zuletzt aktualisiert vor

Was machen eigentlich die Kümmerer? „Die Zukunft fängt heute an!“

Von Conny Rutsch


Buer. Ursula Lücking aus Buer möchte sich kümmern, und das darf sie seit Sommer 2010 sogar ganz offiziell von der Stadt bestellt. Am Zentrum für ehrenamtliches Engagement an der Katholischen Landvolk-Hochschule in Oesede belegte Ursula Lücking entsprechende Kurse und ist nun in der Lage, Menschen zur Seite zu stehen, die ihre Angebote benötigen.

In erster Linie sind es Hilfestellungen in haushaltsnahen Dienstleistungen und technische Hilfen im Haus, die von den 20 Kümmerern im Grönegau geleistet werden können. Auch Fragen zu Wohn- und Hausgemeinschaften oder Umbauten und Modernisierungen von Immobilien für barrierefreies Wohnen fallen in ihren Zuständigkeitsbereich.

„Hier auf dem Land greift in kleineren Dingen noch die Nachbarschaftshilfe ganz gut“, erzählt Ursula Lücking. Daher wird ihre Hilfe noch nicht häufig nachgefragt. Vielleicht liegt es auch an der Schwellenangst, zugeben zu müssen, dass nicht mehr alles so reibungslos klappt, wenn Alter oder Krankheit den Alltag einschränken.

Aber sie wird schon mal um Hilfe gebeten, wenn ein älterer Mensch zum Arzt gefahren werden muss oder eine Begleitung bei Glatteis braucht. Sie vermittelt auch Hilfe beim Herrichten eines Terrassenplatzes oder für die Hausbetreuung in Abwesenheit der Bewohner.

Die kleinen Dinge des täglichen Lebens, die mit steigendem Alter beschwerlicher werden, sind es, die mit wenig Aufwand geändert werden können. Sei es eine Türschwelle, die zur Stolperfalle wird, ein Treppengeländer oder eine Halterung für Dusche oder Badewanne. Auch Formalitäten wie zum Beispiel die Anmeldung einer Haushaltshilfe etwa bei der Mini-Job-Zentrale können über die Kümmerer abgewickelt werden.

Viel Hintergrundwissen ist notwendig, damit Ursula Lücking sich wirklich kompetent kümmern kann. Sie greift bei fachlichen Fragen auf die Datenbank des Landkreises zurück, um entsprechende Anbieter in haushaltsnahen Dienstleistungen vermitteln zu können.

Bei der Stadt und in den Bürgerbüros erhalten die interessierten Bürger Broschüren wie den „Seniorenratgeber der Stadt Melle“ oder „Die Zukunft des Wohnens in Melle“.

„Neue Konzepte wie Alterswohngemeinschaften oder das Wohnen in Mehrgenerationenhäusern werden nur zögerlich angenommen“, sagt Ursula Lücking, „da sind die Menschen in einer Stadt wie Osnabrück aufgeschlossener.“ Dabei hält sie es für so wichtig, sich schon frühzeitig mit der Zukunft auseinanderzusetzen: „Die Zukunft fängt heute an!“ Auch Fragen über häusliche Pflege werden hin und wieder gestellt, und die Kümmerer vermitteln dann Ansprechpartner, geben Auskünfte über Finanzierung oder Beratungsmöglichkeiten. Rechtsfragen dürfen sie allerdings nicht beantworten, und der Schweigepflicht unterliegen sie ebenfalls.

Kümmerer finden sich in jedem Ortsteil der Stadt Melle. Aus Wellingholzhausen etwa berichtet Herla Wendelin-Feindt, dass vor allem der Ortsbürgermeister als Kümmerer über das Bürgerbüro angesprochen wird, wenn es um technische Fragen wie Hausumbauten geht. „Wichtig ist aber, dass auch Frauen als Kümmerer vor Ort zur Verfügung stehen“, sagt sie, denn gerade bei Fragen zu Überlastungen im häuslichen Bereich fällt es den Betroffenen leichter, mit einer Frau zu sprechen.“ Ob sich die Arbeit der Kümmerer weiter ausbaut, meint sie, müsse noch abgewartet werden.

Ursula Lücking macht ihre Arbeit Spaß, denn auch ohne Zertifikat hat sie schon immer versucht, ältere Menschen aus der Isolation zu holen und sich zu kümmern.