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Hörst du nicht die Glocken? Zwei Schüler fangen Bueraner Geläut fürs Netz ein

Von Conny Rutsch | 20.09.2019, 13:57 Uhr

Ein spannendes Hobby beschäftigt zwei Teenager aus Niedersachsen. Sie sammeln Glockengeläute. Vor einiger Zeit waren sie zu Gast in

Jonas Rennspieß ist 17 Jahre alt und lebt in Seesen. Nicht grade um die Ecke wohnt sein 15-jähriger Freund Jörn Bergmann in Sulingen. Kennengelernt haben sich die beiden über ihre Faszination für Glocken vor zwei Jahren. Die Schüler sind in ihrer Freizeit und den Schulferien gemeinsam unterwegs, um Glocken in Deutschland für ihre Youtubekanäle und für eine digitale Landkarte zu erfassen.

Gemeinsam mit Matthias Breitenkamp stiegen Jonas und Jörn in den Sommerferien die 164 Stufen zu den beiden Glockenstuben der Bueraner Martinikirche hinauf. Der Bueraner Kirchenmusiker zeigte sich begeistert von dem Enthusiasmus der beiden Jungs. „Die wussten genau, welche Schalter zu bedienen sind, kennen die gesamte Technik der Glockenmechanik und wissen, auf was sie achten müssen“, erzählt er.

90 Kirchtürme bestiegen

Jonas und Jörn haben mittlerweile über 90 Kirchtürme bestiegen. Dazu zählen die Hamburger Hauptkirchen und die Marktkirche zu Hannover, in der die größte Glocke Norddeutschlands mit einem Gewicht von 10,3 Tonnen hängt. Dort haben die beiden Jung-Experten ihr erstes Glockenkonzert präsentieren dürfen. Nicht immer sei es einfach, die Kirchengemeinden davon zu überzeugen, dass sie die Geläute fachmännisch dokumentieren wollen, erzählen die Jungs.

Jede Dokumentation sei ja mit einem ausgiebigem Sondergeläut verbunden. So erklangen dann auch über Buer an einem Dienstag die Glocken in vielen Kombinationen, aber auch jede Glocke einzeln. Das Ergebnis ihrer Arbeit veröffentlichen Jonas und Jörn auf ihren Youtubekanälen. Dort nennen sich die beiden „Angelusglocke“ und „Petersglocke“, und inzwischen ist hier das Bueraner Geläut auch zu hören und zu sehen.

Für ein ganz besonderes Projekt sammeln die Glockenfreunde seit einiger Zeit zusätzlich Aufnahmen. Eine digitale Glockenlandkarte soll mit möglichst vielen Geläuten der etwa 100 000 deutschen Glocken gefüllt werden. Matthias Breitenkamp pflegte bereits im Mai alle Daten der acht neuen Bueraner Glocken in die Datenbank ein. Zusammen mit den Ton- und Filmaufnahmvon von Jonas und Jörn werden diese in Kürze auf der Glockenlandkarte abrufbar sein.

"Glocken sind Kulturgut"

Das Projekt createsoundscape wurde vom Beratungsausschuß für das Deutsche Glockenwesen mitinitiiert. Der Glockensachverständige der Landeskirche Hannovers, Andreas Philipp aus Göttingen, der das neue Bueraner Geläut in seiner Disposition entworfen hat, ist Mitglied dieses Gremiums und auch Lehrer von Jonas und Jörn. Bei ihm lernen die Glockenfreunde alles aus Theorie und Praxis über Glocken und sind hin- und wieder auch mit ihm unterwegs. Mit dem Projekt createsoundscape sollen viele Jugendliche animiert werden, sich für die Glocken ihrer Kirchengemeinde zu interessieren und sie für die Öffentlichkeit zu dokumentieren.

„Glocken sind ein großes Kulturgut“, sagt Jörn, „wir wollen die Glocken näher an die Menschen bringen helfen und zeigen, dass sie etwas ganz besonderes sind.“ Sogar zu den Glocken des Hildesheimer Doms durften sie hinaufsteigen und ihre Klänge einfangen. Das durfte bis dahin noch niemand.

„Es war uns besonders wichtig, dieses neue Geläut in Buer, das vor allem in der Zier und der Klarheit der Klangsprache ausgezeichnet gelungen ist, so schnell wie möglich zu dokumentieren“, sagt Jonas, „die Bueraner können sich echt freuen, so ein vielseitiges Geläut zu besitzen. Das ist der helle Wahnsinn.“ Klar, dass Jonas und Jörn auf die Frage nach ihrem Berufswunsch im Gleichklang „Glockensachverständige“ antworten.