesen seien. Dass die Verletzungen durch zu starkes Festhalten und sogenanntes forciertes Füttern (gewaltsames Verabreichen der Flasche) entstanden sein könnten, sei unwahrscheinlich.

Kein Impfschaden

Insbesondere der zweite Vorfall lege den „hochgradigen Verdacht auf Gewalt“ durch Schütteln nahe. Zudem sei auch in den drei Monaten der Behandlung des Babys im Kinderhospital Osnabrück keine andere Ursache entdeckt worden. Beispielsweise bei einem Sturz wären andere Blutungen aufgetreten, so der Experte. Ein Impfschaden sei ebenfalls auszuschließen.

Auch die beiden Fachleute, die anschließend ihre Einschätzung gaben, eine Neuroradiologin (grob übersetzt eine Fachärztin für Erkrankungen des Gehirns) und ein Kinderarzt, schlossen andere Ursachen für die schweren Symptome nahezu aus. Auch wenn der Kinderarzt betonte: „Es ist wie immer in der Medizin: Es gibt keine 100 Prozent, nur 80 und 20 Prozent.“

In Handschellen

Zum Schluss ergriff noch einmal der Angeklagte das Wort, der aktuell zwei Jahre und acht Monate wegen diverser Delikte absitzt, darunter mehrfach Körperverletzungen, und jeweils in Handschellen vorgeführt wird. „Ich habe meine Tochter nicht geschüttelt. Warum sagen die Ärzte das?“


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