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Sprachlos in der fremden Welt Wie die Pflege der Ehefrau einen Mann aus Melle auszehrt

Von Conny Rutsch | 23.12.2019, 10:57 Uhr

Er nahm ihre Hand, die kraftlos in ihrem Schoß lag. „Du bist das Liebste, was ich habe“, sagte er. Mit ausdruckslosen Augen sah sie ihn an, nein, sie sah durch ihn hindurch, erwiderte seinen Händedruck nicht.

Am frühen Nachmittag war er zu ihr ins Altenheim gefahren, wie jeden Tag. Er hatte den Pflegerinnen geholfen, seine Frau anzuziehen, das hatte er schließlich ein Jahr lang zu Hause auch getan. Sie hatten sie in ihrem Rollstuhl warm eingebettet, denn heute nahm er sie mit zu einem weihnachtlichen Konzert in die kleine Kirche im Ort. Er hatte ihr davon schon seit Tagen erzählt, doch eine Reaktion hatte sie gar nicht gezeigt.

Er wusste inzwischen nicht mehr, was in ihrem Inneren vorging, was bei ihr ankam. Aber niemals wäre es ihm in den Sinn gekommen, sie alleine zu lassen, auch wenn sie nicht mehr bei ihm leben konnte. Er selbst war zwar mit Mitte siebzig noch fit, aber die Pflege seiner Frau 24 Stunden am Tag hatte ihn ausgezehrt. Und alle, sein Hausarzt, seine Freunde, hatten ihm zugeredet, dass seine Frau in einem Altenheim besser betreut werden könnte, als ihm das zuhause möglich war.

Um Heimplatz gekümmert

Dann hatte er ganz pragmatisch gehandelt, hatte sich für sie um einen Heimplatz gekümmert, tatsächlich zeitnah einen bekommen. Seit drei Jahren fuhr er täglich zu ihr, die 30 Kilometer machten ihm gar nicht so viel aus. Dann kam er wenigstens raus. Aber er würde sich bald etwas überlegen müssen.

Seine Frau erhielt kaum Rente, sie hatte ihm ihr ganzes Leben den Rücken freigehalten und seiner Tochter und ihm ein warmes Familienleben geschenkt. Seine Rücklagen waren inzwischen aufgebracht, die Heimkosten konnte er noch für einen Monat bewältigen, dann würde wohl das Sozialamt einspringen. Denn auch seine schmale Rente reichte nicht viel weiter als für das Notwendige und die Fahrten zu ihr.

Die Tochter lebte weit weg und selbst in kleinen Verhältnissen, die konnte und wollte er auf keinen Fall um Hilfe bitten.

Nun saß er mit seiner Frau in der Kirche. Er glaubte ihr anzusehen, dass sie andächtig den alten Weihnachtsliedern lauschte. Doch mitsingen konnte sie sie nicht mehr. Noch im vergangenen Jahr hatte sie manche Melodie mitgesummt. Ihre Reise in die fremde demente Welt hatte sie so vieles völlig vergessen lassen. Er bildete sich ein, sie würde noch wissen, dass er ihr Mann war.

Er hoffte, dass er ihr ein wenig von der Liebe zurückgeben konnte, die sie ihm ihr gemeinsames Leben hindurch geschenkt hatte. Ihr körperlicher Verfall war schneller gekommen, als er es für möglich gehalten hatte. Sie war rund um die Uhr auf Hilfe angewiesen.

Kosten für die Werkstatt

Später, kurz bevor er wieder zuhause ankam und sich schon auf seinen Abendtee freute, passierte es schließlich. Sein Auto ruckte, der Motor machte noch ein häßliches Geräusch, dann war alles still. - - Und nun?

Kein Auto? Wie sollte er morgen zu seiner Frau kommen? Ein Taxi war viel zu teuer. Eine Busverbindung gab es nur mit mehreren Umstiegen und dauerte fast zwei Stunden. Und dann die Werkstattkosten... Er brauchte dringend eine überbrückende Unterstützung, damit er zu seiner Frau kam, die er doch so sehr liebte.

Das Spendenkonto wird bei der Sparkasse Melle geführt. Die IBAN lautet: DE33 2655 2286 0000 1240 73. Sofern eine Spendenquittung erwünscht ist, bitte den Namen und die Anschrift im Verwendungsfeld der Überweisung angeben.