Ärzte glauben ihm nicht Prozess: Meller Vater soll Tochter stark geschüttelt haben

Prozessauftakt: Das Landgericht Osnabrück verhandelt gegen einen Vater aus Melle, der ein Baby schwer mißhandelt haben soll. Symbolfoto: Michael GründelProzessauftakt: Das Landgericht Osnabrück verhandelt gegen einen Vater aus Melle, der ein Baby schwer mißhandelt haben soll. Symbolfoto: Michael Gründel

Melle. Im Prozess gegen einen Meller Vater, der seine vier Monate alte Tochter so geschüttelt haben soll, dass sie schwerste Hirnschäden erlitt, sagten am Montag Mitarbeiterinnen des Jugendamtes sowie Ärzte aus. Das Baby war 2013 und 2014 ins Krankenhaus gekommen.

Der erste Vorfall hatte sich im November 2013 ereignet. Damals war das Mädchen mit „Hämatomen, die nicht zur Geschichte des Vaters passten“ in das Krankenhaus gebracht worden, schilderte eine Jugendamtsvertreterin. In der Folge zogen Mutter und Tochter zu den Eltern der Mutter, der Vater durfte das Kind zunächst nur noch begleitet sehen. Der 26-Jährige hatte angegeben, er sei mit dem Kind im Dunkeln gegen eine Türklinke gestoßen; später sagte er, es sei die Türkante gewesen, ergänzte ein Arzt als weiterer Zeuge.

Eine Psychologin des Jugendamtes sagte aus, die Mutter habe immer mittags von der Arbeit aus zuhause angerufen, um zu hören, ob alles in Ordnung sei. An jenem Tag im November 2013 war es das nicht; sie solle gleich kommen, habe der Vater ihr gesagt.

Blut aus der Nase

Das Kind habe aus Mund und Nase geblutet, berichtete ein Oberarzt des Kinderhospitals Osnabrück der Landgerichtskammer mit drei Richtern und zwei Schöffen. Zuvor war das Baby aus dem Klinikum Melle nach Osnabrück verlegt worden. Auch der Arzt misstraute der angeblichen Kollision mit der Tür: „Das passte nicht.“ Der Verdacht auf Gewalteinwirkung liege nahe.

Mutter war nicht da

Ein zweiter Vorfall ereignete sich im März 2014. Er habe das Baby nach einem Spaziergang ins Bett gelegt, gab der Vater an. Die Mutter brachte das Kind später ins Krankenhaus. Diesmal war das Mädchen nicht bei Bewusstsein, hatte Blutungen im Auge und im Kleinhirn. Zur Ursache hätten die Eltern keine genauen Angaben machen können; beide Male sei aber die Mutter zunächst nicht anwesend gewesen.

Schon eine Kontrolluntersuchung nach dem ersten Vorfall habe „eindeutige Anzeichen für ein Schütteltrauma“ ergeben, sagte ein weiterer Arzt. Er habe sich deshalb massiv aber vergeblich dagegen ausgesprochen, dass das Kind zurück zu beiden Elternteilen kommt. „Es hätte nicht viel Zeit gebraucht, dann wäre das Kind nicht mehr am Leben gewesen“, sagte der pensionierte Mediziner. Schon bei der Aussage des Vaters im November 2013 habe er gespürt: „Hier stimmt was nicht.“

Jetzt im Rollstuhl

In den Gerichtsakten findet sich jedoch auch ein Hinweis, dass eine auf schriftlichem Wege hinzugezogene Ärztin eines Institutes für Rechtsmedizin keine klaren Hinweise auf Misshandlung erkennen konnte; dies allerdings auf Basis von schriftlichen Erläuterungen und Fotos.

Als letzter Zeuge sagte am Montag der derzeit behandelnde Arzt des Mädchens aus, das einen Rollstuhl benötigt und durch eine Magensonde ernährt wird. Neben der schweren Hirnschädigung leidet das Kind demnach an ständigen bronchialen Infekten, Lungenentzündungen, Spastiken und epileptischen Anfällen. Es sei in seiner Entwicklung auf dem Stand eines Babys stehengeblieben, die Lebenserwartung in jedem Fall eingeschränkt, wenn sich auch nicht genauer sagen oder beziffern lasse, in welchem Maße.

Der Prozess wird am Dienstag, 23. Januar, mit den Aussagen dreier Sachverständiger fortgesetzt.


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