Das Haus „Kellenberg“, 1. Teil Eine Anstalt für verwahrloste Kinder in Buer

Von Wilhelm Knigge

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Das Haus Kellenberg auf einem historischen Bild. Foto: ArchivDas Haus Kellenberg auf einem historischen Bild. Foto: Archiv

Buer. Im „Thörenwinkel“ heißt die Feldflur in Markendorf am südlichen Rande des Bergwaldes, in der das nach der benachbarten Bergkuppe benannte Haus „Kellenberg“ steht. Von hier aus schaut man auf eine schöne und wechselvolle Landschaft, auf fruchtbare Äcker, Wiesen und Wälder, durchsetzt mit kleinen oder größeren Gehöften.

Es war ein Angebot des damaligen Fleischwarenfabrikanten Fritz Kamping in Buer an den Leiter des Erziehungsheimes „Hünenburg“ in Krukum, Hausvater Ferdinand Rhode. Kamping bot 1914 an, dem Erziehungsheim „von Todes wegen ein Berggrundstück am Großen Kellenberg in Markendorf in einer Größe von 17,5 ha mit gutem Holzbestand“ zu schenken.

Hausvater Rhode war über das Angebot sehr erfreut und schrieb an Fritz Kamping, dass er „die Schenkung zur Ehre Gottes, zum Wohle der Kinder und damit im Sinne des Erblassers nutzen werde“.

Wohltäter der Gemeinde

Fritz Kamping (1847–1922) war ein angesehener Fleischwarenfabrikant, der vielen Bueranern Arbeit und Brot gab, eine christlich und sozial geprägte Lebensauffassung hatte und bedeutende Spenden für kommunale und kirchliche Zwecke leistete. In einer Chronik von Buer wird er als „Wohltäter unserer Gemeinde“ bezeichnet. Gegenwärtig tragen der „Kampingring“ und ein Altenheim seinen Namen. Jedoch konnte Kampings Angebot einige Jahre wegen des 1. Weltkrieges nicht verwirklicht werden.

Das Erziehungsheim „Hünenburg“ in der ehemaligen Gemeinde Krukum, eine „Anstalt für verwahrloste oder in der Gefahr der Verwahrlosung stehende Kinder“, auch „Rettungshaus“ genannt, wurde 1853 gegründet. Das Landesdirektorium der Provinz Hannover plante schon lange, ein Erholungsheim für Fürsorgekinder einzurichten. Es wandte sich im Winter 1917/18 an den Vorstand der Hünenburg mit dem Ansinnen, er möge ein Erholungsheim in Verbindung mit dem bestehenden Erziehungsheim im Raum Melle einrichten.

Daraufhin besann sich Hausvater Rhode wieder auf Kampings Angebot. Der wollte zwar nicht mehr die ursprüngliche Waldfläche an die Hünenburg spenden, aber immerhin noch sieben Hektar Bergwald am Südwesthange des Kellenberges. Durch Kampings Vermittlung konnte der Vorstand der Hünenburg am 9. September 1918 von den beiden Neubauern Heinrich und Karl Scholle einen am Rande des Bergwaldes gelegenen Doppelkotten zum Preise von 5600 Mark erwerben. Den Kaufpreis zahlte Kamping.

Um Spenden gebeten

Zunächst konnte nur die westliche Hälfte des Doppelkottens umgebaut werden. Die Diele wurde als Speisesaal und Spielraum eingerichtet, der darüber befindliche Dachboden zum Schlafsaal ausgebaut. Die Umbauarbeiten dauerten über ein Jahr. Für die Anschaffung des Mobiliars wurden die Gemeindemitglieder des Kirchenkreises Buer gebeten, gebrauchtes Mobiliar zu spenden.

Wegen seiner abseitigen Lage hatte das Haus keinen Stromanschluss. Beleuchtet wurden die Räume mit Petroleumlampen. Es gab auch noch keine Hauswasserversorgung. Das Wasser wurde mit Eimer aus dem Brunnen auf dem Hofe gefördert.

Am 1. Juli 1920 konnte das Heim endlich eröffnet werden, zunächst mit 20 Kindern, als Zweiganstalt des „Rettungshauses Hünenburg“. (Fortsetzung folgt)


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