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Ein Abend voller Bach Sommerliches Orgelkonzert in Melle mit Wiltrud Fuchs

Von Conny Rutsch | 02.08.2019, 08:31 Uhr

„Alles Bach“ könnte der Titel des Konzertabends heißen, den Wiltrud Fuchs am Mittwoch an der Christian-Vater-Orgel in der Meller Petrikirche gestaltete. Sie hinterließ bei den Fans des riesigen historischen Instrumentes wahre Glücksgefühle und teilte mit ihnen ihre eigene Freude an der Musik Johann Sebastian Bachs (1685 bis 1750).

Monumental, eher an ein Präludium erinnernd, kommt die Dorische Toccata BWV 528,1 daher, mit der die Osnabrücker Kirchenmusikerin den Abend begann und die Kirche mit strahlenden Klängen füllte.

Gleich darauf verwandelte Wiltrud Fuchs das Kirchenschiff in einen Raum voller Frieden und Ruhe mit dem Choralsatz zu „Wenn wir in höchsten Nöten sein“ aus dem Orgelbüchlein, in dem Johann Sebastian Bach choralgebunden Orgelwerke sammelte, die er zwischen 1712 und 1717 in Weimar schrieb.

Bach selbst entwickelte die Idee, das Präludium und Fuge C-Dur BWV 545 mit dem Largo in a-Moll BWV 529 voneinander zu lösen. Volltönender Pedaleinsatz, der als Orgelpunkt immer wieder kehrt und vielstimmige Sequenzen machen das Präludium aus. Das Largo registrierte Wiltrud Fuchs mit der Vox humana, einem zarten Zungenregister im Oberwerk, leise und flötentönig begleitet. Die Fuge dann gestaltete sie in einem sehr ansprechenden und mithörbaren Tempo und ließ mit dem achtfüßigen Dulzian aus dem Rückpositiv wieder eine besondere Registrierfarbe erklingen.

Ein glückliches Stück

Nach einer weiteren Choralbearbeitung folgten Präludium und Fuge in G-Dur BWV 541, die die Orgelkünstlerin mit einem Andantesatz BWV 528 in h-moll voneinander trennte. Mit dem Oboenregister aus dem Brustwerk der Orgel ließ sie Oberstimme hier wie von Ferne, beinahe indirekt klingen und bildete damit einen starken Kontrast zu den strahlenden Farben von Präludium und Fuge.

Wie klagend klingt danach „Ich ruf zu Dir, Herr Jesus Christ“ BWV 639, der einzige Triosatz aus dem Orgelbüchlein.

Mit „ein glückliches Stück“ fand Wiltrud Fuchs in ihrer Programmeinführung genau das passende Wort für die große Toccata F-Dur BWV 540. Toccata, italienisch für schlagen oder betasten, ist eine der ältesten Bezeichnungen für Tasteninstrumentwerke. Kurze, beinahe tatsächlich wie geschlagen wirkende prägnante Akkordtakte, lange und imponierende Pedalsoli, konzertante Teile und Kanonkonstruktionen interpretierte Wiltrud Fuchs mit einer Spielfreude und trotz der höchsten Spielschwierigkeit und Virtuosität demütig und herzwarm gleichermaßen, dass die Zuhörer tatsächlich nach diesem großen Bach-Abend mit einem glücklichen Gesicht zu Gespräch und Wein im Turm zusammenkamen.

Wie zu jedem der sommerlichen Orgelkonzerte, die Wiltrud Fuchs vor Jahren initiiert hat, erfand Gerd Kruse vorab seine Art von Bachinterpretationen auf dem Carillon im Rathausturm.