Verdienste um den Ort Auf den Spuren von Josef Kern in Melle-Neuenkirchen

Von Marita Kammeier

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Neuenkirchen. Welche Auswirkungen hatte der Zuzug von mehr als 800 Flüchtlingen und Vertriebenen in der Nachkriegszeit auf Neuenkirchen? Die Spurensuche zum Leben des früheren Samtgemeindedirektors Josef Kern spiegelt die regionale Geschichte der 50er- und 60er-Jahre wieder.

„Josef Kern – vom Flüchtlingsbetreuer zum Direktor der Samtgemeinde Neuenkirchen“, so lautet der Titel einer beeindruckenden Dokumentation, die sein Sohn jetzt dem Heimatverein Neuenkirchen zur Archivierung übergeben hat. Fünf Jahre recherchierte Reinhard Kern in gründlicher und zugleich mühseliger Kleinarbeit im Familienarchiv und in Zeitungsartikeln des „Meller Kreisblatts“ über Leben und Wirken seines Vaters. Schachteln voll mit alten Fotografien tauchten dabei auch im Keller des Hauses Oermann auf und wurden sogleich in das Gesamtwerk integriert.

Da war der Sohn erst zwei Jahre alt

Familie Kern kam nach Kriegseinsatz, Verwundung und Vertreibung im Jahr 1945 aus Oberschlesien mit dem großen Strom der Flüchtlinge nach Neuenkirchen. Da war der Sohn erst zwei Jahre alt. In der neuen Heimat fehlte es noch an allem. Wohnungsnot und Hunger prägten den Alltag. Im Jahr 1946 lebten im Kreisgebiet Melle mehr als 30 Prozent Neubürger. Das waren die Vertriebenen aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten.

Organisation von Wohnraum, Planung und Aufbau von Siedlungen

Josef Kern, der gelernte Finanzangestellte arbeitete zunächst als Flüchtlingsbetreuer und erhielt von den Kommunalbehörden zunehmend Aufgaben in der Verwaltung. Als Samtgemeindedirektor kümmerte er sich in Neuenkirchen bis zur Gebietsreform im Jahr 1972 um die Organisation von Wohnraum, Planung und Aufbau von Siedlungen sowie Förderung von öffentlichen Einrichtungen wie Schulen und Sportstätten. Weitere dringende Themen waren damals die Wasserversorgung, Renovierung des Freibads und der Bau des Dorfgemeinschaftshauses .

Viel Lob und offizielle Anerkennung erhielt Josef Kern für seine Kompetenz, die er in Verbindung mit seinem Verhandlungsgeschick einsetzte, so auch als Vorstandsmitglied im Niedersächsischen Gemeindetag in Hannover.

Damals entbrannte ein Kampf um das Trinkwasser

„Die Anfangsjahre waren schwierig. Hochbrisante Probleme prägten auch die 60er-Jahre“, erinnert sich der Sohn, wobei er an den Satz seines Vaters dachte: „Morgen haben wir kein Wasser im Ort.“ Damals entbrannte ein Kampf um das Trinkwasser, denn die Versorgung aus den Brunnen war nicht mehr ausreichend.

„Die Dokumentation ist ein wertvoller Gewinn für unser Archiv, denn aus dieser Zeit hatten wir bislang nichts vorliegen“, betonte Christian Hoffmeister als Vorsitzender des Heimatvereins Neuenkirchen. „Die Geschichte lebt wieder auf. Wir werden eine Straße zum Andenken an Josef Kern benennen“, versprach Ortsbürgermeister Karl-Heinz Gerling.


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