Aufklären für mehr Verständnis Junge Muslime suchen Dialog in Melle und dem Landkreis

Gemeinsinn statt Spaltung und Aufklärung statt Vorurteilen: Junge Mitglieder der Ahmadiyya Muslim Jugendorganisation in Osnabrück suchten in Melle das Gespräch mit Bürgern. Foto: Petra RopersGemeinsinn statt Spaltung und Aufklärung statt Vorurteilen: Junge Mitglieder der Ahmadiyya Muslim Jugendorganisation in Osnabrück suchten in Melle das Gespräch mit Bürgern. Foto: Petra Ropers

Melle. In einer Zeit vielfältiger Herausforderungen suchen sie den Dialog: Mitglieder der Ahmadiyya Muslim Jugendorganisation in Osnabrück investierten ihre Freizeit, um am Samstag auf dem Wochenmarkt mit Meller Bürgern ins Gespräch zu kommen.

Neben dem historischen Rathaus bauten die Jugendlichen und jungen Erwachsenen ihren Informationsstand auf. „Muslime für Frieden“ prangte auf den blau-weißen T-Shirts, die sie angesichts der Witterung kurzerhand über dicke Jacken gezogen hatten. „Wir möchten auf die Menschen zugehen und Vorurteile abbauen“, begründete Atta ur Rehman das Engagement, das die jungen Muslime regelmäßig auch auf den Markt in Osnabrück und in weitere Orte des Osnabrücker Landes führt.

„Liebe für Alle Hass für Keinen“

Die Ahmadiyya-Muslim-Gemeinschaft ist eine islamische Reformgemeinde, die 1889 in Indien von Hradhrat Mirza Ghulam Ahmad gegründet wurde und heute ihren Hauptsitz in London hat. In Deutschland unterhält sie über 50 Moscheen mit Minarett und Kuppel – darunter auch die Basharat-Moschee in Osnabrück mit ihren rund 350 Mitgliedern. „Liebe für Alle. Hass für Keinen“ lautet ihr weltweit propagiertes Motto, das auch über dem Infostand auf dem Meller Markt prangte.

„Leider werden die Lehren des Islam oft missverstanden, missinterpretiert oder missbraucht“, kritisierte Atta ur Rehman. Die Kampagne „Muslime für Frieden“ verfolgt deshalb ein zweifaches Ziel: „Angesichts des im Namen des Islam verübten, unsäglichen Terrors in Großbritannien, Deutschland und an vielen anderen Orten fühlen wir uns als Muslime dazu verpflichtet, gezielt die muslimische Jugend über Heimatliebe aufzuklären und sie vor religiösem Fanatismus und Einfluss zu bewahren“, heißt es dazu auf der Internetseite der Ahmadiyya Muslim Jamaat Deutschland.

Nicht zu Vorurteilen neigen

Gleichzeitig sollen aufgeklärt und informiert werden: „Durch die Kampagne erhoffen wir uns, dass die Bürgerinnen und Bürger von der klaren Differenzierung zwischen Muslimen und fanatischen Extremisten erfahren und nicht aus Unkenntnis zu voreiligen Schuldzuweisungen und Vorurteilen neigen“, heißt es weiter. „Denn dies wird nur zur Spaltung der Gesellschaft beitragen – was wiederum den Extremisten nur in die Hände spielt.“

Gemeinsinn statt Spaltung lautet dagegen das Motto der Ahmadiyya-Muslime. Die Osnabrücker Jugendorganisation hilft deshalb nicht nur seit rund 20 Jahren, die Überreste der Silvesterknallerei in Osnabrück zu beseitigen. Für sie ist es auch selbstverständlich, sich am alljährlichen Frühjahrsputz in der Stadt zu beteiligen. Benefizläufe, Blutspendeaktionen in der Moschee: „Wenn wir in diesem Land leben, sollten wir auch etwas Gutes für die Gesellschaft tun“, formulierte Muhammad Rafi Qamar.

Begegnung hilft

Doch das Bild des Islam ist bei Nicht-Muslimen oft von Angst und Ablehnung geprägt. „Es liegt mir am Herzen, dass meine Religion nicht so schlecht gemacht wird.“ Daniyal Bhatti nahm sich deshalb gerne die Zeit, in Melle Informationsschriften zu verteilen und mit dem einen oder anderen Meller Bürger ins Gespräch zu kommen. Und die Begegnung hilft, stellte Atta ur Rehman oft genug fest: „Wenn die Menschen uns und den wahren Islam erst einmal kennengelernt haben, sind sie froh. Und dann sind wir auch froh.“


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