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Blick nach St. Petersburg „Wege durch das Land“ in Rödinghausen

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<em>Die prominente Schriftstellerin </em>Ilma Rakusa las aus dem Roman „Petersburg“ von Andrej Belyj. Foto: Marita KammeierDie prominente Schriftstellerin Ilma Rakusa las aus dem Roman „Petersburg“ von Andrej Belyj. Foto: Marita Kammeier

Rödinghausen. Eine von 20 Stationen des renommierten Literatur- und Musikfestes „Wege durch das Land“ war am Wochenende auf Gut Böckel.

Das genial inszenierte Zusammenspiel von Lyrik, Prosa und Musik aus Klassik und Moderne erlebten die Besucher hautnah im historischen Haferhaus.

Schon beim Betreten der malerischen Torhäuser mit Blick auf das klassizistische Herrenhaus und den Rilke-Turm tauchten sie in eine andere Welt ein – in das St. Petersburg der Jahre 1905 bis 1913. „Über allem liegt heute eine leise Melancholie“, deutete die Organisatorin Brigitte Labs-Ehlert in ihrer Begrüßung an.

Die Liebe zur russischen Kunst und Musik, zum Petersburg ihrer Vorfahren, war nur eine der vielen Gemeinsamkeiten zwischen der kunstsinnigen Mäzenin und Schriftstellerin Hertha Koenig und dem Dichter Rainer Maria Rilke.

Ein Fenster nach Europa sollte die Stadt an der Newa sein, mit kulturellen und wirtschaftlichen Höhepunkten“, zitierte die Literaturwissenschaftlerin und Übersetzerin Ilma Rakusa aus dem Roman „Petersburg“ von Andrej Belyj. Sie beleuchtete die Schauplätze der Stadt, ihre Symbole der Einsamkeit und die Dynamik des Umbruchs nach der Revolution mit den krassen Gegensätze zwischen Arm und Reich.

Wie in einem Salon vor gut 100 Jahren war die Bühne aufgebaut. Auf der Tribüne verfolgte das Publikum die moderne, mal experimentell, mal avantgardistisch inszenierte Lesung mit Konzert. Sebastian Rudolph nahm das Publikum mit in die Welt von Apollon Apollonowitsch und dessen Sohn Nikolay, der sich in eine verheiratete Frau verliebte.

„Aufsteigt der Mond aus langen Gräsern, ins rot gemalte Meer klatscht gläsern Musik wie eine Welle wild“ heißt es im Liederzyklus der Uraufführung von Sebastian Vogel und Thomas Kürstner. Sie arbeiteten ebenso nach den Gedichten von Aleksandr Block wie die Mezzosopranistin Ulrike Eidinger, die begleitet wurde von Burkhard Niggemeier am Klavier und dem Modern String Quartet. Die Videokünstlerin Claudia Lehmann visualisierte die Aufführung mit Lichtern, Zeichen und Bildern auf der Scheunenwand.

Vier Stunden später, über den Wiesen schien bereits der Mond, erleuchteten magische Stimmungsbilder den Park, und ein rundum erfüllter, anspruchsvoller Kulturabend nahm sein Ende.


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