Verordnung seit 1. Januar 2018 in Kraft Kastrationspflicht für freilaufende Katzen in Melle

Von Karsten Grosser

Halter von Katzen in Melle müssen ihre Tiere kastrieren lassen, wenn sie diese auch außerhalb der Wohnung laufen lassen wollen. Foto: dpaHalter von Katzen in Melle müssen ihre Tiere kastrieren lassen, wenn sie diese auch außerhalb der Wohnung laufen lassen wollen. Foto: dpa

Melle. In der Stadt Melle gilt seit dem 1. Januar 2018 eine Kastrationspflicht für freilaufende Katzen. Auch eine Kennzeichnung der Tiere ist seit diesem Tag vorgeschrieben. Bei Missachtung der Verordnung drohen Bußgelder.

Streunende Katzen, die sich unkontrolliert vermehren, stellen in Niedersachsen ein immer größeres Problem dar. Tierheime sind an ihren Kapazitätsgrenzen, zudem gefährden die wildernden Tiere die heimische Vogelwelt und sie sind potenzielle Überträger von Krankheiten auf andere Katzen. Aus diesen Gründen hat die Stadt Melle, wie viele andere Städte und Gemeinden zuvor auch schon, nun eine Kennzeichnungs- und Kastrationspflicht für freilaufende Katzen eingeführt.

Wer als Katzenhalter gilt

Die am 13. Dezember 2017 vom Stadtrat beschlossene Verordnung gilt seit dem 1. Januar 2018. Katzenhalter in Melle, die ihrer Katze die Möglichkeit gewähren, sich außerhalb der Wohnung ihres Halters frei zu bewegen, müssen diese zuvor von einem Tierarzt kastrieren und mittels Mikrochip oder Tätowierung kennzeichnen lassen. Diese Vorgabe gilt nach Angaben der Stadt für Katzen, die älter als fünf Monate sind. Als Katzenhalter betrachtet die Stadt auch Menschen, die einer freilaufenden Katze regelmäßig Futter geben. Für die Zucht von Rassekatzen können Ausnahmen von der Kastrationspflicht beantragt werden.

Nach Kennzeichnung unverzüglich registrieren

Die Verordnung beinhaltet ferner die Pflicht, die Katze nach der Kennzeichnung unverzüglich zu registrieren. Die Stadt nennt als mögliche Registrierdatenbanken Tasso und das Deutsche Haustierregister. Der Eintrag sei kostenlos und ermögliche es, entlaufene Tiere wieder dem Besitzer zurückzugeben.

Geldstrafe bis 150 Euro möglich

Wer die neuen Vorgaben missachtet, begeht eine Ordnungswidrigkeit und muss mit einer Geldstrafe von bis zu 150 Euro rechnen. Allerdings werde die Stadt kein Personal einsetzen, um die Einhaltung der Verordnung in den einzelnen Haushalten zu überprüfen, teilte Sprecher Jürgen Krämer mit. „Wir setzen vielmehr auf die Eigenverantwortung der Katzenhalter. Konkreten Hinweisen werden wir selbstverständlich nachgehen.“

„Rund 170 streunende Katzen in Melle“

Wie viele Katzen derzeit im Stadtgebiet Melle leben, lasse sich wegen einer fehlenden Meldepflicht nicht sagen. „Wir gehen von rund 170 streunenden Katzen aus“, sagte Krämer. Ohne Kennzeichnung aufgegriffene Tiere würden kastriert werden. Wenn sie handzahm sind, würden sie anschließend durch ein Tierheim vermittelt, andernfalls wieder ausgesetzt werden. Nach Schätzungen des Deutschen Tierschutzbundes leben aktuell rund zwei Millionen verwilderte Hauskatzen in ganz Deutschland, davon rund 200.000 in Niedersachsen.

Aktion zur Kastration herrenloser Tiere

Um das Elend verwilderter Katzen einzudämmen, startet das Land Niedersachsen am 15. Januar eine Aktion zur Kastration herrenloser Tiere. Ehrenamtliche Betreuer von Futterstellen sowie Tierheim-Mitarbeiter können freilebende Katzen, die keinen Besitzer haben, bis zum 15. März kostenlos zum Kastrieren und Registrieren zu einem Tierarzt bringen. „Wir haben es hier mit einem erheblichen Tierschutzproblem zu tun“, sagte Agrarministerin Barbara Otte-Kinast am Mittwoch. Ihr Ministerium fördert das Projekt mit 200.000 Euro.

Wie teuer ist eine Kastration?

Nach Kenntnisstand der Stadt Melle fallen bei weiblichen Tiere Kosten für eine Kastration in Höhe von 100 bis 120 Euro an, bei Katern in Höhe von 70 bis 80 Euro. Die Kennzeichnung würde etwa 25 bis 35 Euro kosten.

Broschüre mit zusätzlichen Informationen

Weitere Informationen können Bürger einer Broschüre der Stadt entnehmen, die ab dem 15. Januar im Stadthaus und im Rathaus in Melle-Mitte, in den Bürgerbüros Buer, Bruchmühlen, Riemsloh, Neuenkirchen, Wellingholzhausen, Gesmold und Oldendorf sowie in den heimischen Tierarztpraxen und Tierschutzvereinen kostenlos erhältlich sein soll. (mit dpa)