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Kommentar Bei Mitarbeitersuche stille Reserve in Melle anzapfen

Meinung – Kirsten Muck | 23.09.2019, 20:17 Uhr

Die Not macht erfinderisch: Das Christliche Klinikum Melle bietet im Verbund mit den Niels-Stensen-Kliniken einen Refresher-Kurs für Pflegekräfte an, die in ihren Beruf wieder einsteigen wollen. Anstatt Pflegekräfte im Ausland zu suchen, setzt das CKM auf eine stille Reserve. Das wurde auch Zeit, meint unsere Kommentatorin.

Auf der Suche nach Fachkräften haben die Verantwortlichen in den Krankenhäusern lange an einer Gruppe von Fachkräften vorbeigeschaut. Und zwar an der Gruppe von Mitarbeitern, die wegen familiärer Verpflichtungen einen anderen Job mit geregelten Arbeitszeiten angenommen oder der Pflege sogar ganz den Rücken gekehrt haben. Ganz oder gar nicht, lautete über Jahre das Credo in den Kliniken, sowohl im pflegerischen als auch im ärztlichen Bereich. Wer ein paar Jahre raus war, hatte es schwer, in einer Klinik wieder Fuß zu fassen.

Für viele Mitarbeiter - meistens waren es Frauen - bedeutete der Rückzug ins Familienleben oft die Aufgabe des Berufs. Die Betroffenen trauten sich nach einer mehrjährigen Pause nicht mehr ins Berufsleben zurück. Sie fühlten sich den Anforderungen nicht gewachsen, hatten Angst zu versagen. Auch die Kollegen und Verantwortlichen in den Kliniken standen den Wiedereinsteigern skeptisch gegenüber. Der Refresher-Kurs am CKM setzt genau da an. Die Rückkehrer werden nicht einfach ins kalte Wasser auf der Station geschmissen, sondern gezielt auf die Anforderungen in den Klinik vorbereitet. Und die Kollegen müssen keine Angst haben, dass sie mit den Rückkehrern mehr Arbeit als Entlastung haben.

Modelle wie diese sollten Schule machen. Denn der Mangel an Fachkräften wird die Krankenhäuser noch lange Zeit begleiten.

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