Serie: Meller Hobbyfotografen Die traurige Geschichte hinter Sebastian Hummels Fotokunst



Melle. Melle und seine Umgebung sind schön. Das beweisen Meller Hobbyfotografen immer wieder mit ihren Bildern auf sozialen Netzwerken wie Facebook oder Instagram. Wir stellen die Menschen hinter der Kamera vor. Dieses Mal: Sebastian Hummel.

Das Schloss Gesmold gehört zu Sebastian Hummels Lieblingsmotiven. Mal im Mondschein, mal im Licht der untergehenden Sonne. Generell spiegeln seine auf Facebook und Instagram veröffentlichen Landschaftsbilder oft eine zauberhafte Lichtstimmung wider. Nicht immer perfekt, aber es sind Fotos, die sich sehen lassen können.

Dabei fotografiert der 35-Jährige erst seit gut einem Jahr. Im Dezember 2016 habe er sich seine erste Kamera gekauft, sagt der Meller. Eine Lumix FZ300 mit fest eingebautem Zoomobjektiv und einem Brennweitenbereich von 25 bis 600 mm. Kein Profigerät, aber ein gutes Einsteigermodell. Eine Kamera, die ihn vom Alltag ablenken sollte. Denn hinter Hummels Fotokunst steckt eine traurige Geschichte.

Der Meller Hobbyfotograf Sebastian Hummel im Selbstporträt. Foto: Sebastian Hummel

„Ich habe etwas zum Ausgleich gesucht“, erzählt Hummel. Er habe nicht nur an Krankheit und Haushalt denken wollen. Zu dem Zeitpunkt war seine Frau Yvonne bereits an Krebs erkrankt. Eine Zeit, in der die Hoffnung immer kleiner wurde. Um Luft zu holen und neue Kraft zu tanken, geht der zweifache Vater mit seiner neuen Kamera in die Natur.

Aus dem zweckgebundenen Abtauchen wird ein Hobby, das Spaß macht. „Meiner Frau haben die Fotos gefallen“, sagt Hummel. Und seine Aufnahmen seien immer besser geworden.

Um die Technik zu erlernen und sich fortzubilden, habe er auf Youtube vor allem die Videos von Benjamin Jaworskyj angeschaut, einem Profifotografen, der als Autodidakt angefangen hat und auf seinem Kanal nun Tausende mit Tipps und Tricks versorgt.

Hummel experimentiert mit den Kameraeinstellungen, vergrößert seine Ausrüstung, kauft Zubehör wie Blitz, Pol- und Graufilter. Der Meller erstellt sein Instagram-Profil „nature_photographer_82“, fängt an, seine Bilder in Facebookgruppen zu posten – und erfährt zunehmend positive Resonanz. Dann der Schicksalsschlag.

Lieblingsbild dem Hospiz geschenkt

Hummels Frau Yvonne stirbt Mitte des vergangenen Jahres. Mit nur 36 Jahren. Das Foto mit den zwei Mohnblumen, mit denen die Traueranzeige in der Zeitung unterlegt ist, sei eines seiner Bilder gewesen, sagt er. Doch für wen fotografiere er nun eigentlich noch, fragt sich der Meller. Freunde helfen Hummel dabei, nicht in seinem Tief zu verharren.

Das Fotografieren erleichtert es dem Lagerarbeiter, mit der Trauer umzugehen. Er merkt, dass er vielen Menschen mit seinen Bildern eine Freude machen kann. Vom Lieblingsmotiv seiner Frau, einem im Gegenlicht aufgenommenen Getreidefeld, habe er dem Hospiz zu Weihnachten einen großen Abzug geschenkt.

Mittlerweile lenkt die Fotografie nicht nur vom Alltag ab, sie gehört zu Hummels Alltag. Regelmäßig zieht der 35-Jährige abends noch mit Boxermischling Tyson los, um in Melle oder der näheren Umgebung nach lohnenswerten Motiven Ausschau zu halten. Nicht nur Schloss Gesmold ist ein regelmäßiges Ziel, sondern auch die Sternwarte in Oberholsten. Oder die Maschwiesen. Oder auch der Blaue See zwischen Wellingholzhausen und Dissen. „Wasser und Kamera ziehen sich an“, meint der Meller, der gerne einmal die Bäche und Wasserfälle im Schwarzwald aufnehmen würde. Mit Langzeitbelichtungen, die so einen märchenhaften Schleiereffekt zur Folge haben.

Auf Fototour mit dem Sohn

Hummels Hobby färbt sogar schon auf die Kinder ab. Zumindest auf eines. Während die 14-jährige Tochter andere Interessen hat, wurde der Wunsch des achtjährigen Sohnes nach einer Kamera zu Weihnachten erfüllt. „Demnächst wollen wir mal zusammen los“, sagt Hummel.


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