Ein Artikel der Redaktion

Performance von Willem Schulz Kunst und Klang sind in Melle im Zwiegespräch

Von Petra Ropers | 06.09.2019, 12:44 Uhr

Seit 2016 bieten Teile der barocken Anlage am Engelgarten in Melle Raum für Kunst und Kultur. Nun wurden die Galerieräume des Meller Kunstvereins selbst zu einem Teil künstlerischer Performance: Cellist und Komponist Willem Schulz machte das alte Gutsgebäude zur Partitur.

„Die Musik schenkt Zeit, sich in verschiedene Perspektiven zu vertiefen“, erklärte die Vorsitzende Barbara Manke ein. Insgesamt 20 verschiedene Stationen machte Willem Schulz in seinem Wandelkonzert musikalisch neu erlebbar. Da mischte sich das Auf und Ab der Bogenstriche vor der Übernachtungsstelle in das An- und Abschwellen des Verkehrs. Mal tänzerisch-heiter, dann zunehmend aggressiv schlugen hölzerne Latten vor den gleichfalls hölzernen Garagentoren rhythmisch gegeneinander.

Celloklänge von lieblicher Melancholie drangen zuvor aus dem geöffneten Fenster auf den von alten Linden bestandenen Innenhof hinaus, als würde das Haus selbst erklingen. Willem Schulz hält es bei seinen Performances nicht an einem Platz. Vielmehr wandelt er gemeinsam mit den Musikfreunden durch Räume und Freiräume, um sie mit ihrer einzigartigen Atmosphäre hörbar und zuweilen auch in Stille erlebbar zu machen.

Lebendes Kunstwerk

So verwandelten sich Musiker und Instrument im – zur Zeit leerstehenden – Galerieraum selbst in ein lebendes Kunstwerk. Dann wieder wurde der Boden zum Teil des Instrumentariums, dem der Stachel des Cellos schabend, pochend, hüpfend und scharfe Linien zeichnend wechselnde Töne entlockte. Pinsel strichen im Atelier des Kunstvereins über Korpus und Saiten des Instrumentes.

Das Cello selbst schaute – von Willem Schulz scheinbar mühelos emporgehoben – neugierig aus dem Fenster der Töpferwerkstatt, machte mit kraftvollen, lebendigen Bogenstrichen nebenan die Malerei hörbar.

Ohnehin inspirierte die Kunst, die der Verein seit drei Jahren in die Räumlichkeiten holt, nachhaltig die Performance: Da wisperten zarte Celloklänge wie die Geister vormals präsentierter Künstler durch die Räume, malten Bogen und Hände die Gespräche der Ausstellungsbesucher fast sichtbar vor Augen.

„Das Haus als Partitur“: Das sind Klangbilder, die sich mal in kräftigen Farben, dann wieder in dezenter Zurückhaltung, hier in abgestimmter Harmonie, dort in bewusster Reibung präsentieren. Der Projektzyklus beschäftigt Willem Schulz bereits seit 2013. Und er sorgt immer wieder für faszinierende Raumerlebnisse.

TEASER-FOTO: