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Ohne Kompromisse „Good Rockin’ Tonight“ mit den „Rollics“ in der Kulturwerkstatt in Buer

Von Wolfgang Huge

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Auch das Equipment der Band bestand ausnahmslos aus alten Stücken. Foto: Wolfgang HugeAuch das Equipment der Band bestand ausnahmslos aus alten Stücken. Foto: Wolfgang Huge

Buer. Konzerte in der Sommerpause sind in der Kulturwerkstatt Buer eigentlich unüblich. Umso mehr Interesse entwickelte ein Auftritt der ganz besonderen Art. Und der fand auf der Bühne der Kulturwerkstatt statt. Trotz kleinen Publikums fand das Konzert der Band „The Rollics“ durchaus Anklang.

Die Combo aus dem Süden der Republik war gekommen, um ihre Musik zu präsentieren, mit der sie erstmals Mitte der 1960er-Jahre in Erscheinung trat. In Norddeutschland waren sie allenfalls ein Insider-Tipp, im Südwesten jedoch brachten es die Jungs aus Waiblingen in ganz Baden-Württemberg zu beachtlichen Meriten. Und das kam nicht von ungefähr, wie der Auftritt in der Kulturwerkstatt zeigte.

Immerhin drei der vier Musiker von den heutigen Rollics stammen noch aus der Erstformation: Hans Hartmann, 67, Sänger, Gitarrist und Bandleader, sowie Wolfgang Eppler, ebenfalls 67, Keyboards und Saxofon, und Rainer Gluska, 65, zweiter Sänger und Bassist des Ensembles.

Ergänzung fand das Trio in Carsten Auerbach am Schlagzeug, mit 51 Jahren der Benjamin der Band. Einst gehörten die Rollics zu den wilden jungen Musikern der Beatgeneration, die den Rock’n’Roll, Rhythm’n’ Blues und Soul in die deutschen Konzertsäle und Hallen trugen. 1968 löste sich die Truppe auf, um 2007 einen neuen Anlauf zu nehmen. Und der setzte auch in der Kulturwerkstatt Buer wieder genau da an, wo die Band seinerzeit aufgehört hatte.

„The Rollics“ zeigten schnörkellose, handgemachte Musik ohne Kompromisse, von Rock’n’Roll über Blues bis Boogie, souverän vorgetragen mit einer Spielfreude, die schon ab dem ersten Titel ins Blut ging und das handverlesene Publikum in ihren Bann zog. Die Band verstand es, diese alten Titel auf ihre ganz eigene, homogene und besondere Art so zu interpretieren, dass man sich zurückversetzt fühlte in die späten 1960er-Jahre, als diese Musik in allen Clubs auf der Welt zu Hause war. Mit im Programm standen Titel wie „Bring It On Home to Me“, „High Heeled Sneekers“, „Knock on Wood“, „(They Call It) Stormy Monday“ und „Sweet Little Sixteen“. Das Konzert war gewissermaßen eine musikalische Rundreise durch die 1960er-Jahre, die durch diese Musik geprägt waren, noch bevor Verzerrer, Wah-Wah-Geräte und große Verstärkeranlagen antraten, die Welt der Rockmusik zu erobern.

„Good Rockin’ Tonight“ – so lautete nicht nur das musikalische Motto des Quartetts, sondern auch sein Eröffnungstitel, der sofort mit Szenenapplaus quittiert wurde. Die gelungene Mischung aus Rock’n’Roll, Rhythm and Blues und Soul holte das Publikum ein ums andere Mal aus der Reserve. „Everyday I Have the Blues“ – mit diesem Titel spielten sie sich so richtig in das Herz der Bueraner Bluesfans, ähnlich wie mit „Five Long Years“ von Eddie Boyd und „Blues Is a Woman“ von T-Bone-Walker.

Interessant war das Equipment der Band, das ausnahmslos aus alten Stücken bestand. Für die Verstärkung von Bass und Gitarre setzten die Rollics alte Fender-Röhrenverstärkeranlagen ein, und die Keyboards wurden über eine Yamaha-Anlage verstärkt, die ebenfalls aus einem Museum hätte stammen können.

„Das Besondere an dem Ding ist, dass es den alten Sound von rotierenden Lautsprechern als Leslie-Effekt wirklich noch rüberbringt und nicht so klingt wie die ganzen Keyboardprozessoren“, erläuterte Wolfgang Eppler am Rande des Konzerts.


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