Es war nicht immer lecker Die Geschichte vom Meller Bier

Von Uwe Plaß

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Melle. Seit Jahrtausenden brauen die Menschen Bier. Auch in Melle hatte das Bierbrauen eine lange Tradition.

Als sich in der mittelalterlichen Stadt die verschiedensten Handwerke herausbildeten, waren darunter neben Webern, Schmieden, Glasern auch Brauer. Bier – natürlich nicht ganz vergleichbar mit einem heutigen Pils – war praktisch ein Grundnahrungsmittel. In der Regel war es aufgrund seiner Herstellung erheblich keimfreier als das damalige Trinkwasser und enthielt daneben wichtige Nährstoffe. Selbst Kinder tranken es.

Brauer und Bäcker

Im ausgehenden Mittelalter schlossen sich die Meller Handwerker zu Gilden zusammen. Dabei ging es um gegenseitige Unterstützung und Etablierung einheitlicher Standards, aber natürlich auch um Einfluss in der Stadt und Abschottung gegen Konkurrenz. Da Melle nur eine kleine Stadt war, schlossen sich verschiedene Handwerksberufe in einer Gilde zusammen. Die Brauer taten sich mit den Bäckern zusammen. Dies lag auch thematisch nahe. Beide Berufe machen nicht nur etwas aus Getreide. Neun von 22 Brauern, die zwischen 1667 und 1770 in Melle ansässig waren, waren auch gleichzeitig Bäcker. Im Mitgliederverzeichnis der Bäcker- und Brauer-Gilde finden sich typisch Meller Namen wie Klausing, Hollmann, Hölscher, Caesmann und Werges. Selbst Bürgermeister Meier war Mitglied.

Bierversorgung ein Problem

Die Sicherstellung der Bierversorgung war aufgrund seiner Bedeutung wichtig. Bei Problemen musste man sogar mit Unruhen rechnen. Als 1762 während des Siebenjährigen Krieges Soldaten in Melle einquartiert waren, warnten die Behörden dringend vor den Gefahren des Biermangels. Man befürchtete, dass Soldaten, die nichts zu trinken bekommen, unberechenbar sein könnten.

Überhaupt gab es hinsichtlich des Bieres immer wieder Probleme. Das Brüchtengericht hatte sich mit zahlreichen Streitereien zu beschäftigen. Neben den auch heute noch vorkommenden „Begleiterscheinungen“ von erhöhtem Alkoholkonsum – Beleidigungen, Drohungen, Einbrüchen – gaben auch die Kneipiers und Brauer Anlass zum Ärger. Mal wurde nach der Sperrstunde noch gezapft, mal war das Bier trotz guter Getreideernte teuer und mal wurde dünnes Bier als gutes Bier ausgegeben.

Frage der Qualität

Mit der Qualität war es demnach oft nicht weit her. Das zeigte sich eindrucksvoll nach dem Meller Stadtbrand von 1720. Über mehrere Jahre werkelten in den Ruinen der Stadt zahlreiche auswärtige Handwerker am Wiederaufbau. Diese beschwerten sich über Geschmack und Preis der Meller Brauerzeugnisse und führten kurzerhand auswärtiges Bier ein. Das rief natürlich die Gilde auf den Plan, die darin einen Verstoß ihrer Rechte sah. Nun musste der Landesherr entscheiden.

Fürstbischof Ernst August II. von Osnabrück ließ sich Proben schicken und gab den Handwerkern recht. Die Plörre war nicht zumutbar. Ungeachtet der Privilegien der Gilde sah er hier einen Notfall. Er gestattete den Handwerkern, für die Zeit des Wiederaufbaus so viel Bier einzuführen, wie sie wollten. Es durfte jedoch nicht an die Meller Bevölkerung abgegeben werden.

Germania kauft Konkurrenten

Positive Schlagzeilen machte hingegen die 1869 vom Hotelier Japing gegründete – industrielle – Brauerei an der Plettenberger Straße. Bis dahin brauten Wirte fast ausschließlich für den eigenen Bedarf. Schon 1872 verkaufte Japing den Betrieb, der dann eine wechselvolle Geschichte nahm. Während die aus Prag stammenden Brüder Tanzer das Meller Bier sogar bis Südamerika und zur Weltausstellung 1880 nach Melbourne exportierten, führten dann zahlreiche Besitzerwechsel zum Ruin. Erst der Gutsbesitzer Höpker aus Kilver führte die Dampfbierbrauerei ab 1884 zu neuer Blüte. 1920 kaufte die Germania-Brauerei aus Münster den Konkurrenten, um ihn zu schließen. Die Gebäude wurden später von der Stadt gekauft. Es gab auch Ideen, dort einen neuen Marktplatz zu errichten.

Heutzutage gibt es Meller Bier entweder aus unserer gleichnamigen belgischen Partnerstadt oder seit einigen Jahren von der Gesmolder Braugemeinschaft.


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