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Johann Mathias Seling Ein Mann mit sozialem Sendungsbewusstsein

Von Hermann Queckenstedt

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Zum Geburtstag reinigte Steinmetz Sebastian Krämer die Marmorbüste Selings auf dem Osnabrücker Johannisfriedhof.Zum Geburtstag reinigte Steinmetz Sebastian Krämer die Marmorbüste Selings auf dem Osnabrücker Johannisfriedhof.

Osnabrück/Gesmold. Nach heutigen Maßstäben verlief die „Karriere“ des Johann Mathias Seling eher bescheiden. Immerhin verbrachte der gebürtige Gesmolder 34 Jahre als Kaplan der Osnabrücker Johanniskirche . Und doch war der vor 150 Jahren am 2. Dezember 1792 geborene Sohn eines Markkötters ein Glücksfall nicht nur für die Kirchengemeinde, sondern auch für die Stadt und das Bistum Osnabrück.

Die geistliche Laufbahn schien für Johan Mathias Seling keinesfalls vorgezeichnet: Wie sein Vater, der sich so ein Zubrot verdiente, erlernte er den Beruf des Spinnradmachers und verdingte sich bei einem Bauern. Glücklicherweise erkannte sein im holländischen Alkmar lebender Onkel seine geistigen Fähigkeiten und holte ihn als Kaufmannslehrling in sein Geschäft. In der „Franzosenzeit“ Napoleons diente Johan Seling als Sergeant in Straßburg in der Militärverwaltung, bevor er auf dem Osnabrücker Gymnasium Carolinum noch einmal die Schulbank drückte.

1816 nahm er ein Theologiestudium in Münster auf und kehrte 1820 nach erteilter Priesterweihe als Lehrer ans Carolinum zurück. Nach sechs Jahren musste er den Lehrerberuf jedoch wegen eines Augenleidens aufgeben, und er übernahm eine Kaplansstelle an der Osnabrücker Johanniskirche.

Hier machte er sich vor allem als Sozialreformer einen Namen, der mit Tatkraft und großem Engagement gegen soziale Missstände anging. 1836 richtete er in seiner Wohnung eine Spinnschule ein: Damit bot er verarmten Kindern eine Bildungs- und Berufschance, die ihnen Perspektiven für ihr Leben bieten sollte.

Besonderes Augenmerk schenkte Seling zudem dem weitverbreiteten Alkoholmissbrauch, der häufig ganze Familien ins Elend stürzte. 1840 gründete er einen Mäßigkeitsverein und verdammte in Reden, Predigten sowie Dichtungen zu bekannten Melodien den Alkoholismus. Dieses Engagement machte ihn weit über die Grenzen Osnabrücks bekannt, denn in unermüdlichem Einsatz soll er in 150 Orten im Osnabrücker, Oldenburger, Ems- und Münsterland gesprochen und dabei 82000 Hörern die Vorzüge der Nüchternheit vermittelt haben.

Selings soziales Sendungsbewusstsein überwand auch konfessionelle Grenzen, was ihn heute durchaus zu einem interessanten Exponenten einer basisnahen Ökumene macht,


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