Herzlichkeit in Rödinghausen Lina Gerber (98) aus Rödinghausen engagiert sich für Flüchtlinge

Von Meiko Haselhorst

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Im eigenen Garten und auch in der Flüchtlingshilfe ist Lina Gerber (98) aktiv,  Foto: Meiko HaselhorstIm eigenen Garten und auch in der Flüchtlingshilfe ist Lina Gerber (98) aktiv, Foto: Meiko Haselhorst

Rödinghausen. Engagement mit 98: Lina Gerber ist beim „Treff International“ mit Abstand die älteste Ehrenamtliche. Von den Flüchtlingen erfährt sie dafür jede Menge Respekt und Zuneigung. Die meisten Menschen werden keine 98 Jahre alt. Und wenn doch, dann muss ihnen im Alltag für gewöhnlich ein bisschen geholfen werden. Lina Gerber schert sich nicht um solcherlei Naturgesetze. Sie kommt in ihrer Wohnung sehr gut alleine zurecht und ist zuweilen auch bei der Gartenarbeit anzutreffen – auf Knien.

Das reicht ihr aber nicht: Alle zwei Wochen geht sie zum „Treff International“ in die SELK-Johannesgemeinde in Schwennigdorf, um dort ihren Beitrag zur besseren Integration von Flüchtlingen zu leisten. „Regina hat mich mitgenommen“, sagt sie ganz bescheiden, wenn man nach einer Begründung für ihr Engagement fragt. Regina, das ist eine Nachbarin, zarte 82 Jahre alt, die sich ebenfalls im Treff International einbringt.

Wer dann ein zweites Mal nach der Motivation fragt, bekommt noch eine weitere Antwort: „Mein Mann kam aus den deutschen Dörfern in der Ukraine, der war auch ein Flüchtling.“ Eine mögliche Erklärung dafür, warum Lina Gerber ein Herz für entwurzelte Menschen hat.

„In Wirklichkeit hat sie ein Herz für alle Menschen“, sagt SELK-Pfarrer Johannes Heicke, der Lina Gerber schon länger als „ganz prägendes Mitglied“ seiner Gemeinde kennt. Da koche sie auf manchen Veranstaltungen auch schon mal Kaffee für Menschen, die wesentlich jünger seien als sie selbst.

Und beim Treff International? „Da bekommt sie den Kaffee serviert“, sagt Heicke und lacht. Lina Gerber habe dort anfangs vor allem „Mensch ärgere Dich nicht“ mit den Flüchtlingen gespielt, so der Pfarrer weiter. „Da war ja noch eine gewisse sprachliche Barriere da“, erinnert er sich an den Winter 2015/2016. Mittlerweile – den vielen Sprachkursen sei Dank – seien gute Gespräche möglich, und das sei auch der Hauptzweck der Initiative.

„Leider höre ich nicht mehr so gut“, räumt die betagte Dame ein. Das kleine Defizit macht sie durch ihre Herzlichkeit aber wieder wett. „Berührungsängste kennt sie überhaupt nicht“, sagt Pfarrer Heicke. Und ihre Herzlichkeit bekommt sie zurück. „Alle sind zu ihr immer besonders freundlich“, ist ihm aufgefallen. Herzlichkeit für Herzlichkeit. Lina Gerber selbst erzählt: „Es kommt vor, dass ich im Dorf von Frauen umarmt werde.“ Dass sie sich darüber freut, ist ihr anzusehen.

Genauso wie über die kleine Episode, die sich vor nicht allzu langer Zeit auf ihrem Hof zutrug: „Ich saß gerade auf Knien und kratzte mit einem Messer Moos aus den Ritzen, als ein junger Flüchtling mich ansprach, der in unserer Nachbarschaft wohnt – er hat mir das Werkzeug aus der Hand genommen und hat die Arbeit für mich weitergemacht.“

Manchmal kommt also auch eine Lina Gerber in den Genuss, wie eine ganz normale 98-Jährige behandelt zu werden.


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