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Meller Beamte klären auf Wie spreche ich eigentlich einen Polizisten korrekt an?

Von Karsten Grosser | 23.03.2019, 10:22 Uhr

Frau Polizist? Herr Wachtmeister? Eher nicht. Aber wie lautet die korrekte Anrede für Polizisten? Wir haben Beamte in Melle gefragt und auch erfahren, warum man sie nicht ungefragt duzen sollte.

Beamte richtig anzusprechen, ist ganz einfach: mit ihrem Nachnamen. Dieser steht in der Regel auf einem Aufnäher auf der Uniform. Sollten die Polizisten in Zivil unterwegs sein, darf man selbstverständlich nach dem Namen fragen. Der Dienstgrad spielt bei der Anrede keine Rolle. Das gelte auch für interne Gespräche, erklären die Meller Polizisten Elke Lorenz (Ermittlungsführerin im Kriminalermittlungsdienst), Christian Schulze (Einsatzleiter) und Peter Kleinfeld (Leiter Kriminalermittlungsdienst). Die Beamten als Herr oder Frau Polizist anzusprechen, ist aber auch nicht schlimm. Im Gegensatz zu Beleidigungen.

Im deutschen Recht gelten Beleidigungen als Straftatbestand – unabhängig davon, ob man Amtsträger anpöbelt oder andere Personen. Denn die im normalen Sprachgebrauch oft zitierte Beamtenbeleidigung gibt es nicht als eigenen Straftatbestand. Gleichwohl dürfte es so sein, dass Polizisten überdurchschnittlich oft beleidigt werden. Der Respekt gerade bei jungen Menschen nehme immer mehr ab, hat Kriminalhauptkommissarin Lorenz beobachtet. Polizeihauptkommissar Schulze ergänzt, dass ihn etwa doofe Sprüche von vorbeifahrenden Jugendlichen grundsätzlich ärgerten. Und Kriminalhauptkommissar Kleinfeld merkt an, dass sich gerade diejenigen respektlos verhalten, die Respekt einfordern.

Bußgeld und Freiheitsstrafe

Wer seine gute Kinderstube im Dialog vergisst, muss jedenfalls mit Konsequenzen rechnen. Nämlich dann, wenn die beleidigte Person einen Strafantrag stellt. Die Besonderheit bei Amtsträgern, wie sie Polizisten sind, ist, dass auch Vorgesetzte einen solchen Strafantrag stellen dürfen. Sieht das Gericht den Tatbestand der Beleidigung, der üblen Nachrede oder der Verleumdung erfüllt, drohen Tätern Bußgelder und gegebenenfalls auch eine Freiheitsstrafe.

Übrigens: Unhöflich zu sein, muss nicht gleich eine Beleidigung bedeuten. Eine maßvolle Kritik an polizeilichen Maßnahmen ist durch Meinungsfreiheit gedeckt. Das Duzen in unangemessener Form indes kann als Beleidigung interpretiert werden. Für Peter Kleinfeld ist das Duzen die niedrigschwelligste Form der Beleidigung. Von einem Bußgeld in Höhe mehrerer Hundert Euro bis hin zum Freispruch ist alles möglich. Für Pop-Produzent Dieter Bohlen etwa blieb das Duzen eines Polizisten ohne Folgen. In einem im Jahr 2006 gesprochenen Urteil sah der Richter darin lediglich eine "Unhöflichkeit ohne ehrverletzenden Inhalt", denn: Bohlen duze schließlich jeden.