Warnung an Waldbesucher Erhebliche Sturmschäden in Melle

Von Simone Grawe und Michael Hengehold


Melle. Etwa 50 Anrufe gingen im Nachklang von Sturm Friederike bei der Stadt ein. Eine erste Bestandsaufnahme der Waldschutzgenossenschaft ergab ebenfalls erhebliche Schäden. Vor dem Betreten der Wälder wird gewarnt.

Beim Baubetriebsdienst gingen am Donnerstag rund 50 Anrufe besorgter Bürger ein: „Sie meldeten unter anderem entwurzelte Bäume oder wiesen darauf hin, dass sich das Wurzelwerk von Bäumen derart gelockter hatte, sodass sie umzustürzen drohten“, bilanziert Stadtsprecher Jürgen Krämer. Die Mitarbeiter des Baubetriebsdienstes waren am Tag des Unwetters im Dauereinsatz. Ebenso die Gemeindearbeiter in den Stadtteilen, die über Stunden die Folgen des Sturms beseitigten. Am Freitag wurden die Arbeiten fortgesetzt.

Nachdem am Donnerstag eine Linde vor dem Stadthaus unter der Einwirkung einer Sturmböe umgestürzt war, ergaben erste Untersuchungen von Stadtgärtner Frank Schoster, dass die Wurzeln dieses Baumes in Teilen abgestorben und verfault waren: „Da zu befürchten stand, dass auch die beiden benachbarten Bäume im Wurzelbereich ähnlich marode sind und vor diesem Hintergrund keine Standfestigkeit garantiert werden könnte, wurden sie am Freitagvormittag gefällt“, berichtet Krämer. Während der Fällarbeiten war der Schürenkamp am Freitagvormittag in Höhe des Stadthauses gesperrt. (Lesen Sie auch: Sturm Friederike fegt Dach von Bauernhaus in Melle-Buer ab)

Die Kinder der gegenüberliegenden Kita durften die Arbeiten hinter der sicheren Absperrung verfolgen; ein spannendes Ereignis.

Gefahr für Leib und Leben

Derweil hat sich Bezirksförster Günter Knop einen ersten Eindruck vom Ausmaß der Schäden in den Wäldern verschafft: „Es ist zu Flächen- aber auch Einzelwürfen und Brüchen in erheblichem Umfang gekommen. Betroffen ist zu 80 Prozent Nadelholz, sprich nahezu ausschließlich Fichten.“

Die Schäden seien allerdings nach seiner ersten Einschätzung nicht so schlimm wie bei Sturm „Kyrill“ vor elf Jahren, in dessen Nachklang die 1400 Meller Waldbesitzer rund eine Million Bäume neu gepflanzt hätten.

Dass viel mehr Bäume umgeworfen wurden, als abgebrochen sind, liege an den starken Niederschlägen der jüngsten Zeit, ergänzt Heinrich Kinnius, Geschäftsführer des Kreislandvolkverbandes. Dort klingele schon den ganzen Morgen das Telefon, weil die Waldschutzgenossenschaft ebenfalls im Haus der Landwirtschaft sitzt. Doch Priorität hätten nun zunächst einmal Straßen und Wege, betont Kinnius, der selbst Waldbesitzer ist und seine 1400 Kollegen in Melle nachdrücklich davor warnt, nun aus Ungeduld selbst mit der Motorsäge loszuziehen: „Da besteht Gefahr für Leib und Leben. Das Holz ist verdreht, steht unter Spannung, das ist hochgefährlich. Ich weiß, viele sind jetzt ungeduldig, aber es ist klar, dass nicht alles nächste Woche wieder in Ordnung sein kann. Da werden jetzt Prioritätenlisten abgearbeitet und die Koordination dafür übernehmen die Bezirksförster.“ (Lesen Sie auch: Helfer räumen nach Orkan „Friederike“ Straßen und Gleise frei)

Das sind Werner Scholz für Melle Süd (Tel. 01 76/ 47724975) sowie Günter Knop im Norden des Stadtgebietes (0151/15242813). Auch Knop ruft zu Ruhe und Geduld auf und verweist auf die gute Marktlage: „Die Konjunktur ist gut. Die Lager sind leer, der Markt kann das Holz gut aufnehmen, da ist kein Preisverfall zu erwarten.

Er warnt zudem Waldbesucher, dass immer noch Totholz herabfallen könnte, auch Bäume können noch umstürzen.

Waldbesitzer könnten sich zudem auch an das Landvolk wenden oder an einen Steuerberater, um Kalamitäten zu melden.